FILMRISS! – EIN PUNK WIRD GEMACHT

FILMRISS! – EIN PUNK WIRD GEMACHT
(Kino ohne Talent)

Aha, mal wieder ein Punkfilm. Diesmal aus der norddeutschen Hafen-Metropole Hamburg. Nach einigen Aufführungen auf diversen Underground-Festivals ist der Film, mit dem an einen bekannten Punkrock-Song angelehnten Titel, nun auch auf einer in Eigenregie zusammenbastelten DVD erschienen. Zuerst mal ein kurzer Abriss der überschaubaren Handlung: Jensemann hat’s nicht leicht mit seiner alkoholkranken Mutter. Als er rausfliegt lernt er den Punk Keule kennen, der ihn in die Szene einführt. Nachdem das Outfit stimmt und erste Rituale erprobt wurden, muss Jens, der ab jetzt Filmriss heißt, nur noch drei Prüfungen über sich ergehen lassen, um richtig dazu zu gehören. So weit, so simpel.

Der Film wurde mit einfachsten Mitteln von Punks für Punks innerhalb der Hamburger Szene gedreht und macht aus seinem amateurhaften Status auch überhaupt keinen Hehl. Die komplette Crew stammt aus dem ‘Milieu’ und verleiht dem Film somit absolute Authentizität. Klar, die Darsteller sind (da Amateure) in ihren Möglichkeiten begrenzt und auch die wackelige DV-Kamera und der holprige Schnitt sind weit von der Professionalität entfernt. Auch die Geschichte ist recht dünn, aber es soll ja Spaß machen und daher ist diese, die zusätzlich mit einer kleinen, tragischen Lovestory aufgepeppt wurde, auch zweitrangig. Dafür gibt es haufenweise selbstironische Seitenhiebe auf Verhaltensweisen und Codices innerhalb der Szene, die einfach Spaß machen. Auch so manches Klischee wird auf lustige Art und Weise breitgetreten und man entdeckt daher bestimmt auch so einiges aus dem eigenen Punkrock-Leben. Sehr realitätsnah sind dabei die Demo- und Partyszenen, die, wie ich vermute, recht spontan und improvisiert abgedreht wurden. Zum Ende wird es dann auch noch etwas dramatisch, natürlich aber auch mit einem Augenzwinkern versehen. Man merkt, dass hier alle Beteiligten mit Spaß an der Sache dabei waren und dies überträgt sich auch auf den Betrachter. Zudem wurden auch weniger Erwartungen geschürt als bei so manch anderen Szenefilmen, was das Projekt umso sympathischer macht.

Dem Cineasten, dem Arthouse-Freund aber auch dem Mainstream-Konsumenten werden bei dem Film vermutlich die Haare zu Berge stehen, was aber gar nicht so schlimm ist. Schließlich handelt es sich um einen 100%igen Punkfilm, der direkt aus dem Leben und von der Straße kommt und nicht gekünstelt oder aufgesetzt ist. Am besten zieht man sich das Teil mit ein paar Kumpels und 2 Kisten Bier rein, so wird der Film, der nebenbei noch mit einem coolen Soundtrack aufwarten kann, zur kurzweiligen, trashigen Unterhaltung und ist fast Pflichtprogramm. Demnächst wird es hier wohl noch ein Interview mit Regisseur Felix Gerbrod geben – also seid gespannt! Mirko

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