ABSTURTZ


Hoch im Norden haben im Jahre 2000 die Jungs von ABSTURTZ die Deutschpunkflagge gehisst, die seitdem Sturm und Wellen trotzt. Mit mittlerweile 4 Alben und etlichen energiegeladenen Live-Shows im Rücken, erspielte sich das Trio eine beachtliche Fangemeinde. Nun machen Hannes, Heiner und Schröder mit “Alles wird gut“ erneut die Leinen los und stechen in Deutschpunksee.

Ugly Punk: Ahoi! “Alles wird gut“, so heißt euer neues Album. Ironie, Durchhalteparole oder die feste Hoffnung, dass eine Tages tatsächlich noch mal alles gut wird?

Heiner: Generell trifft da eigentlich alles zu. Hört man sich den Titelsong an, ist schnell klar, dass es um Ironie geht. Letztlich um die Naivität und Meinungslosigkeit vieler Leute heutzutage. Wichtig war uns aber, dass der Titel unserer neuen Scheibe etwas Positives mit sich bringt. Ich denke wir singen und reden manchmal einfach zu oft von Dingen die uns stören und vergessen dabei wie gut es uns geht. Also Kopf hoch Freunde!

Ugly Punk: Ihr kommt aus dem hohen Norden, aus der Nähe des Nordseestädtchens Büsum. Von dort aus zu Konzerten aufzubrechen, kostet nicht selten viele Kilometer und viel Zeit. Verlegt ihr eure Live Aktivitäten deshalb lieber auf den norddeutschen oder gar skandinavischen Raum oder hat die süddeutsche Fangemeinde auch die Möglichkeit auf ihre Kosten zu kommen?

Hannes: Ja, in der Tat wohnen wir sehr weit im Norden. Bis zur dänischen Grenze sind es gerade einmal noch ca. 100 Km. Aber da wir durchaus sehr reiselustig sind, beschränken wir uns nicht nur auf den Norden. Wir fahren schon gern quer durch die Republik. Auch in Österreich und der Schweiz  waren wir schon einige Male, im nächsten Frühjahr fliegen wir sogar nach Spanien.

Ugly Punk: Wie ist das Leben so als Punker in Büsum? Gibt´s ein Jugendzentrum oder andere Treffpunkte, Konzertmöglichkeiten etc.?

Hannes: Das Punkerleben in Büsum wird sicherlich so wie auch woanders sein. Aber hier auf dem „Dorf“ kennt man sich, wird akzeptiert und alles ist gut. Wir wissen uns ja auch (meistens) zu benehmen. Büsum hat ein Jugendzentrum, in dem des Öfteren auch Konzerte laufen. So auch unsere 2. Release Party mit Rasta-Knast und Karbunko. Allerdings ist unsere „Szene“ nicht so riesig, so dass die Konzerte meist überschaubar sind.

Ugly Punk: Bassspieler und ABSTURTZ galten in der Vergangenheit nicht immer als Dreamteam. Dreimal wurde auf dieser Position bereits gewechselt. Die jetzt bestehende Formation bringt aber so schnell keiner mehr auseinander, oder?

Hannes: Ja, da hast Du wohl recht. Es war in der Vergangenheit nicht immer ganz so einfach mit den Bassisten. Mit Schröder haben wir aber seit einigen Jahren die endgültige Besetzung gefunden. Es muss ja nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch menschlich passen. Wir sitzen des Öfteren sehr viele Stunden zusammen im Auto und da muss die “Chemie” einfach stimmen. Anders funktioniert es nicht.

Ugly Punk: Was das Label betrifft, so seit ihr mit der neuen Scheibe vom Schwabenländle nach Hamburg zu True Rebel gewechselt. Das geschah ja mit Sicherheit nicht aus Lust und Laune?

Hannes: Nein, das natürlich nicht. Es hatte aber verschiedene Gründe. Zum einen ist es mit einem Label aus Hamburg für uns einfach “persönlicher”. Man sieht sich öfter, tauscht sich aus und trinkt auch mal ein Bierchen zusammen. Die Distanz zum “Schwabenländle” ist dafür einfach zu groß. Alex kam seiner Zeit auf uns zu und da haben wir auch nicht lange gezögert. Zum anderen, ziemlich zeitgleich, startete im “Schwabenländle” ja die Zusammenarbeit mit dieser fragwürdigen Band, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Somit war die Entscheidung für uns dann sowieso klar. Es bleibt aber unbedingt zu sagen, dass wir uns mit unserem alten Label zu 100% im Guten getrennt haben. Wir sind immer bestens miteinander ausgekommen und tun dies heute immer noch !

Ugly Punk: “Linke Propaganda“ ist nicht nur ein älterer Albumtitel von euch, sondern auch ein Fachgebiet. Nun singt ihr auf dem neuen Album im Song “Viva“ die Zeile “Linksextreme Jahre bleiben folgenschwer“. Wie ist diese Aussage zu verstehen?

Heiner: Ja der schöne Song Viva.. .beim schreiben des Textes bin ich so ein bisschen in Melancholie verfallen. Die Zeit gegenüber gestellt, als man mit 16 Jahren sinnlos fremdes Eigentum zerstörte und sowieso alles scheiße fand – und heute. Und ich muss sagen, da hat sich ja gar nicht soviel geändert, hehe. Im Ernst: man ist einfach seinem Weg treu geblieben und wird es auch weiterhin tun. In unserem näheren Umfeld gib es heute immer noch Leute die uns, mit dem was wir tun und vertreten, belächeln. Das ist natürlich schade, aber ein guter Grund genau da anzuknüpfen, wo wir bisher stehen… wie heißt es in einem unser neuen Songs: Zuviel ist nicht genug!

Ugly Punk: Bei der “Grauen Zone“, auf die ihr im gleichnamigen Stück auch eingeht, ziehen viele Zuhörer, Veranstalter oder Bands ihre Grenzen woanders oder auch überhaupt nicht. Wo zieht ihr die eure?

Hannes: Klare Grenzen zu ziehen halte ich heutzutage für wichtiger denn je. Wie und wo wir unsere ziehen geht aus besagtem Stück bestens hervor. Es scheint in Mode gekommen zu sein, sich für alle Hörerschaften eine Lücke zu lassen und ein möglichst großes (“politisches”) Spektrum anzusprechen. Außerdem geht´s eh nur darum, möglichst viel Kohle zu scheffeln, alles andere ist wahrscheinlich scheißegal. Dies alles hat mit Punk für mich nicht mal im weitesten Sinne überhaupt irgendetwas zu tun. Natürlich kann man es auch hiermit übertreiben. Selbst hierbei alle in einen Topf zu werfen wäre verkehrt. Aber wie war das noch… “wenn schon unpolitisch, dann ist Antifaschismus Pflicht!”

Ugly Punk: Es gibt ja noch ne´ andere Band mit selbem Namen (Schreibweise ABSTURZ), die allerdings weniger politisch ist und sich scheinbar auch im KB-Dunstkreis sehr wohl gefühlt hat. Gibt oder gab es da schon mal Verwechselungen oder musste aufklärende Arbeit geleistet werden?

Hannes: Natürlich gab es schon mal die ein oder andere Frage zu diesem Thema. Aber direkt verwechselt worden sind wir nie. Wie mir zu Ohren gekommen ist, hat sich dieses Thema nun aber eh erledigt. Vielleicht klopfen KB ja nun an unsere Tür… haha.

Ugly Punk: Ich muss noch mal auf eure MySpace Seite zu sprechen kommen, also nicht direkt auf die Seite, sondern mehr auf die Domain www.myspace.com/deutschpunk. Wer von euch war der Fuchs, der sich dieses begehrte Wort rechtzeitig gesichert hat?

Hannes: Hehe… dann mal vielen Dank! Das hatte eigentlich einen ganz einfachen Grund. Irgendein Schlaumeier hatte sich die “…/absturtz” Domain vorher schon gesichert und mir fiel so spontan nichts besseres ein. Leider ist die Sache mit myspace ja mittlerweile ein wenig am Aussterben, was ich sehr schade finde. Allerdings kann ich auch jeden verstehen, der sich dort abgemeldet hat. Ist schon ätzend geworden. Trotzdem, für Bands eine gutes Medium sich zu präsentieren.

Ugly Punk: Wollt ihr zum Schluss noch was loswerden? Wünsche, Anregungen, Fragen, Beschimpfungen, geheime Pläne zur Welteroberung oder Weltvernichtung?

Heiner: Also als erstes möchte ich mich einmal bei niemandem bedanken. Das find ich auf  Platten übrigens auch blöd, weil man sowieso die Hälfte der Leute vergisst. Ansonsten freuen wir uns natürlich auf die nächsten Konzerte und hoffen, dass wir auch im nächsten Jahr, egal wo, wieder mit vielen neuen Gesichtern und natürlich alten Bekannten reichlich Bier und Schnaps zu uns nehmen werden… jeder Gig ist ein neues Abenteuer! Und zum Schluss sei gesagt: ” Schasst een hemm, or schasst it loden, leeve Dütschpunkkommeroden. Opn Diek, opn Watt, opn Köm, opn Schnack, schasst to Bett or schasst it loden”.

Hannes: Die geheimen Pläne jetzt rauszuhauen wäre nicht sinnvoll. Aber die Vernichtung ist bereits in vollem Gange! Prost auf alle, die uns bisher so großartig unterstützt haben. Wir sehen uns 2012!