DAN DRYERS


DAN DRYERS sind eine Punkband, die nicht so ganz dem gängigen Klischee entspricht. Mit Abhängen vor’m Karstadt oder am Bahnhof haben die Jungs weniger zu tun, denn die Musikanten sind nebenbei Profisportler. Natürlich nicht als Bodenturner oder als Synchronschwimmer, dafür in fast ebenso spektakulären und weitaus gefährlicheren Sportarten. Nun haben die Jungs kürzlich auch noch ihren zweiten Longplayer veröffentlicht, der eine breite Seite wilden Rock mit Punk verbindet. Grund genug, bei den Jungs mal anzuklopfen. Bassist Lippe stand uns Rede und Antwort:

Hallo, stellt Euch doch erst mal kurz vor:
Wir sind die Dan Dryers, eine Punkrockcombo aus dem Rhein/Ruhrgebiet! Da wir fast alle aus dem Extremsportbusiness kommen ist unsere Mission, extrem abzurocken und so sind auch unsere Konzerte, haha.

Wie habt ihr Euch zu zusammengefunden, seit wann mach ihr zusammen Musik und was sind Eure Einflüsse.
Vor drei Jahren rief mich mein Kumpel Busty an und erzählte mir, dass er sich eine Gitarre gekauft habe, ich kaufte mir kurzerhand bei einem Trip in den USA einen Bass und Martin überredete ich auch, sich eine Gitarre anzuschaffen. Eine Band kann nicht genug Gitarren haben! Dann wollten wir uns einmal im Jahr treffen und unser aller Lieblingssong Ace of Spades performen. Na ja, jetzt habt ihr unser zweites Studioalbum in der Hand. Wir wollen den Rock n Roll nicht neu erfinden, sondern alle unsere Einflüsse, die uns geprägt haben, sind durch Zufall in einen Topf geflogen: Motörhead, Turbonegro, Social Distortion, Hives, Millencolin und viele mehr; Gitarren halt.

Genau, ihr seid zu sechst in der Band und spielt mit 3 Gitarren, seid ihr da nicht überbesetzt?
Wie gesagt, man kann nicht genug Gitarren haben, sind nicht auf der “Apocalyptic Dudes“ gefühlte 12 Gitarren zu hören? Ich finde wir sind noch unterbesetzt!

Wie kam es denn zum Bandnamen? Als Ahnungsloser denkt man bei dem Namen ja zuerst mal an eine Einzelperson, während dem zivilisierten WC-Benutzer klar ist, dass es sich bei Dan Dryer um eine Firma für Toilettenausstattungen handelt.
Ich wollte mal mit einer wunderbaren Frau ein Duett auf die Beine stellen: Kimberly Clark (Klorollenhalter) und Dan Dryer (Handtrockner), leider ist aus Zeitgründen nichts daraus geworden. Vielleicht wird es noch was.

Schließt sich gleich die Frage nach dem coolen Cover Eurer neuen CD an, das euch, etwas abgeranzt, im Village People-Outfit zeigt. Seht ihr Euch als die legitimen Nachfolger?
Ich muss zu meiner Schande gestehen, das Village People die erste Platte war, die ich mir für damals 2,50 DM auf dem Krabbeltisch gekauft habe und dann hatten wir die Idee, uns zu unserem Video “Rock n Roll Attitude“ in die Village People Jungs zu verwandeln und so ging es weiter, ich habe mir jetzt auch mein Konterfei vom Album als Pin Up tätowieren lassen, haha

Die neue Platte zeigt zum Erstling eine deutliche Entwicklung. Die Musik ist strukturierter und auch die Texte haben an Niveau gewonnen. Da sind auf dem Debüt ja schon ein paar fäkale Peinlichkeiten dabei. Seid ihr erwachsener geworden?
Als die erste Platte entstanden ist, waren wir ja noch ganz neu im Geschäft und haben einfach Sachen aus Spaß im Proberaum gemacht und die dann ohne groß zu überlegen aufgenommen. Man muss die Platte mit Humor nehmen, das ist eher ne reine Partyscheibe, reinlegen und Spaß haben. Da sind aber auch schon gute Songs wie “Senseless“ und “Paradise“ drauf. Vielleicht hätten wir die präpubertären Songs nicht an den Anfang der Platte machen sollen, die meisten Musikredakteure hören sich ja gar nicht das ganze Album an. Musikalisch hat auf jeden Fall der Einstieg von Teppich und Fre (beide Ex Heartbreakmotel) uns weit nach vorne gebracht. Auch unser Sänger Till ist erwachsener geworden.

Wer ist denn für die Musik / die Texte verantwortlich? Wie entstehen die Songs?
Bisher haben wir einfach im Proberaum gejammt und dann is was bei herausgekommen oder nicht. Diesmal haben wir auch gejammt und schnell gemerkt, dass wir dieselben Einflüsse haben und die gleichen Bands mögen. Teppich hat dann 80 Prozent der Musik geschrieben und Till der Texte, dann haben wir uns für die besten Songs entschieden und sind ins Studio. Guido Lucas von der Blubox hat uns sehr beim produzieren geholfen. Wir sind alle sehr zufrieden, er hat den optimalen Sound für uns gefunden.


Ihr habt ja relativ schnell schon auf größeren Festivals u.a. mit Wir sind Helden und Deichkind gespielt, ward aber auch mit Szenegrößen wie NoFX und Adolescents auf der Bühne. Ein ziemlich steiler Aufstieg für eine noch relativ junge Band. Wen habt ihr denn da bestochen?
In unserer Extremsportszene sind wir schon sehr bekannt, das hat bestimmt geholfen und es hat sich auch schnell herumgesprochen, dass es auf unseren Konzerten immer gut abgeht.

Seht ihr Euch eher auf der großen Bühne?
Nicht wirklich. Ich liebe es live zu performen und zu rocken, egal ob vor 3 oder 30.000 Leuten. Und so geht es uns Allen.

Euer Video zu ‘Sensless’ lief bei MTV, im neuen Video heizt ihr mit Ami-Schlitten über die BAB und eine US-Tour habt ihr auch schon hinter euch. Schielt ihr mehr über den großen Teich als in die heimischen Gefilde?
Ich stehe auf amerikanische Muscle Cars und das schon seitdem ich Auto sagen kann. Mein erstes Matchboxauto war der Grand Torino von Starsky und Hutch. Klar mag ich auch den kalifornischen Lifestyle, Burger, Budweiser, Boobs, haha, die drei großen B´s.

Was sind denn die Unterschiede zwischen den Staaten und Deutschland/Europa?
In Deutschland sind die Leute begeisterungsfähiger, meistens. In den USA, gerade in Kalifornien, gibt es so viele kleine Clubs und da ist jeden Abend ein Gig, das interessiert dort fast keinen. Aber wir haben es doch geschafft die Amis vom Barhocker zu reißen. Das war eigentlich ganz cool, besonders in Las Vegas. Ach ja, bei den Amis ist immer ein super Sound in den Clubs, egal wie klein.

Ihr seid ja nicht nur musikalisch sondern auch sportlich aktiv. Was macht ihr da genau?
Busty war Deutschlands Freestyle Moto Crosser, der auch einen Backflip gemacht hat. Till ist Dirt Jump Pro und ich war Mountainbike Downhill Profi.

Ist es nicht schwer, das alles unter einen Hut zu bringen?
Auf jeden Fall, besonders Band, Studio, proben etc. Wir sind ja permanent in der ganzen Welt unterwegs.

Ihr sagt, ihr habt Euch schon mehr Knochen gebrochen, als jede andere Band. Leidet die Band nicht darunter? Musstet ihr deshalb schon Konzerte absagen o.ä.?
Bisher noch nicht. Bei einem Gig mit NOFX musste ich mit einem Astronautenschuh spielen, da ich mir das Sprunggelenk & Wadenbein mehrmals gebrochen und alle Bänder abgerissen habe und eigentlich nicht mit dem Fuß auftreten durfte, aber irgendwie ging es dann doch

Was hat denn Priorität, der Sport oder die Band?
Da unser Sport auch unser Job ist, Busty ist Chefredakteur der motoX, Martin stellv. Chefredakteur und ich Chefredakteur vom Mountainbike Rider Magazine, definitiv der Sport, aber Musik und die Band sind schon weit oben auf der Prioritätenliste.

Die neue CD ‘Barfights & Drunken Nights’ ist ja erst vor kurzem erschienen. Wie sehen denn Eure Pläne für die Zukunft aus?
Da wir im Sommer sehr wenig Zeit haben, wollen wir im Winter Vollgas geben und Konzerte in Deutschland und evtl. der Schweiz spielen. Der Rest kommt dann.

Zum Schluss noch ein paar bemühte, wohlüberlegte letzte Worte?
Das Leben ist kurz, nutzt jeden Tag als wen er der letzte wäre!

Na dann ‘Hals & Beinbruch’ und vielen Dank für das Interview!

www.myspace.com/dandryers

Hier noch das Video zum Song  ‘Senseless’: