ANTI-THESE – KEIN BLICK ZURÜCK

ANTI-THESE – KEIN BLICK ZURÜCK
(Aliennated But Striving Records)

Die vorliegende Scheibe stellt das Debüt der, laut Eigenaussage, letzten aktiven Punkband Zweibrückens dar. Bis dato war mir ehrlich gesagt aber auch keine einzige Band aus dem beschaulichen Städtchen in der Südpfalz bekannt, aber sei’s drum. Denn hinter dem schlichten, fast konservativ gestalteten Cover verbergen sich dreizehn abwechslungsreiche Punkrock-Songs, die einiges zu bieten haben, aber auch zwiespältige Reaktion hervorrufen dürften.

Hauptgrund für die Zwiespältigkeit stellt der weibliche Gesang dar, der ab und an auch Unterstützung erfährt. Denn dieser ist sehr markant und meist ziemlich abgefahren und ungewöhnlich. Soll heißen, dass einiges krumm und schief klingt und für mich etwas aufgesetzt und überzogen wirkt. Mit der Zeit verursacht das bei mir echten Ohrenkrebs. Einzig bei den Songs ‘Stadt der Träume’ & ‘Ich wage zu bezweifeln’ kann ich mich damit anfreunden. Manch einer, der auf überzogenen, schrägen Frauengesang – inklusive 80er-Punk und NDW-Einflüsse – steht, mag ja vielleicht Gefallen daran finden. Mir tut’s jedenfalls oftmals richtig weh im Ohr. Ganz im Gegensatz dazu die musikalische Untermalung. Diese ist von erfrischender Abwechslung geprägt, die auf treibendem Deutschpunk fußt. So finden Einflüsse verschiedener Stile und Elemente aus diversen Rock-Subgenres Beachtung. Die Songs sind auch gut arrangiert, wobei die metallisch angehauchte Gitarrenarbeit hervorsticht. Auch textlich bewegt man sich auf einem ansprechenden Niveau und kann Peinlichkeiten vermeiden. Man kommt erfreulicher Weise fast ohne Phrasen oder Parolen aus, versteckt die Aussage aber auch nicht in kryptischer Sprache sondern in manchmal ungewöhnlichen Geschichten (z.B. ‘Staatsfeind #1′ oder ‘Odyssee’).

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Scheibe toll produziert ist und dadurch einiges an Druck entsteht. Wäre der Gesang für mich nicht so gewöhnungsbedürftig, könnt ich den Silberling uneingeschränkt für gut befinden. Jedoch wird der abwechslungsreiche Soundtrack gerade deshalb degradiert und es fällt mir schwer, die CD komplett und am Stück durch zu hören. Am Ende bleibt eine Scheibe, die instrumental und lyrisch überzeugen kann, mich aber durch die Vocals zwingt zu sagen: Schade eigentlich. Mirko

www.myspace.com/anti-these