JOKERFACE

Ska und Reggae, das ist ihre Leidenschaft. JOKERFACE wurden schon in jungen Jahren mit einer vollen Ladung moderner und alter, traditioneller Skinhead-Musik infiziert. Aus der Liebe zu dieser Musik entstand schließlich der Wunsch, diese selber zu spielen und so wurde JOKERFACE geboren. Doch die acht Musiker aus dem Westen Südtirols spielen nicht nur tanztaugliche Musik, sie gehören auch mit zur antifaschistischen Szene Südtirols und vertreten einen klaren Standpunkt. Über diesen, wie auch über die musikalische Szene Südtirols und natürlich über die Band im Speziellen, haben wir mit Andi ein paar Sätze ausgetauscht.

Ugly Punk: Hallo! Ich hoffe, ihr habt die Feiertage stressfrei überstanden und seid alle gut ins neue Jahr gekommen. Gibt’s Vorsätze, Ziele oder Wünsche für 2012?

Hallo alle zusammen. Ja doch, den Jahreswechsel haben wir gut hinter uns gebracht. Zwar kann sich kaum noch jemand genau an den Abend erinnern, aber Spaß hatten wir gewiss. Im neuen Jahr warten viele Herausforderungen auf uns und unser primäres Ziel ist diese erfolgreich zu meistern. Dazu zählen z.B. die erstmaligen Auftritte auf Festivals wie “This is Ska” in Roßlau oder das “Antira” in Hamburg. Mit Sicherheit wollen wir heuer auch versuchen unser neues Album “On the road again” als Vinyl in Umlauf zu bringen. Des Weiteren werden wir uns als Schauspieler versuchen und ein Musikvideo produzieren. Unsere Wünsche werden sich nicht großartig von anderen Bands unterscheiden. Wir wünschen uns einfach, dass wir noch lange auf der Bühne stehen werden und mit der Zeit wachsen und besser werden.

Ugly Punk: Nach eurem Debüt-Album „A piece of my way of life“ im Jahre 2007, erschien zum Jahresende 2011 mit “On the road again” euer zweites Werk. Zwischen diesen Alben ist viel passiert. Ihr habt diverse Konzerte im Ausland gegeben und wart auf vielen Festivals zu Gast, aber auf der anderen Seite stand die Band auch kurz vor der Auflösung. Man kann sich vorstellen, dass es sicher nicht leicht ist, eine Band mit 8 Mitgliedern ins Leben zu rufen und am Leben zu erhalten. Dazu bei den Terminen (Probe, Konzerte) oder dem Songwriting immer auf einen Nenner zu kommen. Wie macht/schafft ihr das?

Gute Frage… Wir denken dass die Freundschaft, die uns auch außerhalb des Bandlebens verbindet, ein großer Vorteil ist. Aber ansonsten ist es wirklich schwer zwischen Arbeit, anderen Hobbys und Terminen,  Zeit für die Band zu finden. Was uns sicherlich auch immer wieder motiviert weiterzumachen, ist die Leidenschaft zur Ska- und Reggae Musik, die in jedem von uns steckt. Als wir uns im Jahr 2010 beinahe getrennt haben, war dies auf keinen Fall auf mangelnde Freude zurückzuführen, sondern weil es Arbeits- und Studientechnische Hindernisse gab. Als wir uns vor einem knappen Jahr neu gegründet haben, war dies der Startschuss für eine neue JOKERFACE Ära. So einen Zusammenhalt wie zurzeit, gab es schon lange nicht mehr und wir sind bereit auch einiges in Kauf zu nehmen um unseren Traum zu verwirklichen. Beim Songwriting haben wir eigentlich selten Meinungsverschiedenheiten, da wirklich die ganze Band die selben bzw. ähnlichen Vorstellungen hat wie ein Lied von uns klingen muss. Das einzige Problem bei den Proben ist, dass in jedem von uns eine gehörige Portion Faulheit steckt!

Ugly Punk: Ihr kommt aus Südtirol/Norditalien, genauer gesagt aus dem Örtchen Naturns. Dort lebt man ja viel vom Tourismus und von der Landwirtschaft. Welchem Job geht ihr neben der Band nach?

Das mit der Landwirtschaft hätte vor 2 Generationen noch zugetroffen, aber mittlerweile ist die Industrielle Revolution auch in Südtirol angekommen! Nein, die meisten von uns arbeiten in kleinen Handwerksbetrieben, oder in der Gastwirtschaft.  Wir haben auch unseren Bassisten der beim Radio arbeitet und dem wir immer wieder einreden, er solle unsere Songs spielen. :- )

Ugly Punk: Denkt man an Bands aus Südtirol, so denkt automatisch leider auch an FREI.WILD, die diese Region repräsentieren wollen. Hat diese Band starken Einfluss auf die Jugend, bzw. die Szene in Südtirol?

Jeder vernünftige Mensch lacht sich ins Fäustchen wenn er so was wie FREI.WILD zu hören bekommt, aber da dieses Land noch immer dem Althergebrachten hinterherläuft, die Medien von der Popularität FREI.WILD´s profitieren anstatt aufzuklären, verbreitet sich das Gedankengut der Band weiterhin ungestört. Wir denken dass es in Südtirol einfach zu wenig Aufklärung zum Thema gibt. Soll heißen, dass die wenigsten die FREI.WILD hören, auch wissen welche Vergangenheit diese Band hat. Es ist auch eine Tatsache, dass Südtirols Jugend immer schon sehr patriotisch geprägt war und es deshalb gerade recht kommt, wenn eine bekannte und “provokante” Band  über Themen wie Heimat, Volk und Tradition singt. Aber auf die Szene in Südtirol nimmt FREI.WILD absolut keinen Einfluss, sondern treibt zum Widerstand gegen dieses engstirnige und nationalistische Denken an. Deshalb sehen wir unsere antifaschistische Szene und unsere Band als eine Art Gegenpol zu der ganzen FREI.WILD – Scheiße. Solange dieses Gesindel, in Gesellschaft und Jugendkultur, versucht Fuß zu fassen, so lange werden wir uns dem entgegenstellen.

Ugly Punk: Kann man sagen, das sich die Szene zum Teil städtebezogen unterscheidet? Findet man vielleicht in Städten wie Brixen eine größere Deutschrockszene vor, wie z.B. in Meran oder Bozen?

Ja, da können wir nur zustimmen. Hier im Westen Südtirols hat sich eine starke antifaschistische Jugendszene gebildet, die immer mehr Zustimmung erfährt. Hier wird man eher selten auf eingefleischte Deutschrocker/Rechte treffen… aber je weiter man nach Osten kommt, nimmt diese Zahl zu. Warum dies so ist, können wir leider auch nicht sagen, aber in unserer Umgebung wird einfach sehr viel mehr unternommen (Konzerte, Infoveranstaltungen, Demos…). Auch in den eher ländlicheren Gegenden trifft man auf Personen die sich zwar nicht politisch äußern, aber trotzdem eine patriotische und rechte Einstellung nicht ablehnen. Sie werden gern als „Tscheggl“ (Dorftrottel) bezeichnet. In Bozen hingegen ist die italienische Fascho-szene sehr aktiv, dort ist es extrem schwierig Fuß zu fassen, da diese Szene über bereits gefestigte Strukturen, wie zum Beispiel “CasaPound-Bolzano” verfügt. Wir sehen diesen Teil der extremen Rechten um einiges gefährlicherer als die weniger organisierten Dorfkameradschaften. Wir haben viele Feinde in Südtirol, deutschsprachige Neonazis, Patrioten beider Sprachgruppen und italienische Faschisten. Also alle Hände voll zu tun.

Ugly Punk: Ist es schwer, zwischen den vielen konservativen Denkweisen, die den Bewohnern gerne nachgesagt werden, den antifaschistischen Gedanken zu leben? Gibt’s da etwas mehr Diskussionsstoff oder unterschiedliche Sichtweisen im Familienkreis oder mit Bekannten bei Themen wie Heimatliebe oder Traditionen?

Den antifaschistischen Gedanken ist es relativ einfach in sich zu tragen. Schwieriger wird es aber bei der aktiven Auslebung dieser Attitüde. Spricht man seine Meinung oder Einstellung in der Öffentlichkeit aus, so stößt diese schnell auf Unverständnis und Ablehnung. Besonders kompliziert wird es unter anderem beim Organisieren von Konzerten oder Demos und beim Verteidigen der wenigen alternativen Strukturen. Unterschiedliche Sichtweisen treten je nach Familienkreis auf. Doch können wir allgemein sagen, dass wir in einem relativ offenen Umfeld aufgewachsen sind. Kommt es zu einer Diskussion mit älteren Generationen, wie z.B. Großeltern, so wird schnell klar, dass diese in einer Zeit lebten, in der Heimatliebe noch extrem wichtig war. Deshalb sind Konflikte und Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert.

Ugly Punk: Wann hat euch der musikalische Ska/Reggae-Virus erfasst? Mit welchen Bands ging´s damals bei euch los und welche Musikgruppen waren prägend für euren Sound?

Begonnen hat für uns (Andi-Sax und Dave-Bass) alles mit 14 Jahren, nachdem wir Bands wie LOS FASTIDIOS und SKA-P entdeckt hatten. Regelrecht infiziert wurden wir ca. zwei Jahre später.  Durch die erste Südtiroler Skaband CLUB99 hatten wir erstmals Kontakt zu Live-Bands, die uns von da an sehr imponiert und uns dazu veranlasst haben selbst eine Gruppe zu gründen. Als wir uns nach der Gründung von JOKERFACE mit dieser Musikrichtung befassten, lernten wir Gruppen wie TOASTERS, SKOIDATS und INSPECTOR 7 kennen. Diese Art „Street-Ska“ floss nun auch in unseren Stil ein, wie man auf unserer ersten Scheibe sehr gut hören kann, z.B. dem Song „War on the streets“. Als wir uns in den Jahren darauf weiterentwickelten und uns immer mehr auf die traditionelle, alte Skinhead-Musik besannen, wurden andere Bands für uns prägend. Neben den vielen alten Ska- und Reggaekünstlern, zählten auch einige moderne Kapellen wie NEW YORK SKA JAZZ ENSEMBLE. MR. REVIEW, THE UPSESSIONS, INTENSIEFIED, aber auch THE SKATALITES dazu. Aber inzwischen versuchen wir einen wieder erkennbaren, eigenen Stil zu schaffen.

Ugly Punk: Ihr zählt laut Bandinfo noch zu den jüngeren Semestern, seid aber an den Instrumenten absolut fit. Das lässt auf eine musikalische Früherziehung schließen. Euer jeweiliges Instrument habt ihr also sicher schon als Kind erlernt, richtig?

Wenn wir oftmals andere Bands sehen, die meist schon ein wenig älter sind als wir, dann sind wir eigentlich recht überrascht, dass unser Jüngster erst 19 Jahre ist und der Älteste 24. Wir persönlich haben selten die Ehre mit einer jüngeren Band auf der Bühne zu stehen. Na ja, absolut fit würde ich nicht sagen, da die meisten von uns ihre Instrumente eigentlich selbst erlernt haben. Nur jeweils die 3 Bläser und der Drummer hatten eine musikalische Ausbildung. Es war schon von vornherein klar, dass wir nie Leute „einkaufen“ wollten, um die Band zu ergänzen. Da nehmen wir es lieber in Kauf, einem guten Freund ein Instrument beizubringen, als dass wir nur wegen des Könnens, einen Fremden in die Band aufnehmen. Ich hoffe wir können diesen Prinzipien treu bleiben und eine Band auf reiner Freundschaftsbasis bleiben.

Ugly Punk: Wer von euch war die treibende Kraft, was die Bandgründung anging, und wie habt ihr es geschafft so viele Mitglieder zusammenzukriegen? Naturns ist ja doch ein sehr kleiner Ort und es sollten ja auch Leute sein, die mit Ska und Reggae was anfangen konnten.

Von der eigentlichen Besetzung aus Gründungszeiten sind nur noch 3 Mitglieder aktiv, Trutz (Gitarre, Leadvocals), Andi (Tenorsax, Backingvocals) und Potsch (Altsax). Für uns war es immer schon wichtig einen authentischen Ska zu spielen, denn drei oder vier Leute sind dafür einfach zu wenig. Deshalb legen wir Wert darauf einen anständigen Bläsersatz und eine kräftige Basis für den Offbeat zu haben. Mit Menghi (Posane), Raffe (Drums), Giongo (2te Gitarre), Dave (Bass) und Luky (Keys), gelingt uns dies eigentlich recht gut. Wir kommen auch nicht alle aus Naturns, sondern insgesamt aus 6 verschiedenen Orten… wir kennen uns alle schon seit mehreren Jahren und stammen alle mehr oder weniger aus derselben Crew. Fast alle von der Gruppe sind begeisterte Ska und Reggae Liebhaber. Wir haben sogar unseren Drummer, einen Ex-Punker, zum Ska bekehrt. : )

Ugly Punk: Zum Schluss noch Platz für (Eigen-)Werbung. Warum sollte man sich unbedingt das neue JOKERFACE Album zulegen?

Wir denken mit „On the road again“ haben wir ein sehr ehrliches und authentisches Album aufgenommen, ohne viel gespieltes Szenegeschleime. Mit unseren Songs wollen wir unserem Publikum übermitteln was wir sind: Leute die ihre Musik lieben, ihre Attitüde leben, zu ihrer Sache stehen und sich nicht im Backstage die Doc`s wieder ausziehen. Wir sind eine Band für alle Skins, Rudies und andere Ska-Liebhaber, die den alten Stil der 60er zu schätzen wissen oder einfach nur gerne Musik wie Ska und Reggae hören. Mit unserem Label „Diffidati Records“ und unserer neuen Booking Agentur „FF-dabei“ starten wir in ein ereignisreiches Jahr 2012. Für Hörproben, Infos oder Booking kann jeder auf unsere myspaceseite reinschauen: www.myspace.com/jokerfaceska oder uns eine Mail schreiben: jokerfaceska@gmail.com

Ugly Punk: O.k., habt dank für die Antworten und alles Gute weiterhin.

Danke für euer Interesse, und einen Gruß an die ganze Ugly-Punk-Crew. Macht`s gut und viel Gelingen für euer Zine. Grüße aus Südtirol.


JokerFace – Ska from the Alps