VERBRANNTE ERDE – IV

VERBRANNTE ERDE – IV
(Major Label)

Eine ganze Weile ist es nun her, dass die VERBRANNTE ERDE ihr letztes Album veröffentlicht hat. Nun erscheint nach schlappen acht Jahren der vierte Longplayer mit dem simplen Titel ‚IV‘, der sowohl als LP (inkl. Downloadcode) als auch als gepresster Silberling erhältlich ist. Viel geändert hat sich musikalisch nicht. Man bleibt dem melancholischen Punkrock treu und präsentiert zehn ausgereifte und düstere Songs.

Die Einflüsse sind dabei schnell heraus zu hören. EA80, FLIEHENDE STÜRME  oder BOXHAMSTERS standen mit ihrem stilprägenden Sound Pate. Aber auch ein paar NDW und Wave-Elemente lassen sich erkennen. Dabei vertraut man auf eine gelungene Retro-Produktion, die man eher im vergangenen Jahrtausend erwartet hätte und der Scheibe einen angenehmen, aber dennoch druckvollen Anstrich verleiht. Dabei sind die Songs eher getragen und man nimmt selten eine höhere Geschwindigkeit auf. Mir ist das allerdings manchmal etwas zu träge. Da hätte man schon das ein oder andere Mal etwas mehr Fahrt aufnehmen können. Daraus ergibt sich auch, dass einige Lieder die Fünf-Minuten-Marke überschreiten. Der Instrumental-Song ‚Diktatur/Demokratie‘  bringt  es sogar auf 6:36min. was für ein Punkrock-Stück doch ungewöhnlich lang ist. Die Texte sind wohldurchdacht und können mich da schon mehr erfreuen, auch wenn richtige Freude nicht unbedingt zum Ausdruck gebracht wird. Nachdenklich und tiefgründig geht man zu Werke und beschäftigt sich weitgehend mit den unangenehmen Dingen im Leben und einer erkalteten Gefühlswelt. Sänger Ingo schafft es dabei recht gut, durch seine getragene Stimme eine gewisse Poesie mit einfließen zu lassen. Übertriebenes Gejammer bleibt einem bei den stets persönlichen und gesellschaftskritischen Lyrics glücklicher Weise erspart.

Mit ihrem vierten Album schaffen die Thüringer ausgezeichnet den Spagat zwischen Emotionalität und konstruktiver Kritik. Die Songs kratzen nicht nur an der Oberfläche, sondern bilden eine nachdenkliche Bestandsaufnahme des Seins. Manchmal eben etwas langatmig und zäh, aber im Allgemeinen doch ein solider, unangepasster Tonträger mit einem seltsamen Cover, das irgendwie richtig gut zum Inhalt passt. Mirko

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