REJECTED YOUTH


Nicht wenige sind der Meinung, dass das aktuelle REJECTED YOUTH Album “Fuck The Consent“ gute Voraussetzungen mitbringt, um sich eines der begehrten Klassikersiegel zu erhaschen… oder um meinen Sitznachbarn mal zu zitieren: “Das ist das beste U.S. BOMBS Album, was mir je zu Ohren gekommen ist!“ Logisch, das wir unbedingt mal bei den Franken anklopfen mussten. Im Gepäck ein paar Fragen, die uns Sänger und Gitarrist Matze beantwortete.

Ugly Punk: Nach 4 Jahren Wartezeit gibt’s mit “Fuck The Consent“ wieder ein neues Album von Euch. Erzäht mal ein wenig was zur Entstehungsgeschichte. Sind die Songs nach dem letzten Album Stück für Stück entstanden oder habt ihr euch phasenweise immer mehrere Tage im Proberaum eingeschlossen und intensiv unter Druck an neuen Songs gebastelt?

M: Wir hatten relativ bald nach dem letzten Album angefangen neue Songs zu schreiben, haben aber aus dieser Phase nur einen einzigen für das neue Album aufgenommen. Richtig ernst wurde es erst ab Herbst 2011, nachdem wir uns – auch wirklich bewusst – dazu entschlossen hatten, ein neues Album veröffentlichen zu wollen. Keine Ahnung. Ich glaube, wir brauchen da irgendwie auch einen Zeitdruck, damit etwas passiert. Jedenfalls habe ich die meisten Songs wie immer zu Hause geschrieben. Erst später setzen wir sie dann zusammen im Proberaum um.

Ugly Punk: Die Ansprüche steigen ja von Album zu Album. Werft ihr Ideen auch mal über den Haufen oder schraubt ihr solange daran, bis es für alle passt?

M: Ich werfe ständig Ideen übern Haufen. Manche Songideen entwickeln sich im Proberaum dann doch immer anders als gedacht und gewollt und man merkt erst dann, dass es zu dieser Band nicht passt.

Ugly Punk: Euer melodischer Streetpunk dürfte sicherlich auch im Amiland gut ankommen, was u.a. Shows in den USA belegen. Sind die Verkaufszahlen zufrieden stellend oder ist es aufgrund des Überangebots an Streetpunkbands einfach viel schwerer, dort Fuß zu fassen?

M: Verkaufszahlen in den USA?! Das ist ein Witz – also die Verkaufszahlen. Ich weiß nicht was wir dort digital verkaufen, aber an physischen Tonträgern so gut wie gar nichts. Das geht aber nicht nur uns so. Selbst Amibands verkaufen da nicht viel. Höchstens du heißt dann gleich THE CASUALTIES, STREET DOGS, RANCID, etc… Das Entscheidende ist, dass man, um in den USA halbwegs Erfolg zu haben, im Prinzip nonstop auf Tour sein muss. Für uns ein Ding der Unmöglichkeit bzw. wollen wir das auch gar nicht.

Ugly Punk: Mit Mark von THE UNSEEN habt ihr beim Song “Black Army“ einen bekannten Gastsänger an Bord. Wie kam es zur Zusammenarbeit und wo hat Mark eingesungen?

M: Mark hat, als er mit THE UNSEEN auf der letzten Europa Tournee in Nürnberg gespielt hat, in dem Studio, wo wir unsere Platte aufgenommen haben, eingesungen. Wir waren ja mit THE UNSEEN 2007 auf ihrer ersten eigenen Europa-Headliner Tournee unterwegs und es war eine großartige Zeit. Es wurde eine richtige Bandfreundschaft daraus – von daher lag der Gedanke nahe, etwas zusammen zu machen.

Ugly Punk: Was waren eure wichtigsten musikalischen Einflüsse oder mit welchen Bands fing diese ganze Punkrockstory bei euch an?

M: Mit dieser Band hatten wir in den Anfangstagen eher so alten Ami-Hardcore als Vorbild. Kurz darauf hat sich das aber schnell in 80er UK Punk und Ami-Streetpunk gewandelt. Keine Ahnung welche Bands im Einzelnen wichtige musikalische Einflüsse auf uns hatten. Es gibt sicherlich viele – finde ich aber ehrlich gesagt auch gar so interessant.


Ugly Punk: Eine politische Aussage in den Songs ist euch nicht nur wichtig, sie spiegelt auch eure Lebensweise wider. Wie kannst du dir erklären, dass viele Kids in der Szene gerade auf einen völlig anderen Zug aufspringen und mit politischem Desinteresse oder politisch konservativ in den Deutschrockbahnhof einfahren.

M: Ich habe schon vor langem aufgehört mich als Teil einer Szene zu bezeichnen. Diese Ansammlung von Menschen ist auch nur ein Teil der gesamten Gesellschaft mit all ihren positiven und negativen Eigenschaften. Von daher ist es wahrscheinlich auch ganz „natürlich“, dass es konservative Gestalten gibt, welche die gleiche Musik mögen wie du und ich. Ich kann das zwar nicht nachvollziehen, aber habe auch erkannt, dass es so etwas wohl schon immer gab und auch immer geben wird. Und die meisten interessiert es auch nicht. Sicherlich möchten wir das gerne verändern, sind uns aber auch darüber bewusst, dass – wenn überhaupt – wir das nur in einem sehr kleinen Rahmen schaffen können. Der größte Einfluss ist doch immer noch die Umgebung in der die Kids aufwachsen – Clique, Familie, etc. Erst später, wenn sich diese Beziehungen lockern oder ganz auflösen, können und werden sie wirklich selbstständig entscheiden. Und dann ist es wichtig, dass sie auch Alternativen sehen.

Ugly Punk: Homophobie, Sexismus, Patriotismus oder Schützfestatmosphäre sind leider auch in unserer Szene vorzufinden. Durch welche fehlende Impfung konnte dieser gesellschaftliche Virus so große Kreise ziehen und wie kann er am besten bekämpft werden?

M: Jeder Mensch hat doch einen anderen Horizont. Nimmt Dinge anders wahr bzw. gar nicht wahr. Homophobie, Sexismus und Patriotismus werden demnach auch von jedem anders wahrgenommen. Teilweise eben auch gar nicht. Und wer kein Problem sieht, der wird daran auch nichts ändern können und wollen. Sprich: Es müssen die Leute vor allem erstmal dafür sensibilisiert werden, bevor sich etwas verändern kann. Es muss klar gemacht werden, worüber wir da eigentlich reden. Ich glaube aber, dass diese Punkte früher noch schlimmer in dieser ganzen Szenerie waren. Es sind nur wir selbst, die heute für solche Themen sensibilisiert sind.

Ugly Punk: Wie hatten ja gerade schon das Thema Amerika. Wie würdest du das Verhältnis zwischen der politischen und der unpolitischen Punkszene dort beschreiben? Stört es da drüben irgendwen, wenn z.B. die DROPKICK MURPHYS ihre Stars and Stripes Fahnen schwenken oder wenn ein LARS FREDERIKSEN stolz Militärabzeichen zur Show trägt?

M: Also ich würde jetzt mal nicht behaupten, dass ich der geeignete Typ dafür bin, wie die momentane amerikanische Punklandschaft aussieht. Und schon gar nicht wie die Punks im Moment dort drauf sind. Der letzte Besuch ist auch schon wieder paar Jahre her. Ich kann dir nur sagen, dass es dort definitiv auch genug Leute gibt, die mit Patriotismus nichts anfangen können. Aber auch hier noch mal. Die dortige Szene ist genauso ein Teil der gesamten Gesellschaft wie bei uns. Und wenn du in Amerika aufwächst, dann wirst du an Patriotismus ganz anders herangeführt. Man ist dort sehr stolz auf seine Herkunft. Es ist Teil der persönlichen Identität. Verstehe mich nicht falsch – ich finde Nationalismus und Patriotismus furchtbar – aber es wird eben der Gesellschaft anders eingetrichtert… und viele schlucken und glauben es – und nur weil einige davon später sich dem Punk zugehörig fühlen, legen sie es dadurch ja nicht zwangsläufig ab.

Ugly Punk: Geld und Mode, zwei Dinge, die auch den modernen Punkrocker von heute (und den von gestern) beschäftigen. Verlangt eine Band zuviel Gage oder kosten CD´s mehr als n´ Zehner, gibt’s schnell Kapitalismusvorwürfe. Sieht eine Band zu stylisch aus, fällt schnell der Begriff “Modepunks“, sieht sie zur normal aus, hört man oft den Satz “das sind ja gar keine Punker“. Deine Meinung zu Gagen und Styling?

M: Also bezüglich Styling ist mir das vollkommen egal, was irgendwer für eine Meinung hat. Sollen alle machen wie sie wollen. Für mich total unwichtig. Wenn jemand Bock auf Styling hat soll er‘s machen, wenn nicht soll er’s lassen. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ist in meinen Augen pure Zeitverschwendung. Und in Sachen Gagen sehe ich das fast ähnlich. Wenn eine Band so und so viele Leute zieht, sollte sie doch auch entsprechend Gage verlangen dürfen. Wo ist da das Problem? Wenn das der Weg der Band sein soll. OK. Kein Mensch wird zu etwas gezwungen. Wenn mir die scheiß Show zu teuer ist – dann bleib ich zu Hause oder mach irgendeinen anderen Kack. Und wenn ich als Veranstalter nicht glaube, dass ich die Gage bezahlen kann, weil zu wenige Leute kommen, dann sollte ich die Band vielleicht auch einfach nicht buchen. Ganz einfache Sache in meinen Augen. Nur die Bands sollten dann auch zu ihren Entscheidungen stehen.

Ugly Punk: Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu. Jeder Fernsehsender präsentiert in diesen Tagen seinen eigenen Jahresrückblick. Welche Dinge haben dich in diesem Jahr besonders beschäftigt oder schockiert und welche haben dich besonders gefreut oder wurden von dir als unterstützenswert empfunden?

M: Für mich ganz klar Fukushima. Macht mich sprach- und fassungslos. Und das nicht nur wegen der Katastrophe in Japan selbst. Ich finde es beklemmend, dass wir große Teile der Welt mit Atomkraftwerken überzogen haben. Wirtschaftliche Aspekte hin oder her – die Gefahr und die Folgen bei einem GAU stehen einfach in keiner Relation dazu. Besonders erfreuliche oder unterstützenswerte Dinge fallen mir für 2011 nicht ein. Eigentlich ganz schön traurig, gäbe es nicht hin und wieder auch privat einige Lichtblicke.

Ugly Punk: Bedankt!