DRAHDIWABERL – SCHMUTZ & SCHUND

DRAHDIWABERL – SCHMUTZ & SCHUND
(Sony Music)

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis diese 3-CD-Box der Wiener Kult-Combo endlich auf dem Markt erschienen ist, aber nun ist es endlich soweit. Denn auf der Compilation wurden die provokantesten Beiträge der bereits 1969 gegründeten politischen Aktions- und Musikgruppe um den Kunstprofessor Stefan Weber vereint.

Bekannt wurde DRAHDIWABERL nicht nur durch ihre politischen und anarchistischen Texte, sondern vor allem auch durch ihre exzessiven Bühnenshows. Es wurde auf der Bühne kopuliert, mit Kunstblut um sich geworfen, mit Hilfe entsprechender Verkleidung Kirche und Staat diskreditiert und angegriffen und tagespolitische Dinge extrem-kabarettistisch dargeboten. In Österreich ist die Band – die man auch als EAV für Erwachsene bezeichnen könnte – Kult, in Deutschland leider eher unbekannt. In Österreich gilt Stefan Weber als hoch angesehener Künstler und wurde sogar mit dem silbernen Verdienstabzeichen des Bundeslandes Wien ausgezeichnet. Musikalisch ist das Œvre sehr umfangreich und reicht von Beat über Pop, Rock und Elektro bis hin zu Metal und Punk. 36 Songs aus der Schaffenszeit verteilen sich auf die drei CDs, die einem wirklich einen tollen Überblick über den Output der Band liefern. Leider ist die Ausstattung etwas kläglich ausgefallen, so dass es kein Booklet oder ähnliches zu bewundern gibt. Sehr verwundert bin ich außerdem, dass Sony diese Scheibe veröffentlicht. Waren die vorhergehenden Platten hauptsächlich unter Eigenregie veröffentlicht worden, um keine Kompromisse eingehen zu müssen. Mittlerweile scheint DRAHDIWABERL aber so angesehen zu sein, dass sich ein Major-Label an die Veröffentlichung von absolut unkorrekten Songs wagt.

Auch wenn man bei der Aufmachung Abstriche machen muss, bietet diese Box einen Distelstrauß mit Liedern bei denen die Provokation und die kompromisslose Abrechnung mit der Gesellschaft und der Politik im Vordergrund steht. Die seit einigen Jahren erhältliche DVD „Weltrevolution“ sollte man deshalb – zwecks Hintergrundinfos und Liveaufnahmen – durchaus auch mal anschauen. Ach ja, FALCO spielte hier übrigens auch mal mit und wer die auf dieser Compilation dargebotene Jeanny-Version hört, fragt sich warum man sich hierzulande über die damaligen Hitparaden-Fassungen so aufgeregt hat. Mirko

www.drahdiwaberl.at/index1.htm

Einen optischen Eindruck der Band findet man hier:
www.youtube.com/watch?v=-i5rionugLc