STAATSPUNKROTT – PHOENIX EFFEKT

STAATSPUNKROTT – PHOENIX EFFEKT
(Monster Artists Entertainment)

Wenn ich den Namen STAATSPUNKROTT höre, muss ich gezwungenermaßen immer an irgendwelche Nix-Gut Nachwuchsbands denken, was nicht abwertend, aber vielleicht ein bisschen niedlich gemeint ist. Es mag am Namen liegen oder an den unzähligen Nix-Gut Samplerbeiträgen, die sie beisteuerten, oder auch an beidem. Ich kann mich jedenfalls noch gut daran erinnern, dass sie früher von den Kids ziemlich abgefeiert, von vielen älteren Szenehasen aber gerne mal belächelt wurden.

Aber die Zeiten ändern sich, und auch wenn auf der Verpackung immer noch derselbe Name steht, ist der Inhalt heute doch ein komplett anderer. Die Band hat sich entwickelt und klingelt heute nicht mehr „Ding Dong!“ mit der Frage, ob jemand eine Punkband kaufen möchte und lässt einen glücklicherweise auch nicht mehr am Gurkenfetischismus teilhaben. Da wo früher überwiegend Deutschpunk mit spaßiger Kante geboten wurde, regiert heute melodisch, gelegentlich poppiger Punkrock, der sich nicht vor Emo- oder New School Hardcore Ausflügen scheut. MONTREAL oder MOFA lassen grüßen und waren beim Songwriting vielleicht nicht persönlich, aber doch gelegentlich in den Hinterköpfen anwesend. Die Stimme des Sängers präsentiert sich als sehr variabel, kann klar und deutlich, hat aber auch die Power für Scremo Momente. Was mich ein wenig stört, ist die Überzahl an Liebesliedern. Die mögen vielleicht gut zur Musik passen, aber mich springt der Herzschmerz aus vielen Zeilen oft zu aufdringlich an.

Letztendlich bleibt aber unterm Strich festzuhalten, dass „Phoenix Effekt“ sich als bis jetzt stärkstes Album in die STAATSPUNKROTT Diskographie einordnen kann. Ob es bei dem krassen Stilbruch den Fans der ersten Stunde noch gefällt, bleibt abzuwarten, aber als Ausgleich können dafür bestimmt ein paar neue Zuhörer hinzugewonnen werden. Da ich als Vergleich immer noch die älteren Sachen der Schwaben im Gedächtnis hatte, habe ich mit so einer Steigerung nicht gerechnet und bin daher positiv überrascht. Spike

www.staatspunkrott.de