WÖLLI & DIE BAND DES JAHRES – DAS IST NOCH NICHT ALLES

WÖLLI & DIE BAND DES JAHRES – DAS IST NOCH NICHT ALLES
(JKP)

1 ½ Jahrzehnte war Wölli der Mann hinter der Schießbude der TOTEN HOSEN, bis er diesen Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Doch wenn die Musik einmal im Blut ist, kriegt man sich nicht wieder raus. So komponierte er, neben den Aktivitäten bei seinem Label “Goldene Zeiten“, auch fleißig eigene Songs für die eigenen Stimmbänder. Mit der BAND DES JAHRES im Rücken, wurden die Stücke verfeinert und um weitere aufgestockt. Das Ergebnis: “Das ist noch nicht alles“.

Es ist ein kein Punkalbum, sondern ein Rockalbum geworden, allerdings ein solches, dass sich schwer in nur eine Schublade stecken lässt, da WÖLLI & DIE BAND DES JAHRES viele Stilrichtungen mit einbeziehen. Die erste Singleauskopplung “Alles nochmal von vorn“ klingt 1 zu 1 wie DIE TOTEN HOSEN, nicht nur weil Campino als Duettpartner mit von der Partie ist, sondern auch musikalisch könnte es vom alten Arbeitgeber sein. “Mein wildes Herz“, “Ich fühl mich wunderbar“, “Mich kriegt ihr nie“ oder “Blick nach vorn“ gehen ebenfalls in die rockige Richtung. Eine Portion Country und Wölli in bester JOHNNY CASH Manier gibt’s bei “Kein Grund zur Traurigkeit“. Befremdlich hingegen finde ich den Song “Weil es Dich gibt“, nicht aufgrund des Textes, sondern der schnulzig poppigen Verpackung wegen. Ähnlich geht’s mir auch bei “Der Mann hinter dem Schlagzeug“, persönlicher und guter Text, aber Flamenco-Schlager, wie man ihn auch von den AMIGOS oder FLIPPERS kennt. Mit dem Cover von “Ich liebe das Leben“ (bekannt von VICKY LEANDROS), einem Evergreen aus dem Bereich Schlager, kann ich mich da schon eher anfreunden. Als musikalisch krasser Gegensatz schwingt Wölli gemeinsam mit seinem HOSEN-Nachfolger Vom Ritchie bei “Two Drunken Drummers“ die Hardrock-Keule und spätestens jetzt merkt man, wie viele Stile dieses Album tatsächlich beinhaltet.

Es bewegt sich irgendwo zwischen MASSENDEFEKT und KLAUS LAGE, zwischen den SCORPIONS und VICKY LEANDROS, es bewegt sich, es legt sich nicht fest. Es ist, wie im Absatz zuvor schon erwähnt, kein Punkalbum, wenngleich man hier und da sicher Einflüsse aus der Zeit der TOTEN HOSEN erkennt, aber mit 60 Jahren sieht Wölli die Dinge nicht mehr ganz so eng, muss nicht mehr einen auf “harter Punkrocker“ machen, sondern kann sich musikalisch dem hingeben, worauf er Lust hat. Und das kann auch mal Schlager, Country oder Deutschrock der alten Schule sein. Steff

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