KNOCHENFABRIK – GRÜNE HAARE 2.0

KNOCHENFABRIK – GRÜNE HAARE 2.0
(Trillerfisch Records)

Als die Kumpels von KNOCHENFABRIK vollmundig eine neue Platte ankündigten, glaubten viele erstmal an einen Witz. Dann wurde fürs Ruhrpottrodeo eine Release-Show angekündigt. Spätestens nach einigen Gesprächen mit Insidern wurde dann doch der Ernst der Lage erkannt. Jahrelang sträubte sich Claus erfolgreich gegen ein Comeback und nun, nach Millionen letzten Konzerten, dann das. Viele Möglichkeiten bot die Lage nicht. Entweder wird’s ein Überhammer oder Schrott. Inzwischen war klar, dass es lediglich eine 7“ mit Gratis-CD werden würde. Das Release-Datum konnte selbstverfreilich nicht eingehalten werden. Hätte ich nicht freien Eintritt gehabt beim Rodeo (danke Steff, Ilona, Alex), würde ich mein Geld zurückverlangen, hehe.

Nun liegt die Scheibe vor mir. 6 Songs in 6 Minuten. Aha. Im Auto Dauerrotation, um mir ein Bild zu verschaffen. Läuft genau einmal durch auf der Fahrt zur Arbeit. Claus empfiehlt im Anschreiben, ich soll mir dat Dingen am besten mit Mike in dessen Schnapszimmer anhören. Das wird auf jeden Fall nachgeholt. Was hier geboten wird, klingt aber leider eher nach den letzten CHEFDENKER-Sachen, bloß etwas schneller vom Schlagzeug her. Mit solchen Klassikern der Punkrockgeschichte wie „Filmriss“, „Grüne Haare“, „Glücklich“, „Schwer wie Blei“, „Willi über Wiesen“ usw. können die Songs leider kein bisschen mithalten. Wie von Claus angekündigt, klingen die Texte und Melodien so, als wären sie in ein paar Proben schnell zusammengeschustert worden. Hauptthema ist, ebenfalls wie angekündigt: Saufen. Ihr habt es alle so gewollt „…KNOCHENFABRIK liefern den Soundtrack für den kleinen Durst, da bleibt nicht allzu viel Leergut liegen… die Komasäufer von heute sind die Weinkenner von Morgen. Das war früher so und ist heute nicht anders. Wie KNOCHENFABRIK, die sind auch genauso wie früher – Innovationsresistent seit 1994.“ Solche und weitere Weisheiten liefert das Promoschreiben. Als Bonussong für die kostenlose Beilage CD wurde „Die Tochter vom Nachbarn“ in einer langsamen Schiffschaukelversion noch mal neu aufgenommen. Da hätte man lieber was vom Demo bzw. der 7“ nehmen sollen, z.B. „Schwer wie Blei“, der stärkste Song der Band meiner Meinung nach, der nur in der relativ schlechten Soundquali von damals existiert. Aber wat soll´s. Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Aufgenommen ist das Ganze in Hasans Wohnzimmer in 2 Tagen. Soundquali is ok. Ich würde es nie übers Herz bringen, den Helden meiner schlaflosen Jugend einen Verriss reinzudrücken. Aufgrund des hohen Kultfaktors geht das Ganze unterm Strich als gelungene Sache durch! Kaufen! Gehört in jeden Plattenschrank! Um mal den Text des 2.ten Songs „Eurovision Saufcontest“ zu zitieren: KNOCHENFABRIK 12 Points. Aber nur weil ihr es seid! Chris de Barg

http://de.wikipedia.org/wiki/Knochenfabrik