GOETHE (ZAUNPFAHL)

“Der Gesunde weiß nicht, wie reich er ist!“ Ein altes Sprichwort, was mir während des nachfolgenden Interviews wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Um ZAUNPFAHL war es von Mitte 2011 bis Mitte 2012 sehr ruhig geworden und die Gründe dafür sprachen sich nach und nach herum. Eine schwere und wie nachfolgend erklärt, ziemlich seltene sowie unerforschte Krankheit, hat Goethe komplett lahm gelegt und in einen lebensbedrohlichen Zustand versetzt. Nach Monaten, die geprägt von Angst, Sorge und Ungewissheit, aber auch von Dankbarkeit und einem neuen Bewusstsein für dieses Wunder “Leben“ waren, schreitet der Genesungsprozess Stück für Stück voran. Goethe gewährt uns mit diesem sehr persönlichen Interview Einblicke in sein Empfinden während dieser schweren Zeit, blickt aber zugleich auch voller Elan in die Zukunft.

Hallo Goethe! Es ist viel passiert in den letzten Monaten, die für dich persönlich sicher zu den krassesten und emotionalsten zählen dürften. Fangen wir ganz von vorne an. Ihr wart auf Tour und anschließend bist du krank geworden. Es hat sich alles sehr schlimm angehört. Die Rede war von einem mysteriösen Virus, der dir arg zugesetzt haben soll. Kannst du Krankheit und Krankheitsbild etwas genauer beschreiben?

Moin Steff, ja ist `ne ganze Menge passiert in den letzten 1/1/2 Jahren. Das mich auf einmal was so krass aus der Bahn wirft, hätte ich auch nicht gedacht (mit meinen zarten 37 Lenzen : ) Es ist so, das ich mir eine Krankheit namens Guillian Barre Syndrom eingefangen habe. Das ist `ne ziemlich seltene Krankheit und auch nicht richtig erforscht. Wie das Ganze entsteht, darüber gibt es nur Vermutungen – in Greifswald, wo sie 2-3 Fälle mit dieser Krankheit im Jahr haben, meinten sie, in den allermeisten Fällen ist davor ein Magen-Darm Infekt oder Pfeiffersches Drüsenfieber und das hatte ich. Wie diese Infekte aber schlussendlich dazu führen, beitragen, wie auch immer, dass sich die Nerven entzünden und Lähmungen auftreten, wissen sie nicht. Es ist auch total unterschiedlich wie doll man gelähmt ist, der Eine ist halt von Kopf bis Fuß gelähmt und ein anderer mit der gleichen Krankheit hat “nur” leichte Missempfindungen in den Armen oder Beinen. Zumindest ist das mein Wissensstand. Dazu hatte ich noch einige andere Sachen: Myelitis (keine Ahnung was das ist) Enzyphalitis (ist ne Art Hirnhautentzündung), Lungenentzündung, Thrombose und 5 Wochen lang hohes Fieber. Und weil sie nicht so recht wussten wogegen und wie sich mich behandeln sollen, haben sie mich 4 Wochen ins künstliche Koma gelegt und mich mit Breitbandantibiotika voll geknallt. Inwieweit die Tour davor `ne Rolle spielte und ob ich mir da was eingefangen habe weiß ich nicht und das kann auch keiner sagen.

Puh, heftige Sache. Wurdest du vorher informiert, dass Du ins künstliche Koma gelegt werden solltest oder hast du das zu dem Zeitpunkt alles schon nicht mehr mitgeschnitten? Und hast du irgendwelche Erinnerungen an die Zeit im Koma? Bilder, Träume, Sonstiges?
Zu dem Zeitpunkt hab ich schon nix mehr mitgeschnitten und so haben die das dann einfach gemacht bzw. meine Frau hat das genehmigt, aber sie hatten zu dem Zeitpunkt wohl auch keine andere Wahl, denn sonst würd´ ich jetzt wohl nicht mehr hier unter den Lebenden verweilen. Erinnerungen, Träume habe ich eigentlich keine, ist alles ziemlich im Dunkeln, mir fehlen halt zwei Monate aus meinem Leben. Von Mitte Mai bis Mitte Juli, obwohl ich seit Ende Juni schon wach und in Greifswald in der Reha war, aber davon weiß ich auch nix mehr. Seit Mitte Juli hab ich wieder ein bisschen Erinnerung. Eine lustige Sache noch: Als ich wieder wach war und mein Kumpel mich gefragt hab was ich will, hab ich meine beiden Finger Richtung Mund geführt… Ich wollte eine rauchen : ) Weiß ich aber auch nicht mehr.

Du hast die Reha ja eben schon erwähnt und ich hab es nur aus Erzählungen mitbekommen, bzw. diversern Bildern entnommen. Du musstet wieder neu laufen lernen, richtig? Und wie sah es mit Sprechen aus?
Also, ich war von der Hüfte abwärts gelähmt und hatte teilweise Schlucklähmung und Atemlähmung d.h. ich wurde künstlich ernährt und beatmet. Dazu musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden und da hatte ich halt eine Trachialkanüle im Hals und damit kannst du halt nicht sprechen sondern nur so röcheln. Das empfand ich sehr schlimm, bei dem ganzen anderen Kram, dass ich mich nicht mal verständlich machen konnte. Da liegste den ganzen Tag im Bett und kannst nix machen, nur Fernsehen glotzen und das war es, und selbst wenn Besuch kam, war der halt da und das war toll, aber man konnte sich ja nicht mal richtig unterhalten, sondern nur mit Zetteln verständlich machen. Das war schon ziemlich belastend. Hinzu kam noch das ich am Tag oft geschlafen habe und sehr häufig nachts um 1 oder 2 Uhr wach geworden bin und putzmunter war. Da liegste halt im Bett, die Uhr vor Augen, und die Zeit bis morgens geht einfach nicht vorbei, und da konnt ich nicht mal Fernsehen glotzen, da die Schwestern den Fernseher direkt mit `m Knopf ausgemacht haben und ich ihn nicht mit der Fernbedienung wieder anmachen konnte. Das war schon ziemliche Scheiße. Und immer warten bis was passiert, bzw. einer kommt, dazu noch einen 70jährigen auf`m Zimmer, der in einer Tour gekotzt hat, weil er was mit`m Magen hatte.

In solchen Momenten geistern einem wahrscheinlich tausende Gedanken durch den Kopf. Hast du jemals daran gezweifelt, dass es wieder aufwärts gehen wird oder dass du jemals wieder mit Zaunpfahl auf einer Bühne stehen wirst? Warst du auch mal kurz davor aufzugeben oder musste sich Resignation stets dem Kämpfer unterordnen?
Natürlich zweifelt man und natürlich fragt man sich das berühmte “Warum gerade ich”. Das ist denke ich ganz normal. Man kann sich das vielleicht nicht so richtig vorstellen. Da wacht man auf und weiß nicht genau wo man ist, überall irgendwelche Schläuche die in dich reingehen, dann merkt man das die Beine nicht wollen, das man nicht sprechen kann und weiß gar nicht so richtig was gerade für ein Film läuft und hofft das es ganz schnell vorbei geht. Bis ich dann realisiert habe was eigentlich los ist, hat das schon ein bisschen gedauert und dann kam erstmal die Angst hoch, was kommt da noch, wird das wieder oder nicht? Und das Schlimme ist ja, das ich das nicht beeinflussen konnte, ich konnte erstmal nur warten was kommt und anfangs ging das gar nicht so richtig vorwärts. Also von Kampf kann da glaub ich keine Rede sein, ich war anfangs schon oft ziemlich niedergeschlagen. Ich weiß auch nicht ob ich bewusst gekämpft habe, Kampf ist schon ein großes Wort, das in solchen Fällen oft bemüht wird, ich denke ich habe einfach nur verdammtes Glück gehabt. Meine Bandkollegen hatten mir ein Fotobuch zusammengestellt in dem Fotos von Konzerten etc. drin waren, darin habe ich sehr oft geblättert und mich oft gefragt, ob ich das je wieder machen kann, denn nachdem ich mich ab Anfang August in der Klinik im Rollstuhl frei bewegen konnte (was schon mal eine Steigerung der Lebensqualität um mindestens 100 % mit sich brachte) habe ich mich über meine Krankheit informiert und festgestellt, das es zwar in den meisten Fällen wieder wird, aber bei 20 % der Erkrankten Einschränkungen, in welcher Form auch immer, zurückbleiben. Da habe ich natürlich gehofft dass ich nicht zu diesen 20 % gehöre. Aber nachdem ich mich dann frei bewegen konnte, habe ich viele Leute kennengelernt, die es noch viel härter getroffen hat als mich. Da war eine junger Mann, der war 24 Jahre alt, der war vom Hals abwärts gelähmt, also das wäre die Hölle für mich. Man muss sich das mal vor Augen führen, der kann nichts mehr alleine, der hat sich seine Zigarette immer von uns anzünden lassen, der kann nicht alleine essen, der kann sich nicht mal alleine am Kopf kratzen usw. Mit dem habe ich mich oft unterhalten und wenn ich dann im Internet oder Fernsehen irgendwelche Leute sehe, die waghalsige Sachen machen und so extrem fahrlässig mit ihrer Gesundheit umgehen, meinen sie müssen mit ihrer aufgemotzten Karre wie wild durch die Gegend fahren oder was auch immer, dann kann ich das nun überhaupt nicht mehr verstehen. Ich denke solchen Leuten ist es nicht klar, das es so verdammt schnell gehen kann, das alles vorbei ist. Und nachdem ich eben andere Leute getroffen habe, hat sich das Ganze dann ein bisschen relativiert und ich habe mir gedacht, dass selbst wenn was zurückbleibt, ich immer noch 1000 Mal besser dran bin als andere.

Mit anderen Worten, man weiß das Leben und die Gesundheit wieder neu und nicht als selbstverständlich zu schätzen… Wie ist deine Familie damit umgegangen, wie deine Bandkollegen? Hast du vor deren Seite bei Besuchen, bei allem gut zureden, die Fassungs- oder Hilflosigkeit gespürt?

Das in jedem Fall, man denkt über viele Sachen nach und nimmt definitiv nicht mehr alles als selbstverständlich hin und gerade in der ersten Zeit hatte ich halt viel Zeit zum Nachdenken. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man davon auch mal loslassen muss. Wenn man nur grübelt, macht einen das auch verrückt. Ich denke das die Psyche da auch eine entscheidende Rolle spielt, denn wenn man nur Panik schiebt, macht einen das noch kranker als man schon ist. Ich gehe seitdem viel lockerer durchs Leben, mache mir keinen Stress mehr wegen irgendwelcher Sachen und wenn irgendwas heute nicht mehr fertig wird, dann ist das eben so. Das habe ich in jedem Fall für mich beschlossen, denn selbst wenn du reich, erfolgreich, beliebt oder was auch immer bist, es ist die Gesundheit und Zufriedenheit mit dir selbst, die wichtig ist. Das klingt jetzt vielleicht hochtrabend aber es ist so. Also, meine Familie hat mich richtig toll unterstützt, meine Frau hat alles geregelt und ohne sie wäre es nicht gegangen, dafür werde ich ihr ewig dankbar sein. Die erste Zeit, als ich im Koma lag, war sie jeden zweiten Tag im Krankenhaus und als ich in der Reha war, da war sie immer mindestens einmal in der Woche bei mir. Matthias (unser Drummer) arbeitet in Greifswald und kam so oft er konnte und wenn es auch nur mal auf `n Kaffee für `ne halbe Stunde war. Zum Schluss kannten ihn schon alle und er hat mit Abendbrot gegessen. Ich hatte wirklich viel Besuch von allen möglichen Leuten, Christian vom Spirit, Rico von den ESA-Zecken, Süni von NoExit, Arbeitskollegen. Das war toll, das so viele Leute mal vorbei geschaut haben. Sogar der Bruder von meiner Mutter, den ich schon 20 Jahre nicht mehr gesehen hatte, kam vorbei.  Und auch wenn einige vielleicht fassungs- oder hilflos waren, so hat mich das keiner spüren lassen und ich denke das war auch gut so. Ich glaube das hätte ich auch nicht gebraucht.

Hast du dich in dieser schweren Zeit, bewusst oder unbewusst, auch mit spirituellen Gedanken auseinandergesetzt? Dir z.B. die Frage nach Gott gestellt oder ob es ein Leben nach den Tod gibt etc.?
Ne, das habe ich nicht. Das Einzige was mir aufgefallen ist, das es in der Klinik nur nette, gute, liebe Menschen waren, die irgendwelche Schicksalsschläge hatten, will sagen ich habe da keinen Idioten, Verbrecher oder so kennen gelernt. Also alles Leute, die irgendeiner Arbeit nachgegangen sind, Familie, Kinder haben und durch irgendwas aus der Bahn geworfen wurden. Also quasi Leute, die nicht sorglos in den Tag hinein leben, sondern nach irgendetwas streben, von A nach B hetzten um C noch zu schaffen. Bei denen der Körper irgendwann gesagt hat: “Bis hierhin und nicht weiter “. Ich will jetzt nicht sagen dass das generell verwerflich ist, aber so ein bisschen Gelassenheit tut denke ich jedem gut.

Irgendwann hast du/habt ihr eure Fans auch am Genesungsprozess teilhaben lassen. Habt Fotos aus der Reha Online gestellt oder einen kleinen Gedichtwettbewerb veranstaltet, wenn ich das noch richtig auf dem Schirm habe. Von da an merkte man anhand eurer Statusmeldungen, dass es Stück für Stück voran ging. Wann war der Zeitpunkt, als du das erste Mal wieder eine Gitarre in der Hand hieltest? Was war das für ein Gefühl? Konntest du die Songs noch einigermaßen oder musstest du wieder bei Null anfangen?
Ja, das war schon wichtig auch mal die ein oder andere Statusmeldung auf der Homepage oder bei Facebook zu hinterlassen. Ich hab mich auch sehr über die Resonanz gefreut. Da habe ich dann schon gemerkt, dass es vielen Leuten nicht egal ist und das hat gut getan. Auch der Gedichtwettbewerb kam echt gut an und wir haben die Gedichte auf unserer Facebookseite veröffentlicht. Das hat echt Kraft gegeben. Matthias hatte mir Anfang August ne´ Gitarre mitgebracht und anfangs stand sie nur rum, aber so ab Mitte August hab ich dann wieder regelmäßig gedudelt und das hat Laune gemacht. Ich konnte ja auch erst wieder ab Anfang August reden, da dann die Kanüle aus`m Hals rauskam. Verlernt habe ich nicht viel, zumindest was die Akkorde und Texte der alten Lieder anging. Ich habe allerdings gleich mit dem Schreiben neuer Texte und Lieder angefangen. Das ging anfangs ganz gut und ich hatte innerhalb kürzester Zeit 4 oder 5 Texte fertig, aber als ich sie mir ein paar Tage später durchgelesen habe, habe ich die alle weggehauen. Das war viel zu theatralisch und traurig und teilweise auch dick aufgetragen. Ich glaube man neigt nach so einer Krankheit dazu ein bisschen kräftiger auf die Tränendrüse zu drücken : ) Und solche Songs wollte ich nicht machen, das klang schon sehr nach Deutschrock, ha, ha… Aber dann wurde es besser und ich habe um die 15 Texte geschrieben und zur Akustik-Klampfe gespielt. Wie viel wir davon allerdings verwenden, weiß ich noch nicht, wir haben grade erst mit dem Schreiben neuer Stücke angefangen und was ich gut finde muss bei den anderen beiden ja nicht auch gut ankommen : ) Dann habe ich den Leuten in der Klinik noch n´ Song geschrieben, also die Stationen mit denen ich da zu tun hatte. War eigentlich nur `ne fixe Idee, aber das kam gut an und so hab ich den Song denn im ganzen Haus vorgespielt, zwischen meinen Therapien. War schon ziemlich krass den Song im Sportraum vor 30 Patienten und fast genauso vielen Therapeuten vorzutragen, aber sehr lustig. Überhaupt hatte ich, nachdem das Schlimmste überstanden war, sehr viel Spaß und manchmal hat der ein oder andere Therapeut schon mal gesagt ” Können sie eigentlich auch mal 5 Minuten ihre Klappe halten?” Ich glaube ich habe ziemlich viel gequatscht ha, ha…

Klar, du hattest ja auch Nachholbedarf im Reden ;- ) Die 15 neuen Texte von denen du gerade sprachst werden aber wahrscheinlich trotzdem mehr in der ernstern Schublade Platz finden oder wie würdest Du sie selber beschreiben?
Hm, sowohl als auch, da ist alles dabei. Aber wie gesagt, was ich gut finde, finden die anderen noch lange nicht gut, Also falls die alle so durchgehen sollten wie ich sie geschrieben habe, dann fress ich nicht nur einen, sondern mindestens drei Besen : ) Aber das ist auch okay so, denn meist werden die Texte durch die anderen beiden noch besser. Aber ich werde natürlich wie ein Löwe für meine Babys kämpfen : )


Wann hast du schließlich gemerkt, dass der Zeitpunkt gekommen ist, nach der langen Zeit wieder auf die Bühnenbretter zu klettern?

Also im August 2011 hat mich der Christian vom Spirit-Festival besucht und meinte “Im nächsten Jahr seid ihr wieder dabei”. Aber zu dem Zeitpunkt war noch überhaupt nicht abzusehen wie das alles wird, zu dem Zeitpunkt konnte ich grade wieder sprechen. Wir haben aber im Verlaufe des Jahres immer mal wieder telefoniert und als ich dann im Dezember nach Hause kam, rief er mich an und meinte er habe alle Bands voll, aber er würde für uns einen Platz freihalten. Das fand ich klasse von ihm. Naja, und dann hat er immer mal wieder nachgefragt und Anfang Mai hab ich mir gedacht “Scheiß drauf, wenn ich noch nicht stehen kann, dann sitz ich eben” Irgendwie braucht man ja auch ein Ziel vor Augen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir schon früher gespielt, aber ich muss halt auch auf mich aufpassen und dass Spirit war richtige Rahmen dafür.

Ich hab nur Videos davon gesehen, aber die hatten eine ziemlich emotionale Ausstrahlung. Kannst du in Worten wiedergeben, was du beim Betreten der Bühne und während des Auftritts gespürt hast?
Das war klasse und hat mir richtig viel Spaß gemacht. Das hat mir doch sehr gefehlt, Musik machen ist einfach total geil. Wir sind ja schon am Freitag hingefahren und vor allen Dingen die ganzen Leute, die ich ja nun lange nicht gesehen hatte, wieder zu treffen, das war super. Und jeder wollte mit mir einen trinken und jeder hatte was anderes. Gott sei Dank musste ich nicht alleine laufen, denn die Kombination Krücke, Dunkelheit und Alkohol ist nicht zu empfehlen. Das Konzert an sich war unbeschreiblich, die ganzen Leute vor der Bühne, das war fantastisch. Es ist schön dass die Leute uns nicht vergessen haben.

Im Sitzen zu spielen war für dich wahrscheinlich ziemlich ungewohnt. Wie sieht es denn aktuell aus? Euer Terminkalender füllt sich ja langsam wieder. Hältst du schon ein ganzes Konzi im Stehen durch oder arbeitest du noch daran?
Also, die nächsten Konzerte werde ich noch im Sitzen spielen müssen und wie lange das noch dauert weiß ich nicht. Natürlich habe ich immer noch Physiotherapie. Ich werde sehen wie sich das noch entwickelt. Wie gesagt, da muss ich einfach Ruhe bewahren und abwarten, so schwer es auch fällt und ja, im Sitzen spielen ist schon speziell und ungewohnt, aber Hauptsache ich kann wieder Mucke machen.

Nun hast Du vorhin gesagt, der erste Wunsch nachdem Du wach geworden bist, war eine zu Rauchen. Und das mit dem Trinken lief nach langer Konzertabstinenz auch wieder ganz gut. Wird oder soll sich in diesen beiden Punkten was ändern? Hat sich da sogar schon was geändert?
Hm, das mit dem Rauchen hat sich sehr zum Leidwesen meiner Oma wieder eingestellt. Und trinken, naja, wenn wir unterwegs sind trinken wir schon mal einen, aber zu Hause trink ich nach wie vor nicht und an beidem wird sich wohl so schnell auch nix ändern befürchte ich : )

Welche Ziele hast du dir für 2013 gesetzt? Sowohl persönlich als auch für Zaunpfahl.
Also ich will natürlich so schnell wie möglich wieder richtig auf die Beine kommen, es geht nach wie vor voran, wenn auch langsam, aber es geht immer noch vorwärts. Dann muss ich mal schauen wie das mit meiner vorherigen Arbeit wird. Falls ich nicht wieder voll belastbar bin, werde ich auf meine alten Tage noch was anderes machen müssen, da warte ich aber erstmal noch ein bisschen ab, denn ich würde schon gern wieder als Holzwurm tätig werden. So`n Bürojob kann ich mir nicht so richtig vorstellen, aber wenn es dann so kommt, dann ist das eben so.
Mit Zaunpfahl wollen wir im nächsten Jahr auf jeden Fall `ne neue Platte aufnehmen. Wir sind wie gesagt gerade dabei neue Sachen zu machen. Vor meiner Erkrankung hatten wir auch schon einiges fertig. Wann genau wir ins Studio gehen und wann die Platte rauskommt, ist aber noch nicht klar. Ich bin erstmal froh, das wir die ersten Konzerte gut hinter uns gebracht haben und für alles weitere werden wir uns Anfang 2013 zusammen setzten.

Konntest du für dich auch was Positives aus dieser Krankheit schöpfen?
In jedem Fall bin ich gelassener geworden und mach mich nicht mehr wegen irgendwelcher Kleinigkeiten verrückt. Und das es halt so kommt wie es kommt, da kann man sich noch so dagegen wehren, wenn die Zeit reif ist, für was auch immer, dann ist das eben so. Und ich habe in der Reha viel über andere Menschen gelernt, Menschen denen es noch beschissener geht und die trotzdem den Kopf nicht in den Sand stecken. Das hat mir teilweise mächtig imponiert und ich weiß nicht ob ich solche Sachen so durchstehen würde. Auch wie die Schwestern, Pfleger und Therapeuten das alles so hinkriegen mit den Patienten und dabei immer gute Laune haben, fand ich faszinierend. Dafür bewundere ich sie, denn ich könnte das so nicht.

Noch ne´ Abschlussmessage deinerseits?
Das Leben ist schön, ich kann den Himmel seh`n : )