BROILERS – SANTA MUERTE

BROILERS – SANTA MUERTE
(People Like You Records)

Wochen, nein jahrelang fieberte ich der neuen BROILERS Scheibe entgegen. Als Späteinsteiger hatte ich zwar genug Scheiben aufzuarbeiten, aber trotzdem wartete ich gespannt auf das neueste Werk. Im Vorwort meines Interviews mit der Band, welches in Kürze hier erscheinen wird, gibt es dazu noch einiges zu lesen. Deshalb komme ich hier gleich zur Sache. Das die neue Platte vermutlich nichts mehr mit den vorangegangenen Releases gemeinsam haben würde, war ja irgendwie klar. In vielen Interviews und auch auf ihrer Doku-DVD hatten sie ja stets betont, dass sie weiter nach vorne wollen, dass sie sich gerne ihren Traum erfüllen wollen, von der Musik zu leben. Dieser Schritt dürfte mit „Santa Muerte“ endlich gelungen sein. Nicht zuletzt wegen dem Einstieg in die Charts von 0 auf 3.

Mit dem Song „Harter Weg“ von der vorgeschobenen EP, der auch die Platte eröffnet,  konnte man schon erahnen, wohin die Reise geht. Das Lieblingsgitarrenriff der BROILERS schmettert einem gleich vom ersten Ton an wieder entgegen. Der Strophenteil hat eine sehr schräge und gewöhnungsbedürftige Melodie. Textlich geht’s hier mit dem gewohnten BROILERS-Pathos zur Sache. („Allein am Abend hängt die Libido in Fetzen an der Wand, sei schlau nimm die Medikamente, strick dir eine schöne Schlaufe…“). Die nächsten 3 Songs hauen in eine ähnliche Kerbe. Die ersten 4 Songs sind für mich die stärksten der Scheibe. Danach driftet das Ganze leider textlich etwas ins Belanglose ab, musikalisch geht’s da doch sehr sehr schnulzig zu. Der stärkste Song ist für mich „Tanzt du noch einmal mit mir“. Starke, eingängige Gitarrenmelodie und noch einmal ein Hauch von Sozialkritik („ Ein faules Volk wie dieses hat sich noch nie gewehrt“). Cooler Ohrwurm! Vom Sound her ist das Ganze leider oder konsequenterweise sehr glatt produziert! Von rotzigen Punkrockgitarren keine Spur mehr. Und auch Sammy hat seinen Gesangsstil nochmals geändert. Kein bisschen Rotz mehr in der Stimme, klingt alles sehr klar. Auch das berüchtigte Eunuchengejaule von der „Vanitas“ ist gänzlich verschwunden. Teilweise klingt das Ganze nach Westernhagen (wenn das Saxophon einsetzt), Grönemeyer und Matthias Reim. Insgesamt ist die Mucke sehr überladen mit diversen Instrumenten (Mundharmonika, Orgel, Schifferklavier, Bläser…) und man hört stellenweise auch raus, dass hier der Produzent der TOTEN HOSEN am Werk war. Dennoch haben sich die Songs in meine Gehirnwindungen gefräst! Und diese Tatsache spricht wohl für sich.

Nun muss ich langsam zum Fazit kommen. Schwierig. Würde die ganze Platte so weitergehen, wie die ersten vier Songs, wäre sie vermutlich grandios. Die BROILERS werden mit „Santa Muerte“ viele neue Fans gewinnen und einige alte verlieren. Ich gönne ihnen absolut, dass ihr Traum in Erfüllung geht. Mir sind die Schnulzen der BROILERS in den Charts und im Radio tausendmal lieber, als das ganze massenverblödende und gehirnzellenabtötende Gedudel solcher Stimmungskanonen wie Lady Gaga und diverser Gangsterrapper. Die Platte ist in diversen Versionen erhältlich, als Boxset, farbiges Vinyl, mit DVD usw. usw. Chris de Barg

www.broilers.de