
Es ist doch immer wieder schön und interessant zugleich, wenn sich zwischen den gewohnten Punkrock, den wir ja alle so lieben, was Untypischeres mischt. Bands wie SONIC BOOM SIX zum Beispiel, die neben ihren Punkrockwurzeln auch noch welche im Hip Hop haben und diese miteinander verwachsen lassen. Ihre letzte Scheibe “ Rude Awakening“ ist zwar schon wieder ein paar Monate alt, dreht aber weiterhin treu ihre Runden in meiner Anlage. Und weil das so ist, fand eine elektronische Übermittlung statt, mit der ein paar Fragen in Richtung Manchester gingen, die uns Barney Boom, Bassist und Sänger/Rapper der Band, freundlicherweise beantwortete.
Ugly Punk: Hey! Schön dass wir dir ein paar Zeilen entlocken können. Leider bin ich erst mit der “Rude Awakening“ Compilation auf euch aufmerksam geworden und so wie mir, geht´s sicherlich auch noch einigen Anderen hierzulande. Dass ihr aus Manchester kommt und euch 2002 gegründet habt, hab ich schon herausgefunden. Aus welcher Motivation heraus habt ihr euch denn gegründet. Einfach nur aus Spaß oder weil ihr diverse Ziele und Träume verfolgt?
Nun, erst mal Hallo an alle Leute, die uns noch nicht kennen. Die Motivation hinter der Bandgründung war, dass wir alle schon in verschiedenen Punkbands in Manchester gespielt hatten, aber jetzt eine neue Band gründen wollten, die auch Anteile aus anderen Musikrichtungen beinhaltet, die wir mögen, wie Reggae, Hip Hop, Drum ´n Bass und Garage. Es gab eine Menge Bands in der britischen Ska-Punkszene, die verschiedene Sounds mit Punk gemixt haben, und da haben wir dem ganzen nur unseren persönlichen Dreh gegeben. Die Bands hatten eine sehr originelle Herangehensweise an die Musik, sodass die Leute ziemlich drauf abgegangen sind, das waren Bands aus UK, von denen du wahrscheinlich noch nicht gehört hast wie zum Beispiel No Comply, Adequate 7, Howards Alias oder Mouthwash. Wir wollten dieser Musik unseren eigenen Dreh geben und Hip Hop und Drum ´n Bass mit rein nehmen und Teil dieser Szene im Underground hier in UK werden. Wir hatten eigentlich nie irgendwelche Ziele außer Spaß haben, kreativ sein und auf Tour gehen. Aber wir haben es immer geliebt, Konzerte zu spielen und lieben unsere Fans und sind heute sogar noch stärker als je zuvor!
Ugly Punk: Seid ihr alle in Manchester geboren oder seid ihr zum Studieren in diese Stadt gezogen?
Laila, Neil und ich, also die Originalmitglieder der Band, kommen aus Manchester und sind schon seit der Schule befreundet. Neil und ich haben uns sogar schon in der Spielschule (Infant School) kennen gelernt, das heißt, wir waren damals 5 Jahre alt! Laila und ich trafen uns, als wir 12 waren oder so. Wir blieben alle in Manchester um zur Uni zu gehen, weil wir die Stadt so sehr mochten. Wir haben auf der Uni dann Ben kennen gelernt, unser alter Gitarrist, der Gründungsmitglied war und ein sehr wichtiger Mensch in unserer Bandgeschichte.
Ugly Punk: Geht ihr neben der Band noch irgendwelchen Jobs nach oder kommt ihr mit der Musik halbwegs über die Runden?
Eine Zeit lang haben wir nicht gearbeitet, als wir durchgehend auf Tour waren, aber jetzt werden wir irgendwelche Teilzeitjobs in der Zeit annehmen, sofern nötig, da wir nicht unterwegs sind. Aber sobald unsere Platte draußen ist, werden wir unsere Jobs kündigen, denke ich mal. Ich kann´s kaum erwarten…
Ugly Punk: Das Besondere an euch ist sicherlich, dass ihr viele Stile miteinander vereint. Neben Punkrock lasst ihr auch noch Hip Hop oder Reggae mit in euren Sound einfließen. Kommt ihr alle aus verschiedenen Szenen?
Absolut. Ben und ich haben uns an der Uni kennen gelernt und es war damals so, dass wir tief in der Dance und Hip-Hop-Szene steckten, aber Punkmusik mochten. Das war die Schöpfungsgeschichte der Band. Ich war damals hobbymäßig Emcee auf Parties und bei Clubnächten, und Ben eben auch, und so kam das dann. Ich hab als Teenie Punkmusik geliebt, als ich dann zur Uni kam, hörte ich immer mehr Dancemusik und kam in die Clubbing, Free-Party- und Raveszene rein, habe aber nie meine liebe zum Punk verloren. Das war die Szene, die ich kannte und verstand, also habe ich Ideen und Inspiration von den anderen Szenen mit in den Punk übernommen.
Ugly Punk: Ich geh mal davon aus, das ihr alle musikalisch recht früh und in jungen Jahren gefördert wurdet, richtig?
Nicht wirklich, ich bin in einem musikalischen Milieu aufgewachsen, weil mein Vater Bass gespielt hat, vor allem in Coverbands, deswegen war immer Musik um mich herum. Ich hatte Platten und hörte schon sehr früh Musik, aber ich wollte immer ein Künstler sein. Aber unter 17 war da gar nichts, und dann erst fing ich an Bass zu spielen. Ich hab mich richtig darauf gestürzt, weil ich das Gefühl hatte, zu spät angefangen zu haben. In vielerlei Hinsicht wünschte ich, ich hätte die musikalische Erziehung von zum Beispiel Nick, unserem Gitarristen, der Gitarrenstunden als Kind hatte. Ich arbeitete sehr hart als später Teenager, um das aufzuholen. Ich hab kurz nachdem ich angefangen hatte, auch schon in Bands gespielt, ich glaube, das ist auch sehr wichtig.
Ugly Punk: Siehst du bei Punkrock und Hip Hop irgendwelche Gemeinsamkeiten oder sind es die Gegensätze die sich anziehen?
Da sind eine ganze Menge Gemeinsamkeiten. Vom Herzen und der Abstammung, es sind beides Musikrichtungen, die die Belange und Perspektiven von echten Menschen ausdrücken, es ist volkstümliche Musik (ich schreib jetzt mal nicht Volksmusik, Anm. d. Übersetzers), die Poesie der Straße und sie drücken die Frustration der Unzufriedenen aus. Ich sehe da überhaupt gar keine Gegensätze, in keinster Weise. Publik Enemy haben mehr mit The Clash gemeinsam als so manche Gitarrenband.

Ugly Punk: Seit ihr bei manchen Songs auf Gastmusiker angewiesen, um diese musikalisch umsetzen zu können oder regelt ihr fünf das auf der Bühne komplett alleine?
Wir lieben es, Gastmusiker und Gastsänger einzusetzen. Das ist auch wieder ein sehr Hip-Hop-mäßiges Ding, denn es bringt viele andere Texturen und Ideen rein. Mein Lieblingssong von Sonic Boom Six ist wohl „Ya Basta“ von der „Arcade Perfect“, der Song hat 3 Gastsänger, als da wären Itch von The King Blues, Johnny One-Lung von The Filaments und Babar Luck.
Ugly Punk: Mit Autoritäten, wie z.B. der Polizei, geht ihr in euren Texten recht kritisch ins Gericht. Habt ihr viele schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht und wenn ja in welcher Form?
Als ich in der Free-Party und Raveszene war, habe ich viele schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Vor allem in der Form, dass sie mehr Probleme verursachen, als sie lösen, indem sie aggressiv werden und sich danach unbeholfen anstellen und nachdem sie eine Konfrontation gestartet haben, die nicht hätte sein müssen. Ich hab aber auch schon gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Ich denke, ein bisschen Selbstkontrolle innerhalb der Polizei, wenn sie andere Officers bei Dingen beobachten, die nicht so korrekt sind, wäre großartig. Die Polizei scheint das komplett auszublenden, welche Auswirkungen das korrupte und scheinheilige Verhalten einiger Officers hat. Eine schlechte Erfahrung prägt dich mehr als 10 gute, denn die Erfahrung, dass jemand der dir helfen sollte, seine Macht missbraucht, ist einfach widerlich. Um ehrlich zu sein haben wir nur einen Song über die Polizei und das ist „Piggy In The Middle“, wobei es bei dem Song auch mehr um den Missbrauch von Macht eines Schulfreundes geht und weniger um die Polizei als Ganzes.
Ugly Punk: Ihr habt ja schon einige Städte und Länder bereist. Sind da große Unterschiede beim Publikum feststellen? Gibt’s Orte, an denen das Publikum verhaltener ist oder besonders gut abgeht. Was waren bisher eure beschissensten und was eure besten Live-Erlebnisse?
Meistens sieht man von den eigentlichen Städten ja nicht so viel, wie man gern möchte. Du kommst nach einer Tagesreise in die Stadt und musst erst mal Soundchecken und den Gig spielen, nicht ganz das, was man sich so vorstellt. Es ist großartig in Städten wie Berlin oder Paris einen Off-Day zu haben, sodass man da ne Sight-seeing-Tour machen und den Aufenthalt genießen kann. An verschiedenen Orten sind die Menschen verschieden, und so ist es auch verschiedenen, wie sie die Band aufnehmen, es ist schwer, da klare Linien zu ziehen. Kids in Städten, die häufiger Shows sehen, scheinen manchmal eher zurückhaltender zu sein, während da, wo weniger Konzerte sind, es leichter ist, zu den Leuten durchzudringen. Der verrückteste Gig den wir je hatten, war in einer Schule in Frankreich, wo wir Nachmittags auf einem Festival gespielt haben. Wir hauten den ersten Song raus und ich konnte nicht weiterspielen, weil ich so krass lachen musste… der gesamte Schulhof hatte sich in einen riesigen Moshpit aus springenden Kindern verwandelt! Es war unglaublich, die Kinder Crowd-surfing und mitsingen zu sehen, das war definitiv unser lustigster Gig.
Ugly Punk: Welche Bands oder Künstler würdet ihr als eure größten und wichtigsten Einflüsse nennen?
Ich denke, dem Folgend, dass eine Gitarrenband neue Sounds zu ihrer Palette hinzufügt und sich diese Sounds entwickeln, sind The Clash unser größter Einfluss. Den größten direkten Einfluss hatte eine Band hier aus UK, namens King Prawn, mit denen wir unsere erste Tour hatten und die ihr euch wirklich mal anhören solltet. Weiterhin, bezogen auf einen weiteren Genrekreis, würde ich sagen The Specials, Public Enemy, Refused, The Fugees und The Streets waren die Bands, die uns wirklich inspiriert haben.
Ugly Punk: Kennt ihr auch deutsche Punkbands?
Ja, wir kennen die Toten Hosen hier drüben, die hatten Anfang der 90er einige recht bekannte Songs hier.
Ugly Punk: Ich nenn dir mal 10 Begriffe und du sagst mir zum Abschluss doch bitte mit wenigen Worten, was du davon hältst.
Drogen?
Spaßig und augenöffnend in Grenzen, gefährlich ohne. Du solltest es nicht zu lang und zu oft machen. Die Quelle einiger meiner besten Momente meines Lebens, aber auch der Tiefpunkte.
Sex Pistols?
Diejenigen, die den UK-Punk losgetreten haben. Großartig, deutlich, wütend, kraftvoll.
Straight Edge?
Ich habe eine Menge Respekt für die Straight-Edge-Szene und die Straight-Edge-Musik. Ich habe aber ein Problem mit dem Gedanken, dass Alkohol ein Feind ist, denn ich glaube nicht, dass er das ist. Aber ich liebe Straight-Edge-Shows und die Leute können sehr lustig sein.
Gangsta Rap?
Ich liebe es. NWA, Schooly D und Ice T haben genau das beschrieben, was um sie herum abgeht. Dr Dre und die West Coast wie Snoop Dogg sind verantwortlich für einige der besten Produktionen und Musik, die es je gab. Ich glaube, dass die Leute den Humor übersehen, der nahezu allgegenwärtig ist. Für mich ist es auch nicht groß anders als Goodfellas zu gucken. Ich liebe Gangster Rap und klassischen NY-Rap. Meine Lieblingsmusik ist Nas, Jay-Z, Notorious BIG, Big L und Wu Tang, etc.
Monarchie?
Veraltet. Eine Erinnerung an eine Welt, aufgeteilt in Haben und Nicht-Haben. Fundamental gegen meine Sicht auf die Entwicklung der Gesellschaft. Ich würde es gern loswerden.
Sex auf Tour?
Wenn du Single bist, ist nichts Verkehrtes dran. Ne´ Menge Spaß! Ich bin keine wertende Person, aber wenn du einen Partner zu Hause hast, aber ne´ Menge Sex auf Tour haben willst, solltest du dich besser trennen, statt es hinter seinem/ihrem Rücken zu machen. Aber das ist auch das einzig Negative, was mir einfällt…
Religion?
Ich habe eine spirituelle Seite und ich sehe den Wert von Religion. Aber es geht so viel Negatives von Religion aus, wie Intoleranz, Krieg, Justizmentalität und dergleichen. Der Fall ist den Flug nicht wert. Ich würde mir wünschen, dass die ganze Gesellschaft komplett säkularisiert wäre. Wenn du etwas anbeten möchtest und dir ein Glaubenssystem darauf aufbaust, sollte das nur dich selbst betreffen und nicht andere, die das nicht tun, wenn du mich fragst.
Manchester United?
Ob die Leute es mögen oder nicht, eine der besten und geschichtsträchtigsten Mannschaften auf der Welt. Ein guter Quell des Stolzes als “Mancunian”.
Manchester City?
Noch ein großer Quell der Stolzes als “Mancunian”. Großartiges Team! Großartige Fans.
Mainstream?
Ich hab wirklich überhaupt gar kein Problem mit dem Mainstream. Die Mehrzahl der Menschen entscheidet sich, das zu hören oder zu gucken, also sollte man das respektieren. Reality TV ist trotzdem SCHEISSE! Es ist ein totales kreatives Vakuum und der Tod für vernünftige Fernsehprogramme. Mainstream-Musik stört mich wirklich nicht. Ich würde eher Popmusik hören als trendige Gitarrenbands, wenn ich ehrlich sein soll.
Ugly Punk: Besten Dank für die Antworten.
Übersetzung: Tammo





