
POPPERKLOPPER spielen schon seit langer, langer Zeit auf den vorderen Plätzen der Punkrockbundesliga mit. Angefangen als klassische Deutschpunkband, hat die Band nicht immer das geboten, was vielleicht von ihr erwartet wurde, sondern das, worauf sie Lust hatte. So kamen zum Deutschpunk auch englische Texte und Rock´n´Roll Einflüsse dazu, die den Sound des Trios bereicherten und ihn für vorgesehene Schubladen zu umfangreich machten. Die Jungs sind stets ihren Weg gegangen, mittlerweile 22 Jahre, und ein Ende scheint nicht in Sicht. Gut so, denn POPPERKLOPPER befinden sich zudem noch inmitten einer kreativen Phase, auf deren Ergebnisse man schon jetzt gespannt sein darf. Ebenso wie natürlich auf dieses Interview, dass wir anlässlich des nachgefeierten Jubiläums und der damit verbunden CD/DVD “20 Jahre Popperklopper“ mit Lars und Carsten führten.
Ugly Punk: 20 Jahre POPPERKLOPPER… da gratuliere ich doch mal nachträglich, wobei die Betonung auf nachträglich liegt, denn euch gibt’s ja schon 22 Jahre wenn ich richtig informiert bin. Warum ein Jubiläumsalbum mit Verspätung?
L: Ja, richtig, POPPERKLOPPER haben sich 1989 formiert! Das Fest hatte aus terminlichen Gründen Verspätung, da wir die Bands die auch tatsächlich dort gespielt haben unbedingt dabei haben wollten.
C: Und dann kam noch der Labelwechsel dazu und die üblichen Verzögerungen (Videoaufnahmen bearbeiten, Mastern, FSK etc), die es eigentlich bei fast jeder Veröffentlichung gibt, sodass der Kram letztendlich erst ein gutes Jahr später raus kommt. Aber egal, dafür ist es jetzt auch umso besser geworden… und Vorfreude ist ja auch was schönes…
Ugly Punk: 2 Jahrzehnte sind kein Pappenstil. Gab´s in dieser Zeit auch mal internen Stress oder stand eine Auflösung der Band mal zur Debatte?
L: An sich haben wir uns über all die Jahre sehr gut verstanden. Klar gibt es wie bei jedem Zusammenleben immer wieder Reibungspunkte. Ein großer Einschnitt war das Aus von meinem Bruder Helge. Damals hatten wir Stress untereinander! Für Helge kam Poeppel. Auch hier war und ist es überwiegend harmonisch. 2003 wäre vielleicht noch zu nennen. Als wir die „No Compromise“ mit Patti aufgenommen haben blitzte kurzzeitig die Idee auf uns umzubenennen oder wenigstens das Album unter anderem Namen raus zu bringen. Der Gedanke wurde aber auch schnell wieder verworfen. Wir waren, sind und bleiben die POPPERKLOPPER und lassen uns nicht von irgendwem vorschreiben was für Musik wir zu spielen haben. (Wir wurden oft auf die „No Compromise“ angesprochen, diese sei gar nicht POPPERKLOPPER etc.) Wir machen was uns gefällt und dabei bleibt es. Und wenn wir irgendwann denken es ist genug mit PK, werden wir auch daraus Konsequenzen ziehen!
C: Genau! Da hatten wir halt mal weniger Bock auf Deutschpunk und waren ziemlich auf dem Rocknrolltrip (HELLACOPTERS etc…) und dann war das eben so. Da klopft dann direkt die Szenepolizei mit Deluxe-Scheuklappen an… es glaubt jawohl auch nicht jemand ernsthaft, dass man 20 Jahre lang ausschließlich Deutschpunk hören und spielen möchte…
Ugly Punk: In euer Bandhistory steht geschrieben, dass ihr euch im Zuge des damaligen Funpunkbooms gegründet habt. Funpunk scheint auf eure Texte aber nie wirklich Auswirkungen gehabt zu haben. Warum waren euch politische, gesellschaftskritische oder persönliche Texte immer wichtiger, als nichts sagender Unfug oder partytaugliche Zeilen?
L: Ja, definitiv. Mit so Kirmes-Mucke konnten wir immer schon recht wenig anfangen. Uns waren politische oder vielmehr gesellschaftskritische Statements seit jeher sehr wichtig!
C: Das mit dem Funkpunk war ganz am Anfang, als sich die Band gründete, da ist man halt durch so Bands wie ZITRONEN, HOSEN, BRIEFTAUBEN etc. überhaupt erstmal mit Punk in Berührung gekommen. Ich denke das ging den meisten Leuten so. Da kamen dann schnell RAMONES, SEX PISTOLS, DEAD KENNEDYS etc. dazu und als wir anfingen eigene Songs zu schreiben, waren die alten politischen deutschen Punkbands unser größter Einfluss.
Ugly Punk: Ich kann mich noch wage daran erinnern, es müsste Mitte/Ende der Neunziger gewesen sein, dass ihr öffentlich ganz schön scharf gegen eine Band mit Namen THE WOHLSTANDSKINDER geschossen habt. Die habt ihr nicht so gemocht, oder?
L: Ja, genau. Mit den Mitgliedern selber hatten wir jetzt keine besondere Fede, aber sympathisch waren sie und nicht gerade (man merkt ja oft recht schnell ob jemand einem liegt oder nicht). Aber v.a. ging es um ihre Musik und ihre Aussagen. Das war uns einfach zu viel Kirmes-Mucke.
C: Wenn ich mich richtig erinnere war das so eine von den Bands, die sich im Backstage total affig anstellten, einen auf Möchtegernrockstar machten und ständig extrem witzig sein wollten. Da gibt´s aber auch noch andere…
Ugly Punk: Etwas lieber gemocht habt ihr z.B. SLIME, CANAL TERROR oder VJK, was man von den Coverversionen auf eurer DVD ableiten kann. Gibt’s denn auch Punkbands aus der heutigen Zeit, die Euch zu begeistern wissen oder beeinflussen oder ist euch der ganze Angebot zu unübersichtlich geworden?
L: Ja, ALARMSIGNAL;) oder aber ne Berliner-Combo: Zack, Zack mag ich gerne was es so an deutschen Bands gibt. Sonst höre ich überwiegend englischen Kram! Natürlich gefallen die alten deutschen Klassiker: SLIME, RAZZIA, CANALTERROR immer noch!
C: Bei der ganzen Schwemme an neuen Bands ist es tatsächlich schwierig den Überblick zu behalten. Was Punkrock angeht, fallen mir da als erstes die SHARP OBJECTS (mit Ex-BRIEFS Leuten) ein. Kanns kaum erwarten das Album zu hören, die ersten Singles sind der absolute Hammer! Die neue von DRITTE WAHL ist auch sehr gut, oder JELLO BIAFRAS neue Band. Neue Alben von MOLOTOW SODA und TOXOPLASMA wären natürlich auch längst mal überfällig. Bin auch auf die neue TV SMITH gespannt. Ansonsten hören wir mittlerweile ziemlich quer Beet, bei mir darf es auch gerne mal Bluesrock oder Krautrock oder so sein… oder momentan BELLRAYS, JIM JONES REVUE oder MOTORPSYCHO…
Ugly Punk: Wie war das für euch als Band, wenn die ganze Zeit im Hinterkopf der Gedanke kursiert, dass die Live-Aufnahmen für eine DVD verwendet werden sollen. Blendet man das irgendwann aus oder bemüht man sich die ganze Zeit konzentriert zu bleiben und sich nicht zu verspielen?
L: Beides. Wir haben uns bei der Organisation des Festivals viel Mühe gegeben. Dann sollte das auch perfekt laufen! Aber die Party war so gut und hat soviel Spaß gemacht, dass ich für meinen Teil die Video-Jungs gar nicht mehr so registriert habe!
C: Also ich hab jedenfalls komplett nüchtern gespielt… leider aber doch mit einigen Verspielern. Ist halt immer die Standardfrage: lieber gut spielen oder gut Show machen… das Ergebnis ist aber viel besser geworden als ich vorher dachte, besonders den Sound find ich sehr geil. Das ganze Schwachsinnsgelaber zwischendurch wurde selbstverständlich raus geschnitten… hehe…
Ugly Punk: Konzimäßig seit ihr ja ganz gut rumgekommen. Neben den deutschsprachigen Nachbarländern ging es u.a. auch nach Skandinavien oder Russland. Haben euch dort viele Leute gekannt?
L: In Skandinavien waren es damals nicht so extra viele Leute. Aber in Russland war der Knaller. Wir wurden ja von russischen PK-Fans dorthin eingeladen. Die haben sich dann auch rührend um uns gekümmert! Der erste Laden war auch richtig voll und die Stimmung genial. Da waren Typen die eigens für diesen Gig Buttons gemacht haben. Also das war schon ein ganz großes Ding. Als ich mich am Ende des Trips bei einem von den Jungs bedankt habe, sagte dieser mit Tränen in den Augen, dass es ihnen eine Ehre war uns zu begleiten und dass unsere 1.Platte dort einen richtigen Kultstatus habe. Das war schon ergreifend.
C: Stimmt, das war schon krass in Moskau vor ein paar hundert Leuten zu spielen und die singen deine deutschen Texte mit! Unvergessen natürlich auch die Aftershowparties mit viel zu viel Wodka… der Schweden Trip war aber auch ein Hammer, da hatten wir die Ehre mit den VIBRATORS und ONE WAY SYSTEM zu spielen.

Ugly Punk: Wie habt ihr euch bei der Best Of-CD auf die Titel geeinigt? Drei Leute haben ja oft auch drei unterschiedliche Meinungen oder Vorstellungen. Habt ihr das alle zusammen gelöst oder gab´s einen alleinigen Bandboss, der die Stücke ausgewählt hat?
L: Wir haben das ganz demokratisch gelöst: Jeder durfte sich eine gewisse Zahl von Lieblingsstücken raussuchen, und die Stücke mit den meisten Nennungen wurden genommen!
Ugly Punk: Wenn man die Bands nach ihrem besten Album fragt, wird meistens das aktuelle genannt. Ist das bei Euch auch so? Würdet ihr “Was lange gärt, wird endlich Wut!“ als bisher bestens PK-Album bezeichnen?
L: Ja, ich für meine Teil schon. Ich finde dieses Album zeigt einen schönen Querschnitt von unserem musikalischen Schaffen und Vorlieben. Ist sehr abwechslungsreich und sehr gut produziert! Danach wüsste ich aber nicht so genau was käme: „Alles wird gut“ glaub ich…
C: Hört sich doof an, aber für mich ist es (im Moment) auch das beste Album. Ich denke da ist ein guter Mix aus allem was wir bisher so gemacht haben drauf, passend zum Jubiläum. Hab ich aber auch schon von anderen Leuten so ähnlich gehört. Ansonsten, deutschpunkmäßig würd ich sagen, ist mein Favorit das 2. “Wer sich nicht wehrt…”
Ugly Punk: Gibt’s Lieder aus der Vergangenheit, für die ihr euch schämt?
L: Schämen nicht direkt, aber sicherlich würde ich heute einige Textpassagen anders formulieren. Und manche Songs und auch Textzeilen muss man einfach mit Humor sehen (wie es auch gedacht war!…”hey, Du Bulle…..”)
C: Hahaha, genau! Wie der Typ in Hannover letztens meinte, seine Lieblingszeile sei “Ohne zu fragen willst du Punker schlagen”, also wenn man vorher fragt, darf man schlagen oder wie…
Ugly Punk: Man wird nicht jünger, mit dem Alter ändern sich auch die Interessen u.s.w. Was bedeutet Punkrock für euch im Jahre 2011 und wie lang soll es POPPERKLOPPER noch geben? Brennt das Feuer noch wie damals, brennt es mehr auf Sparflamme, wie würdet ihr es beschreiben?
L: Nun, es gibt einige Dinge, die man heutzutage gelassener sieht. Aber die Grundeinstellung ist erhalten geblieben. Für mich ist Punkrock immer noch eine Einstellung zu meinem und unserem Leben und sicher nicht besoffen in der Ecke rumliegen und gröhlen. Punkrock heißt auch agieren (jeder muss allerdings für sich selbst entscheiden wie weit er dabei gehen will und kann) und sich nicht mit Missständen abfinden. Und Punkrock soll wachrütteln. Das versuchen wir auch weiterhin!
C: Punkrock ist auf jeden Fall im Kopf einprogrammiert, daran wird sich nix ändern, egal in welcher Form auch immer, und sei es z.B. nur als Denkweise bei kleinen alltäglichen Sachen… was die Band angeht: momentan geht wieder mehr als vielleicht vor 2-3 Jahren oder so. Wir sind wieder mehr unterwegs, die letzten Gigs waren alle sehr geil, wir haben sehr viel Spaß. Und wir sind fleißig neue Songs am schreiben, ich denke wir hatten lange nicht mehr eine so kreative Phase, wir haben schon fast 30 neue Songs! Mal sehen was daraus wird, auf jeden Fall wollen wir das nächste Album in Angriff nehmen, vielleicht für 2012. Ansonsten, so lange es noch Spaß macht gehts weiter!





Also das die jungs die schon 99 die oberpopper waren immernoch diesen namen tragen… kopfschüttel.
hallo hier! ich hab was zu nörgeln! man hätte können die best of cd noch in deutsche und englische songs splitten..auf der best of fehlen mir nämlich einige d-punk-hits..