
“Dat soll Punkrock sein!?“ Wenn die EMSCHERKURVE 77 neues Liedgut im Gepäck hat, dann ist klar, dass der Spagat zwischen Ironie und klaren Worten wieder sehr groß sein wird, dass ein Feuerwerk an Melodien explodieren wird und dass in die Songs viel Herzblut gesteckt wurde. Ein willkommener Anlass also, um über das neue Meisterwerk und diverse andere Dinge mal ein paar Sätze mit Marcel, Daniel und Spiller zu wechseln. Also zack auf die A40, Oberhausen raus und losgefragt.
Ugly Punk: Die Arbeit ist getan und das neue Album “Dat soll Punkrock sein!?” ist bereit das Licht der Welt zu erblicken (11.11.). Lief alles rund bei Aufnahmen und hattet Ihr ne´ schöne Zeit oder war es rückblickend betrachtet doch stressiger als Euch lieb war?
Marcel: Eindeutig beides. Wir haben das Studio für eine komplette Woche gebucht und haben dort auch geschlafen. Man konnte also morgens direkt mit dem Aufnehmen anfangen und musste nicht erst eine Stunde zum Studio fahren. So haben wir den Tag komplett nutzen können. Das Studio Arbeit auch harte Arbeit ist, ist klar. Auch das da mal die Fetzten fliegen, das gehört einfach dazu. Wenn du aber dann die fertige CD in der Hand hast und hörst, weißt du, dass sich es gelohnt hat. Mir ist die Studio Arbeit genau so wichtig wie Konzerte zu spielen. Es ist schon interessant, wie sich ein Song entwickelt. Vom komponieren daheim, bis zum fertigen Produkt auf der CD.
Daniel: Ich kann mich nicht erinnern, das es bei EK77 mal irgendwann glatt lief bei Aufnahmen zu Alben. Das war bei “Lieder aus der Kurve” schon etwas langwierig und war bei “Dat soll Punkrock sein” ganz genauso. Wir hatten ja den ganzen Kram schon einmal im Kasten, nur um dann festzustellen das der erste Wurf gar nicht ging. Wir haben dann ein halbes Jahr an weiteren neuen Songs gearbeitet und die bestehenden Songs auch nochmal auf den Prüfstand gestellt. Jedenfalls flog der ein oder andere Song wieder raus und neue Songs kamen dazu. Das Resultat kann man ab dem 11.11.11 hören. Also Stress war der eigentliche Aufnahmeprozess nicht. Die Vor- bzw. Nacharbeiten dafür umso mehr.
Ugly Punk: Das “Fetzen fliegen” bezieht sich auf Uneinigkeiten beim Einspielen oder Abmischen? Oder auf andere Dinge, wie z.B. morgens nicht aus den Federn kommen, zu viel Bier während der Aufnahme trinken etc.?
Marcel: Überhaupt nicht. Beim neuen Album waren wir sehr gut vorbereitet. Natürlich wird nochmal ein Akkord oder ein Text geändert, das ist aber völlig normal. “Fetzen fliegen” ist vielleicht auch übertrieben. Wir haben morgens um 10 mit dem Aufnehmen begonnen. Teilweise bis Abends um 22 Uhr. Das da mal die Nerven blank liegen ist klar, da du wirklich von morgens bis abends Musik hörst und machst. Es kann halt schon mal vorkommen, dass eine Idee abgelehnt wird, da ist man halt nicht begeistert, aber da muss man eben durch. Ich habe mir das neue Album jetzt nochmal komplett angehört und bin nach wie vor sehr zufrieden damit. Zum Thema Alkohol bzw. nicht aus dem Bett kommen: Ich bin Straight Edge, Spiller und Alex trinken gar nichts und Marc und Daniel haben während den Aufnahmen so gut wie keinen Tropfen Alkohol getrunken. EMSCHERKURVE sind eine sehr disziplinierte Band wenn es um die Arbeit im Studio geht. Da wird sich zu 100% drauf konzentriert. Und wenn es morgens losging, musste keiner geweckt werden oder seinen Rausch ausschlafen. Das hat auch nichts mit meiner SXE Einstellung zu tun, aber ich kann nicht verstehen, dass das Saufen immer so abgefeiert wird. Band XY war im Studio schon morgens voll, der Gitarrist war beim Auftritt lattenstramm… das wirst du bei uns nicht erleben.
Daniel: Es gab im gesamten Prozess nicht einmal Streit innerhalb der Band. Musikalisch waren und sind wir voll auf einer Wellenlänge. Es lag eher daran, dass wir beim ersten Aufnehmen nicht so gut vorbereitet waren wie beim zweiten Mal. Nicht mehr, nicht weniger. Jede Entscheidung bezüglich der Musik wurde einstimmig von allen mitgetragen. Ich find die Frage nach dem Alkohol ehrlich gesagt auch nicht zulässig. Warum kommt man überhaupt auf so eine Idee, dass der Aufnahmeprozess davon evtl. beeinträchtigt worden ist? Wir sind ja nicht PÖBEL & GESOCKS. Bei der EMERSCHERKURVE ist das alles etwas anders.
Ugly Punk: Wie einigt Ihr Euch denn bei Unstimmigkeiten? Wird abgestimmt, diskutiert oder hat einer von Euch immer das letzte Wort?
Marcel: Spiller hat immer das letzte Wort, haha. Nein. Wir besprechen alle Dinge zusammen und kommen immer auf einen Nenner. Das kann aber auch hart diskutiert werden. Im Endeffekt hat aber jeder seine 20% und die ergeben dann zusammen halt 100. Die Jungs wissen was ich meine… ; -)
Daniel: Wie ich eben schon sagte, alle musikalischen Entscheidungen werden gemeinsam besprochen. Danach wird dann entschieden und zwar auch gemeinsam. Das ist ein großer Unterschied zu der Zeit, als Böhle noch in der Band war. Da es aber von vornherein kaum Unstimmigkeiten gab, war auch nicht viel zu diskutieren.
Spiller: Wie Marcel schon sagte, habe ich immer das letzte Wort! Wie auch hier beim Interview, haha. Nee, mal im Ernst. Es gibt in der jetzigen Besetzung kaum noch Unstimmigkeiten und von daher ist die Zusammenarbeit angenehmer denn je. Da wird auch nichts im Vorfeld abgelehnt oder schlecht geredet, nur weil es nicht auf den eigenen Mist gewachsen ist.
Ugly Punk: Es gab ein paar Weg- und Neuzugänge seit Eurem vorherigen Album. Böhle, es wurde ja gerade schon angesprochen, ist z.B. nicht mehr mit dabei. Habt Ihr Euch auf eine diplomatische Weise voneinander trennen können oder gab es böses Blut?
Marcel: Mal abgesehen von Böhle`s Rauswurf sind wir nun seid fast drei Jahren in konstanter Besetzung. Ich denke, dass wir nun auch unser endgültiges Line Up gefunden haben. Zumindest wäre es schön. Fakt ist einfach, das die Zusammenarbeit mit Böhle nicht mehr möglich war. Das war so ein langsamer Prozess nach dem “LADK” Album. Sein Interesse an der Band hat deutlich abgenommen und wir haben das letzte halbe Jahr vor der Trennung eh schon ohne ihn geprobt. Und seit der Trennung geht es der EMSCHERKURVE besser denn je.
Daniel: Marc und Alex kamen 2008 neu dazu und unterstützen uns seitdem an Bass und Schlagzeug. Aber um es klar zu sagen. Wir sind keine Diplomaten, eher Anhänger klarer Worte. Und die gab es in o.g. Fall. Es war ja so, dass es nach jeder Show von ihm Kritik hagelte, obwohl er sich nicht mal mehr die Texte merken konnte. Wir wurden als Dilettanten dargestellt, obwohl wir eine super Show gespielt haben. Es wurden Leute gegeneinander ausgespielt usw. Daher war eine Trennung unvermeidbar und auch der richtige Schritt. Wie Marcel schon sagt, seitdem läuft es wirklich rund.
Spiller: Natürlich war es kein einfacher Schritt, aber für die meisten kam er auch nicht wirklich überraschend. Wir haben uns da echt schwer mit getan und obwohl er seinen Ausstieg im Vorfeld mehrfach angedroht hatte, haben wir immer wieder zu ihm gestanden. Die Zusammenarbeit wurde leider mit der Zeit immer unerträglicher und sein Soloprojekt für den RWO, bei dem der Verein bis zu letzt nicht wusste das wir darüber nicht informiert wurden, war dann der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Und wie bereits erwähnt, läuft die Karre jetzt endlich wieder rund und es gibt wieder ein harmonisches Bandgefüge.
Ugly Punk: Auf dem neuen Album werden bereits im Opener (Dat soll Punkrock sein!?) einige klare, kritische Worte verloren. Ihr singt da in der Einzahl, weshalb davon auszugehen ist, dass Ihr beim Textschreiben auch eine bestimmte Person im Hinterkopf hattet. Oder ist es doch verallgemeinert zu verstehen und jeder der sich angesprochen fühlt, darf sich auch angesprochen fühlen?
Marcel: Jeder kennt jemanden auf den dieser Text zutrifft. Unser Song handelt über Böhle. Wenn Daniel und ich irgendwelche Riffs oder Texte präsentierten, wurde dies direkt abgelehnt, so nach dem Motto “Das ist kein Punk” oder “Passt nicht zur EMSCHERKURVE”. Von daher haben wir unsere Ideen halt mit zu MSA genommen, die andere Band wo Daniel und ich noch zocken. Und diese CD hat, ohne jetzt arrogant klingen zu wollen, durch die Bank weg positive Resonanzen erhalten. Und dass wir nun beim neuen Album freie Hand beim Komponieren und der Produktion hatten, hört man der Scheibe definitiv an.
Daniel: Deine Einschätzung trifft auch 100% zu. Den Text zu “Dat soll Punkrock sein?!” hab ich geschrieben und habe mich an so einige Sachen erinnert die mal passiert sind. Der Song dazu stand dann recht schnell. Und als Opener ist dieses Thema natürlich prädestiniert.
Spiller: Auch wenn Daniel den Song für eine bestimmte Person geschrieben hat, darf sich da jeder mit angesprochen fühlen, der der Meinung ist, das ohne ihn nichts gehen würde und er die wichtigste Person in der Band wäre. In einer Band ist jeder eben nur ein Glied der Kette und jedes einzelne dieser Glieder ist eben für den Zusammenhalt der Kette wichtig und erforderlich. Passt also mit Sicherheit auch auf diverse andere Bands.
Ugly Punk: Könnte diese, nennen wir sie mal “musikalische Abrechnung”, jetzt zu einer Art Punkrock-Rosenkrieg zwischen beiden Parteien führen oder ist mit diesem Song der Kuchen für Euch gegessen?
Marcel: Wenn mich Leute auf dieses Thema ansprechen, erzähle ich auch was los war. Für mich war das Thema aber schon nach seinem Rauswurf beendet. Und ich denke, dass mit der neuen Platte auch alles gesagt ist.
Daniel: Einen Rosenkrieg wird es von unserer Seite nicht geben. Wir haben zu dem Thema alles gesagt. Was von der anderen Seite nun kommt, liegt nicht in unserer Hand. Und ums ehrlich zu sagen, ist es mir auch völlig Scheißegal. Wenn jetzt eine Reaktion kommt, bitte. Ich hab damit kein Problem, jedoch widme ich dieser Thematik eher geringe Aufmerksamkeit. Gibt wichtigeres für mich als mich um eine Person zu kümmern, mit der ich nun nix mehr am Hut habe.
Spiller: Eine Reaktion in Form eines Rap Songs soll wohl kommen. Aber was interessiert es die Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt? Das da was kommt sollte jedem klar sein, denn “Über Leichen” auf dem letzten Album war ja auch eine Abrechnung mit der SONDASCHULE. Aber hat es die gejuckt? Aus den Augen aus dem Sinn. Man sieht ihn nicht mal mehr auf Punkkonzerten und wenn Rap dann jetzt der neue Weg ist, alles Gute und viel Glück. Daniel hat seinen Unmut in Worte gefasst und damit sollte die Sache ein für alle Male erledigt sein.
Ugly Punk: “Wir sehen zwar nicht so aus, aber wir ham den Punk verstanden”, ist eine Textzeile aus dem Song “Wir haben den Punk verstanden”. Musste das mal gesagt werden, weil es immer noch zu viele Leute gibt, die Punk über Äußerlichkeiten definieren?
Marcel: Ich finde das viel zu sehr nach Schubladen einsortiert wird. Wir haben halt keine Iros, sind nicht von Morgens bis Abends blau. Und wir gehen arbeiten und rufen nicht “Deutschland verrecke”. Trotzdem bezeichnen wir unsere Musik als Punk Rock und wollen damit eben ausdrücken, dass man nicht immer so wie das Klischee aussehen muss um es zu erfüllen.
Daniel: Exakt so ist es. Ich habe den Text im Zug verfasst. Aufgrund von ein paar nervigen Kids, die übers Punksein schwadronierten und es irgendwie cool fanden und auch Punks werden wollten. Es wurde dann darüber gesprochen, welche Frisur man tragen sollte, welche Klamotten zu tragen sind. Ich hab das Kotzen gekriegt. Und somit war der Chorus in 2 Minuten geschrieben.
Spiller: Genauso oft werden wir ja auch als Oi! oder Skinhead Band bezeichnet und in diese Schublade gesteckt, obwohl ich der einzige Skinhead in der Band bin. Ich glaube einfach, dass der Deutsche an sich seine Schubladen braucht, in die er Leute stecken kann, egal ob es denen nun passt oder nicht.
Ugly Punk: Kann man “Punk”, dieses Gefühl, eigentlich in Worte fassen. Inwiefern prägt(e) oder verändert(e) Punk Euer Leben? Was bedeutet Punk für Euch?
Marcel: Bei mir fing eigentlich alles mit den TOTEN HOSEN an. Danach kamen dann POISON IDEA und THE EXPLOITED. Danach die ganze HC Schiene und Metal. So der klassische Weg einfach. Punk heißt für mich einfach sein Ding durch zu ziehen, egal ob im Job oder auch Privat.
Daniel: Es ist genau das. Punk ist ein Gefühl. Es hat nix mit Style oder Äußerlichkeit zu tun. Punk ist eine Lebenseinstellung, die man entweder hat oder eben nicht. Ich kann dieses ewige Geschwafel nicht mehr hören. Ihr seht aber gar nicht aus wie Punks. Da schwillt mir die Ader an. Ich mach halt das was mir gefällt, lebe mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen und strebe nach dem, was mich glücklich macht. Ich gebe einen Scheiß da drauf was andere davon halten, ob es jemand gut oder schlecht findet. Mich haben Punkbands wie DESCENDENTS, THE CLASH oder aber auch NOFX sehr geprägt. Meine komplette Jugend habe ich mit den vorgenannten verbracht und bis heute fasziniert mich die Musik. Egal ob Punk, Hardcore oder Metal, ich höre alles was mir gefällt. Hauptsächlich ist es aber Punk der mich prägte.
Ugly Punk: Ihr habt ja gerade die verschiedenen Einflüsse angesprochen. Spiller haben mehr die Skinhead Combos beeinflusst und beim Rest waren es mehr die Punkbands. Nun habt ihr aus beiden Ecken schon Songs gecovert, aber kann sich die eine Seite, speziell bei den Coverstücken, auch immer gut damit anfreunden, was die andere vorschlägt? THE BUSINESS und SLIME, um mal zwei zu nennen, liegen ja nicht so dicht beieinander. Wie kommt Ihr bei der Auswahl der Coversongs auf einen Nenner?
Marcel: Das sind ja z.B. oft auch Anfragen für Tribut Sampler, wie eben z.B. bei SLIME oder auch bei BRIGADE S. Der Song muss uns allen gefallen und er muss halt den typischen EK Sound haben, wenn wir ihn geprobt haben. Ansonsten würden wir das auch nicht machen. Es gibt Songs, da klappt es nicht wie, z.B. ”Ich bau dir ein Schloß”, das haben wir dann sein gelassen. Bei SLIME oder DRITTE WAHL hingegen hat es sogar so gut geklappt, das die Songs immer wieder ins Live Set genommen werden.
Daniel: Versteh ich ehrlich gesagt nicht, warum das soweit auseinander liegt. Klar unterscheiden sich die Bands inhaltlich und musikalisch voneinander. Dennoch ist das alles für mich irgendwie dem Punk zugehörig. Außerdem wollen wir die Coversongs für uns vereinnahmen. Wir drücken den Songs unseren eigenen Stempel auf.
Spiller: Ich sehe da, wie auch der Daniel, keinen großen Graben. Und das mit den Skinheadbands ist auch nicht so richtig. Habe schon immer Punk gehört und so war es mir z.B. auch wichtig, auf dem SLIME Tribute dabei zu sein. Eigentlich wird auch nicht mehr viel gecovert, es sei denn es kommt mal wieder ne Anfrage für einen Tribute Sampler.
Ugly Punk: Gibt’s eigentlich Dinge die Euch auffallen, die im Bereich Punk oder Punkrock völlig überwertet werden oder andersrum, die über die Jahre vielleicht verloren gegangen sind?
Marcel: Jede Szene ist einfach viel größer und bekannter geworden. Ich denke, dass auch keiner mehr von Punks schockiert ist, die auf dem Marktplatz abhängen und saufen. Du bekommst ja selbst RAMONES und IRON MAIDEN Shirts bei H&M. Da ist vielleicht der Spirit etwas abhanden gekommen.
Daniel: Klar haben Weltkonzerne wie H&M den Punk als kommerzielles Geschäft entdeckt. Die Kids von heute kaufen ja alles was bei Sendungen wie DSDS und Konsorten gezeigt wird. Wenn dann eben der nächste Trend Punk ist, werden eben solche Shirts bzw. der ganze Punkstyle vermarktet. Dennoch gilt hier auch das, was vorher gesagt wurde. Das sind nur Äußerlichkeiten. Denn Klamotten machen noch keinen Punk aus. Schau dir doch die Kids an, die in den großen Einkaufszentren unserer Republik abhängen. Alles ist nur auf kaufen, kaufen, kaufen ausgelegt. Da wird halt auch nicht vor dem Punk halt gemacht. Und es gibt natürlich auch eine Menge Bands, die völlig überbewertet sind. Gerade aus deutschen Landen gibt´s in unserem Bereich ne Menge Bands, die groß sind bzw. geworden sind, die derart gepusht werden, aber aus meiner Sicht völlig überbewertet sind.

Ugly Punk: Kommen wir mal zum schicken Booklet. Da habt Ihr den Albumkäufern die Qual der Wahl zwischen Euch fünf Musikern gelassen. Wer kam auf diese Idee oder woher kam diese Idee?
Marcel: Da unsere letzten CD`s fast alle im Digi Pack released worden sind, wollten wir dieses mal etwas anderes machen. Da wir alle große Fans der JOHNNY CASH oder auch DANZIG Scheiben sind, die ja im ähnlichen Style sind, wollten wir da ein kleines Tribut zollen. Zudem sieht es auch gut aus und ist eben mal was anderes.
Daniel: Außerdem find ich die Idee super, ein Cover auch verändern zu können.
Spiller: Letztendlich macht Not nach wie vor erfinderisch und da wir uns auf kein Cover einigen konnten und auch nicht wirklich wussten, was man zu diesem Titel denn für ein Cover gestalten könnte, bin ich beim Sichten der Fotos auf diese Idee gekommen. Eigentlich sollten die Einzelfotos der jeweiligen Mitglieder nur ins Booklet kommen und die düstere Gestaltung fand ich als großer JOHNNY CASH Fan natürlich auch cool. Gerade auch weil es ja ein genauer Gegenpol zur unserer Musik ist. Nun kann man sich eben sein Cover so zurechtbasteln wie es einem gerade gefällt.
Ugly Punk: Bei der LP Version wird das ja nicht umzusetzen sein. Wie kann man sich das Cover der Langspielplatte vorstellen?
Marcel: Da wird dann ein ganz normales Bandfoto drauf sein und zusätzlich gibt es noch ein schönes Poster.
Spiller: Auch da hätte ich ein Faltcover bevorzugt, aber das hätte wohl den finanziellen Rahmen gesprengt. Und so haben wir uns auf eine Picture Disc mit A2 Poster geeinigt.
Ugly Punk: Einige Magazine umschreiben EMSCHERKURVE 77 gerne als Partyband. Seht Ihr Euch selbst auch als eine oder empfindet Ihr die Beschreibung “Party” als nur bedingt gerechtfertigt, weil einfach mehr als nur Party dahinter steckt?
Marcel: Mit der Bezeichnung kann ich schon leben. Wir wollen dass die Leute eine gute Zeit haben, mit uns feiern und für 45 Minuten mal den Ärger des Lebens vergessen können. So geht es uns ja auch. Nichts desto trotz bemühen wir uns vernünftig zu spielen und so gut wie es geht “professionell” zu arbeiten.
Daniel: Da muss ich Marcel mal ein bisschen widersprechen. Klar wollen wir dass die Leute eine gute Zeit haben. Aber ich find es falsch NUR als Partyband oder aber als Fußballband bezeichnet zu werden. Versteh mich nicht falsch, die gerade genannten Punkte treffen auf EMSCHERKURVE zu, gar keine Frage. Wir haben aber alle keine Lust darauf, auf so etwas reduziert zu werden. Dafür ist unser Themenbereich zu breit gefächert.
Spiller: Bezeichnet uns als was Ihr wollt, denn wir machen ja schließlich auch das was wir wollen.
Ugly Punk: Habt Ihr EK77 von Beginn an als feste Band gesehen, oder mehr als Projekt, mit dem die Liebe zum Fußball und dem in Oberhausen ansässigen SC Rot-Weiß besungen werden sollte?
Marcel: Ich habe EK77 immer als eine feste Band gesehen. Ich bin jetzt seit 2005 mit dabei und da ging es auch schon gar nicht mehr nur um Fußball. In der Schublade stecken wir natürlich drinnen, was ja auch o.k ist. Trotzdem denke ich, dass man uns nicht nur auf Fußball reduzieren sollte. Das wir auf dem neuen Album jetzt wieder ne` RWO Nummer haben, lag nach 10 Jahren einfach mal auf der Hand. Zumal ich den Song eigentlich für die Crazy United Crew geschrieben habe. Die kam aber zeitlich nicht zustande und es wäre einfach zu schade gewesen, diesen Song in der Versenkung zu lassen.
Daniel: Ich für meinen Teil hab am Anfang nur ausgeholfen. Ich hatte noch andere Bands neben der EMSCHERKURVE. Von daher hat sich das langsam entwickelt und heute kann ich mir das alles gar nicht mehr ohne diese Jungs vorstellen.
Spiller: Am Anfang waren EK77 ja nichts anderes als ein Projekt. Das da mal eine ernsthafte Band draus wird, konnte wirklich keiner erahnen, als wir dem RWO deren Einlaufhymne “Die Macht vom Niederrhein” vorstellten, die nun bereits seit über 10 Jahren im Stadion läuft. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Zu erwähnen wäre noch, das auch unser neuer Song “Rot Weiß Oberhausen” bereits seit Wochen als Einlaufhymne zur zweiten Halbzeit im Stadion läuft.
Ugly Punk: Das ist natürlich ne´ feine Sache. Bei so viel Punkrock im Stadion kann man sicher davon ausgehen, das RWO mit rechtsoffenen Fans keine großen Probleme hat, oder?
Spiller: Ich glaube diese Probleme sind leider in allen deutschen Stadion mehr oder minder vorhanden, so auch in Oberhausen.
Ugly Punk: Wenn man im Ruhrpott von Fußball spricht, kommt man an den beiden Rivalen und derzeit erfolgreichsten Mannschaften aus der Region (Borussia Dortmund und Schalke 04) nicht vorbei. Euer Fanherz ist ja bereits vergeben, aber für welchen der beiden Vereine hegt Ihr mehr Sympathie und warum?
Marcel: Da kann ich leider keine Entscheidung treffen. Ich muss auch sagen, dass mich weder die Borussia noch der FC Schalke interessieren. Wenn ein Spiel interessant klingt, dann gehe ich auch dahin. Das kann auch die NRW Liga oder sonst was sein. Ich bin auch nicht mehr der Riesen Fan, wie ich es als Kind war. Da haben sich die Prioritäten einfach verlagert.
Daniel: Ich für meinen Teil ganz klar zu Dortmund. Ich halte es da wie ein aktueller BVB Spieler. Ich hasse Schalke! Das war schon von klein auf so. Klar ist der RWO die Nummer 1 für mich, aber Schalke geht überhaupt nicht.
Ugly Punk: Oh, lass das nicht DIE LOKALMATADORE hören ;- )
Daniel: Haha, ach die kommen schon damit zurecht. Wir haben uns ja auch schon mal die Bühne geteilt. Evtl. wird das nun nie wieder passieren ;- )
Spiller: Kann mit keinem dieser beiden großen was anfangen, auch wenn ich in meiner Kindheit in Delmenhorst mal Schalke gut fand. Das hatte aber wohl eher damit zu tun, das in meiner Klasse alles Werder Fans waren, hahaha.
Ugly Punk: Das zurzeit bekannteste Kind der Stadt Delmenhorst soll ja SARAH CONNOR sein. Kannste das bestätigen?
Spiller: Erstens kommt die aus Hamburg und ist nur in Delmenhorst aufgewachsen und zweitens wohnt sie mittlerweile glaube ich in Wildeshausen.
Ugly Punk: Und wieder was dazu gelernt ;- ) Die Auswahl an Punkkonzerten in so einer Region wie dem Ruhrpott ist sicherlich riesig. Hat das auch Auswirkungen auf die Besucherzahlen oder hat man öfter mal das Gefühl, das die Leute zu sehr gesättigt sind, was Veranstaltungen in diese Richtung angeht?
Marcel: Da hast du schon Recht. Ich denke, das sich keiner hier in der Region über zu wenig Shows beklagen kann. Klar, es ist schön wenn du z.B. mit den KASSIEREN vor 700 Leuten spielst, aber auf der anderen Seite geben wir auch vor 70 Leuten Gas. Trotzdem merkt man, dass einige auch zu Hause bleiben oder eben nicht mehr so abgehen wie früher. Aber hey, das ist bei mir nicht anders.
Daniel: Ja, eine gewisse Sattheit ist nicht zu leugnen. Gerade im Ruhrpott oder Köln fällt mir das auf. Es gibt halt ein so großes Angebot, so dass es zwangsläufig so ist, das die Besucherzahlen eher übersichtlich sind.
Spiller: Ich denke das ist nicht nur im Ruhrpott so. Dadurch das die Szene groß wie nie ist, gibt es natürlich auch so viele Konzerte wie nie. Das Problem dabei ist allerdings, das man sich nun eben einfach nicht mehr jedes Konzert leisten kann und dann im Vorfeld ganz klar kalkulieren muss, was man sich diesen Monat anschauen kann und was nicht.
Ugly Punk: Marcel, Du hast vorhin die Crazy United Crew angesprochen, die neben dem musikalischen Projekt noch ne´ Radioshow und ein Label hat und seit langem schon für das Crazy United E-Zine bekannt ist. Einige von Euch sind im Crazy United Imperium ja sehr aktiv. Was macht Ihr da genau?
Marcel: Die Crazy United Crew ist leider nie richtig in Fahrt gekommen, das liegt aber daran, das wir mit EK77 und MSA einfach zu viel zu tun haben. Die Radio Show machen ja Spiller und Frank Herbst zusammen. Ich bespreche CD`s, fahre hin und wieder mal auf Konzerte und mache auch ab und an mal Interviews. Das macht mir neben den Bands auch sehr viel Spaß. An dieser Stelle auch Grüße an meinen Kumpel Frank ; -) (Ugly Punk: Von mir natürlich auch!)
Daniel: Wie gesagt, die CUC war als Band geplant. Wir hatten die ersten paar Proben auch abgehalten und ein paar Songs gemacht. Doch leider machte einem die fehlende Zeit einen Strich durch die Rechnung. Ich bespreche wie Marcel auch CDs für die Crazy United Homepage.
Ugly Punk: In Verbindung mit Euch oder speziell mit Dir Spiller, liest und hört man immer wieder von einer gewissen Punkeria Ruhrort. Ist das Kneipe/Konzertssaal und stecken da einzelne Bandmitglieder von Euch mit drin? Klärt mich Unwissenden mal auf.
Spiller: Die Punkeria ist eine ehemalige Pizzeria im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses, welches 3 Bekannte ersteigert haben. Es ist eigentlich nichts anderes als das Wohnzimmer der dortigen Bewohner, in dem wir nun hin und wieder mal ein paar Bands spielen lassen. Wir haben da mit EK77 natürlich auch schon gespielt, aber es ist jetzt nicht so, das wir da nun ständig auftreten, denn das würde ja schnell langweilig werden. Wer aber trotzdem mal eine unserer privaten Parties dort besuchen will, erfährt mehr unter: www.punkeria.de
Ugly Punk: Wenn ich mal einen Mann für untenrum brauche, wen von Euch spreche ich dann am besten an? ;- )
Marcel: Am besten den Alex, denn der Rest ist glücklich vergeben haha!!!
Daniel: Ach komm Marcel, sei mal nicht so bescheiden. Ohne dir ein Angebot zu machen, wage ich es zu behaupten, das wir alle unsere Qualitäten haben ;- )
Ugly Punk: O.k., vielleicht nehm ich auch einen für obenrum. Eure Qualitäten laufen ja nicht weg und deshalb verbleibe ich erstmal mit einem Dankeschön für diese kleine Unterhaltung.
Spiller: Wir haben zu danken! Infos etc über www.sunnybastards.de oder www.facebook.com/Emscherkurve77





