ELFMORGEN – WENN WIR NICHT ZWEI SIND

ELFMORGEN – WENN WIR NICHT ZWEI SIND
(Analoghaus)

Im Waschzettel zu dieser Scheibe wird ganz schön geklotzt. Da werden Reviews aus der FAZ und der Frankfurter Rundschau bemüht, die die Band abfeiern. Ob man darauf stolz sein muss, sei mal dahin gestellt, zumindest zeugt es schon mal von einem gewissen Niveau und Anspruch, wenn man dort auch noch mit Bands wie TON STEINE SCHERBEN verglichen wird. Das Trio mit dem etwas seltsamen Namen besteht jedenfalls schon seit 10 Jahren, veröffentlicht mit dieser CD aber erst ihr zweites Album.

Nach erstmaligem Konsum habe ich mich zunächst gefragt, warum die Platte hier gelandet ist, denn Punkrock bekommt man hier nicht zu hören. Die Musik stellt sich sehr poppig bis maximal rockig dar und nicht nur ein Mal dachte ich, da läuft doch gerade der Hausfrauensender SWR1. Dies soll aber keineswegs heißen, dass dies hier Mist wäre. Die analoge Produktion ist außerordentlich gut gelungen, musikalisch hat man einiges auf der Pfanne und auch die Abwechslung kommt nicht zu kurz. Elemente aus dem Indie-Pop mischen sich mit NDW, Politrock und Einflüssen aus der Emo- und Elektroecke. Die Texte sind persönlich und nachdenklich, aber auch ehrlich, fordernd und kritisch, so dass ein Vergleich mit den Scherben keinesfalls abwegig ist. Auch wenn diese im Gegensatz zu dem hessischen Trio einen eher revolutionären Geist vermittelten, fallen doch stilistische und lyrische Ähnlichkeiten auf, so dass die mir manchmal doch zu seichte musikalische Darbietung durch die ausdrucksstarke Art recht angenehm goutierbar wird. Vor allem der ziemlich ruhige Titelsong wird für mich hierdurch zum Hit der Scheibe. Rätselhaft nur, warum der Distributor die Band mit der Schublade ‘Fun-Punk’ bewirbt, denn damit hat diese Scheibe doch reichlich wenig am Hut.

Der zweite Output der Hessen lässt mich mit einem zwiespältigen Eindruck zurück. Das mainstream-lastige, seichte Geplänkel ist einerseits überhaupt nichts für mich und mir fehlen die verzerrten Gitarren ebenso wie der Druck aufs Gaspedal. Andererseits können mich einige Tracks – nicht zu Letzt der guten Texte wegen – durchaus berühren. Zweifelsohne ein, objektiv gesehen,  ausgezeichnetes Indie-Album, das durch seine Radiotauglichkeit aber eher auf den jungen, nachdenklichen Wutbürger bzw. Rock am Ring-Besucher zugeschnitten scheint, als wirklich etwas bewegen zu können. Mirko

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