V.A. – WIR KOMMEN HIER WECH

V.A. – WIR KOMMEN HIER WECH
(Überfall Records)

Der Untertitel dieses Samplers lautet: ‘Punk, Postpunk und Hardcore aus Westfalen-Lippe 1979-1990′. Haben wir das wirklich gebraucht? Und dann auch noch eine Doppel-CD mit sage und schreibe 57 Tracks von ca. vierzig verschiedenen Bands. Da ich mich in Westfalen nicht so auskenne, lässt dies zwei Schlussfolgerungen zu. Entweder die Szene in den 80er-Jahren war dort umwerfend groß, oder aber man hat hier jeden Mist verbraten, den man noch hervor kramen und verwerten konnte.

Wenn man sich die Bandnamen so durchliest, tippt man jedoch eher auf letzteres. Neben den vielen unbekannten Namen, finden sich aber auch gestanden Bands wie ZZZ HACKER, NEUROTIC ARSHOLES, VULTURE CULTURE, AHEADS oder NOTDURFT wieder. Die Aufnahmen, die hier verwendet wurden stammen nicht nur von raren offiziellen Vinyl-Veröffentlichungen, sondern auch von Demo- oder Live-Tapes und nie verwendetem Schubladen-Material, so dass der Sound stark zwischen Studio und tiefstem Kellerloch schwankt. Technisch haben die Jungs von Überfall-Records in mühevoller Arbeit dabei das Beste herausgeholt, aber wenn das Ausgangsmaterial eben schon Schrott ist und aus ‘nem abgenudelten Proberaum-Tape besteht, kann man manchmal auch nicht mehr viel machen. Es herrscht eben der authentische Kellersound vor. Auch die musikalische Qualität ist breit gefächert und reicht von sau-geil bis Mega-Schrott. Die Bandbreite reicht dabei von dilletantisch, experimentell, minimalistisch, elektronisch, bis hin zu wild und krachig. Dabei findet man einige Überraschungen in diesem Sammelwerk. Aber auch so manche Band um die es nicht gerade Schade ist, das man nie etwas von ihr gehört hat. Allen voran der Song ‘Beirut’ von TERMINATED ALIEN sowie IRRTUM und NAUGHTY NEIGHBOUR seien hier negativ hervorgehoben.

Meine zweite These scheint also eher auf diese Doppel-CD, die einen mehr als umfassenden Rückblick auf die Szene in Ostwestfalen wirft, zu zutreffen. Das Ergebnis ist sowohl in musikalischer Hinsicht als auch vom Sound her ziemlich durchwachsen. Da hätte man besser nur eine CD gemacht und den Schrott weggelassen. Zumindest deckt das Teil aber das komplette Punk-Spektrum der 80er-Jahre ab, und das ist doch auch was. Mirko

www.ueberfall-home.de