(Fast) alle kennen ihn noch als Drummer der TOTEN HOSEN, bei denen er vor einigen Jahren leider aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Jetzt ist er vom Schlagzeug ans Mikrophon gewechselt und fängt quasi wieder bei Null an. Mit seinem Debüt-Album “Das ist noch nicht alles“ im Gepäck, geht’s in wenigen Tagen mit der BAND DES JAHRES auf Tour durch die verrauchten Clubs der Republik. Wölli hat noch lange nicht genug und will es noch mal wissen. Uns ging es ähnlich und so stillten wir unseren Wissensdurst mit ein paar Fragen an den “Drunken Drummer“.
Hi Wölli! Wir hatten ja vor 2 Jahren schon mal das Vergnügen ein paar Worte zu wechseln. Ist viel passiert in dieser Zeit und Du warst auch mächtig fleißig gewesen. Bist Du vollends zufrieden mit Deinem ersten Longplayer oder gibt’s hier und da auch Parts, die Du im Nachhinein doch lieber anders gemacht hättest? Vielen Künstlern fallen Kleinigkeiten ja erst auf, wenn sie ein wenig Abstand zum Produkt hatten.
Also das Produkt ist ja noch ganz frisch, aber zur Zeit steh’ ich ohne Abstriche voll und ganz hinter dem Album. Denke, ich könnte es nicht besser machen.
Damals hast Du noch mit dem GOLDENE ZEITEN ORCHESTRA musiziert, heute ist WÖLLI & DIE BAND DES JAHRES daraus geworden. Hast Du alle Musiker aus der alten Truppe mit übernommen und warum der Namenswechsel?
GZO war halt ein Projekt mit ganz vielen Musikern, die von meinem Label Goldene Zeiten Records kamen. Mit der Zeit ist es aber eine feste Besetzung geworden, eine richtige Band, also daher der Namenswechsel. Alle Musiker aus WÖLLI & DIE BAND DES JAHRES haben auch das Album eingespielt.
Dein Album ist musikalisch ziemlich abwechslungsreich geworden, womit wohl viele nicht gerechnet hätten. Warum wolltest Du kein reines Punkalbum machen oder eines, das nach den TOTEN HOSEN klingt?
Warum sollte ich ein TOTE HOSEN Album machen. Die Band gibt’s ja schon. Natürlich haben die 15 Jahre als Hosendrummer mich beeinflusst, worauf ich stolz bin, aber… ich habe auf dem Album jede Freiheit gehabt. Nichts musste so klingen wie irgendwelche Vorbilder. Ich hab’ einfach gemacht, was mir zu den Texten gerade so eingefallen ist. Warum sollte ich mich auf einen Musikstil festlegen. Es gibt so viel gute und unterschiedliche Musik. Sein wir froh darüber. Wäre doch schlimm, wenn alle die gleiche Grütze hören. Ich muss niemandem etwas beweisen und bin froh, dass ich so vielseitig arbeiten darf. Jeder Ton auf dem Album hat Spaß gemacht, egal wie man die Musikrichtung nennt, solange die Wurzeln doch noch im Punk liegen.
Die meisten Stücke sind sehr persönlich geworden, aber manchmal fällt es mir schwer, zwischen Ironie und Wahrheit zu unterscheiden. Wie viel Wahrheit steckt z.B. im Text von “Der Mann hinter dem Schlagzeug“, in dem Du Dich quasi als unbeachteter Mensch im Hintergrund beschreibt?
Jau, eine witzige Frage. Der Mann hinter dem Schlagzeug ist ein wirklich sehr ironischer Rückblick. Es ist doch so, das über Schlagzeuger die meisten Witze gemacht werden. Wer will denn den Schlagzeuger zum Interview, das ist Sache des Sängers. Schlagzeuger werden am meisten unterschätzt. Ich hatte die bisher schönsten 15 Jahre meines Lebens als Drummer der TOTEN HOSEN, bin aber immer und immer wieder auf diese Vorurteile gestoßen und das wollte ich mit dem Song ausdrücken, ein ironischer Rückblick auf eine Funktion und einen Zeitraum, die von Vorurteilen geprägt sind. Drummer sind die Geilsten!!!
“Mein wildes Herz“, der Opener, ist ne´ schöne Rocknummer geworden. Darin besingst Du, dass immer noch ein wildes Herz in Dir schlägt. Inwieweit würdest Du sagen, verändert das Alter so ein wildes Herz? Frisst der Reifeprozess mit zunehmendem Alter nicht automatisch die Rebellion?
Nicht unbedingt oder sogar das Gegenteil könnte eintreten. Klar, das Ersatzteillager im Körper wird immer größer, aber das ist doch kein Grund, dass man nicht mehr rebellisch sein kann. Ich beurteile keine Menschen nach Ihrer Hautfarbe und ebenso niemanden nach seinem Geburtsjahr. Wichtig ist doch nur wie ein Mensch sich gibt, wie er sich verhält. Klar sind viele Alte Scheiße und frustriert. Viele haben auch allen Grund, wenn Sie auf ihr bisheriges Leben zurückblicken. Aber bitte werft nie alle in einen Topf. Es gibt ältere Leute und dazu zähle ich mich, die rebellischer sind, immer noch ein wildes Herz haben, und auch noch einen gesunden Schuss in der Birne haben, als ganz viele 20-30-jährige, die doch jetzt schon „FERTIG“ sind. Habt mehr Spaß!!!!! Gebt den Alten eine Chance!!!!!
Neben Countryeinflüssen hört man auf der Platte auch welche aus dem Schlagerbereich. Ihr habt ja damals schon als ROTE ROSEN Schlager durch den Punkwolf gedreht, nur diesmal bist Du sehr dicht am Original geblieben. Hast Du Wurzeln im Schlager, bzw. Interpreten oder Songs, die Dich als Musiker, in Deiner Jugend oder auch heute noch beeinflussen oder begeistern?
Na klar, als ich anfing, so im Alter von 6-10 Jahren, Musik bewusst zu hören, musste ich mir ja jeden Scheiß, den meine Eltern sich angehört haben, reinziehen. Es gab nichts anderes. Das war in einer Zeit (für die jüngeren Leser hier kaum vorstellbar), da gab es nur 1-2 Fernsehsender oder eine Handvoll Radiosender. Scheint wohl so, dass davon noch ein bisschen bei mir hängen geblieben ist. Manche von diesen Schlagern sind so bescheuert, dass es schon wieder Spaß macht. In diesem Fall, Du meinst wahrscheinlich „Ich liebe das Leben“ von VICKY LEANDROS, kann ich aber auch sagen, dass wir den Song für die Tour live komplett anders arrangiert haben. Der ballert jetzt wie Sau. Das ist Punkrock.
Die alten Kollegen von den HOSEN fanden sich ja auch als Gastmusiker zur Unterstützung im Studio ein und Campino und Vom waren bei 2 Stücken sogar Duettpartner. Gab´s von denen Kritik oder wertvolle Tipps oder hast Du Dir nicht reinreden lassen?
Ja, Campino bin ich wirklich sehr dankbar. Wir haben, bevor wir unser Duett „Alles noch mal von vorn „ eingesungen haben, alle meine Texte nochmals überarbeitet. Da bin ich dem Fachmann wirklich sehr dankbar. Die Hilfe hab’ ich gerne angenommen, schließlich hat Campi schon hunderte, wenn nicht tausende Songs geschrieben. Ich mal gerade erst 10-15 Songs. Ich wäre doch dumm, wenn ich solch’ Hilfe nicht annehmen würde. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass wir an diesem Wochenende sehr viel Spaß hatten und das Gefühl von früher, als wir gemeinsam Hosen-Platten aufgenommen haben, war ganz schnell wieder da. An dieser Stelle nochmals mein Dank an meine alten Kollegen.
Der Albumtitel “Das ist noch nicht alles“ lässt ja scheinbar auf weitere Veröffentlichungen von Dir schließen. Jetzt geht’s ja erstmal auf Tour, aber danach? Gibt’s schon konkretere Pläne für die Zukunft?
Ich will und werde euch noch eine ganze Weile erhalten bleiben und vielleicht sogar auf den Sack gehen. Aber bevor wir jetzt weitere Pläne machen, möchte ich erst einmal die Tour jetzt Okt. &. Nov. überleben, dann schau´n wir weiter.
Stichwort Tour. Da rückst Du ja vom Dir altbekannten Platz hinter der Schießbude ganz nach vorne ans Mikro. Alle haben jetzt die klare Sicht auf Dich. Was meinst Du, wie ungewohnt wird dieser Wechsel für Dich werden?
Oh ja, davor hab ich richtig Schiss. Wenn`s mal nicht so gut lief früher als Drummer, konnte ich mich wenigstens hinter dem Schlagzeug ein wenig verstecken. Da vorn am Bühnenrand geht das natürlich nicht mehr. Und außer Singen kommt ja jetzt auch noch der Entertainfaktor dazu. Aber ich find’s irgendwie auch geil. Mit über 60 nochmal eine ganz neue Herausforderung. Ich liebe das Leben.
Wie ist das bei Dir generell mit dem Tourleben. Hast Du dieses Feeling seit den HOSEN mal wieder erlebt? Hast Du es gar vermisst?
Habe ja viele Konzerte meiner jungen Bands, die ich unterstützt und gefördert habe, erlebt. Aber selbst wieder Konzerte und Tour zu spielen, hab’ ich schon vermisst. Das ist wie beim Fußball, keiner sitzt gerne auf der Bank, alle wollen auf den Rasen und Tore schießen. So ähnlich ging’s mir auch.
Im Gegensatz zu früher, wird es Backstage heute doch wohl um einiges gesitteter zugehen, oder laufen wir mit dieser Frage Gefahr, die Gesetze des Rock´n´Roll zu entkräften?
Da bin ich mir nicht so sicher, von wegen gesittet. Ich kenne mich und warne jetzt schon mal alle Clubs und Veranstalter… der alte Mann ist wieder unterwegs…
Du hast wahrscheinlich schon mehrmals gehört, dass sich Deine Stimme beim Song “Kein Grund zur Traurigkeit“ verdächtig nach JOHNNY CASH anhört. Habt ihr vielleicht sogar 1-2 Coversongs vom guten Johnny im Live-Repertoire? Falls nicht, vielleicht ist das ja mal ne´ Anregung.
Dass ich mit diesem Song des Öfteren in die Nähe von JOHNNY CASH gerückt werde, ehrt mich sehr, weil ich JOHNNY CASH sehr schätze. Ich werde über Deine Anregung nachdenken und evt. doch noch einen anderen Cash-Song covern. Ist wirklich unglaublich, was der in seinem Leben für geile Songs rausgehauen hat. Respekt.
Wölli, lass es krachen und bis zum nächsten Mal.
Danke, hat Spaß gemacht und ich verspreche an dieser Stelle allen, die zu den Konzerten kommen werden: Schnallt euch an wir geben alles!





