EMSCHERKURVE 77 – DAT SOLL PUNKROCK SEIN?!

EMSCHERKURVE 77 – DAT SOLL PUNKROCK SEIN?!
(Sunny Bastards)

Gute, eingängige Melodien kannste nicht erzwingen, die haste entweder im Blut oder nicht. Wer die EMSCHERKURVE 77 kennt, der weiß, dass hymnenhafte Melodien ihr Fachgebiet sind, Melodien die für den Ausbruch des Ohrwurmvirus verantwortlich sind, welcher sich rasend schnell ausbreitet und die Gehörgänge befällt. Nebenwirkung: Akutes Mitsingen, was sehr schnell chronisch werden kann.

Die Jungs aus Oberhausen haben ein neues Album im Gepäck und legen die Messlatte mit einer Selbstverständlichkeit ein weiteres Stück nach oben. 15 Songs, die nie was versprochen haben, aber alles halten, was man von einer Punkrockplatte erwartet. Spaß, Spielfreude, Ironie & klare Ansagen. Wechsel- und mehrstimmiger Gesang, ordentliche Chöre & schöne Gitarrensolis. “Dat soll Punkrock sein?“… der gleichnamige Opener klingt wie ne´ Abrechung mit alten Bekannten. “Hier bei uns“ und “Rot Weiss Oberhausen“ zeigen die Verbundenheit zur Region und dem dort ansässigen Fußballverein, der seit Bandgründung immer eine große Rolle in den Texten von EK77 spielte. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch “A40“, welches bereits auf dem vierten“ Son of a bastard“ Sampler aus den anderen Stücken herausragte. Keine völlig unbekannte Kost bietet die von akustisch auf elektrisch aufgepeppte Version vom Anti-Nazi-Song “KLGN“ (Keine Lieder gegen Nazis) oder das DRITTE WAHL Cover von “Zeit bleib stehen“. Auch bekannte Persönlichkeiten von Fernsehen und Leinwand finden wieder Erwähnung. Die Hüte vor Günter Netzer und Bud Spencer wurden bereits gezogen, diesmal gibt’s Lobgesänge auf den französischen Kult-Schauspieler Louis de Funès. Kurze Wege werden zwischendurch mit zwei halb-minütigen Songs namens “Sarrazin vs. Guttenberg“ und “Zyklopen Song“ beschritten.

So mögen nicht so aussehen, aber sie haben den Punk verstanden und finden deshalb ohne Umwege den direkten Zugang zu den Ohren ihrer Hörerschaft. Diese weiß die “Maxime Ehrlichkeit“ zu schätzen. Punks werden nicht mit den Klischees von Iros, Nieten und Biergeruch bedient und auch die Kurzhaarfraktion kann den ihr oft unterstellen Proll-Faktor hier völlig vergeblich suchen, da EK77 einfach keine Lieder über das schreiben, was sie nicht sind. Die Qualität der Songs, überträgt sich auch auf´s Bookelt, bzw. die Möglichkeit der Coverauswahl. Zwischen den 5 Musikern kann man hier fleißig hin und her wechseln und das Frontcover nach belieben ändern. So kann sich das Album nicht nur hören, sondern auch sehen lassen. Dat soll Punkrock sein? Aber so wat von! Ganz stark Champions League verdächtig die Scheibe!!! Steff

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