PLASTIC BOMB # 74

PLASTIC BOMB # 74
Plastic Bomb
Postfach 100205
47002 Duisburg

Bombenalarm! Insgesamt bereits zum 74.ten Male ausgelöst! Die Werbeanzeige auf der Rückseite spricht von 18 Jahren Plastic Bomb. Man mag es kaum glauben, aber für die ältere Leserschaft (so ab Anfang / Mitte 30) gehörte die Bombe zum Erwachsenwerden dazu und übernahm bei nicht Wenigen die musikalische Früherziehung.

Die Stöberei kann beginnen! Man war Live dabei… beim Punk im Pott, bei den POGUES, bei THE DREADNOUGHTS und bei EA80 und EISENPIMMEL, die sich in einem kleinen Konzertsaal auf zwei Bühnen gegenüberstanden. Die Neugierde durfte sich frei entfalten in Gesprächsrunden mit TV SMITH, KLABUSTERBÄREN, PARANOYA, DEAN DIRG, Tarek (seines Zeichens Regisseur des Pauli-Films Gegengerade) oder PASCOW (… mal wieder und deshalb… Gähn). Echt nichts gegen PASCOW, die ich selbst ziemlich knorke finde, aber diese ganze PASCOW-Ausschlachtung, immer, überall und in allen Zines… ich find´s nicht mehr schön. Der Preis für das ausführlichste, interessanteste und deshalb beste Interview geht deshalb an eine Band, von denen ich zwar nicht Fan bin, es aber trotzdem aufmerksam verschlungen habe – DIE KASSIERER. Höchst spannende Ansichten haben die Wattenscheider da vom Stapel gelassen. Zum beliebten Thema Grauzone gab´s diese Überlegung: „…es kann auch sein, dass die Grauzone der größte Angriff auf die Nazis ist, weil über diese Zone Nazis zu vernünftigen Menschen werden“ (können). Ich wette aus dieser Perspektive haben das bisher nur die wenigsten gesehen. Berichte, mal kurz, mal lang, gibt es über die Ausstellung „Punk in Wien“, über DIY, Hacker & Hackerspace bei „Anders leben“ oder über die Grauzone. Ein paar Fakten gibt’s zur Volkszählung 2011, wie auch zum US Hardcore der 80´iger. Die besten Scheiben aus dieser Zeit werden von Micha im Rahmen einer Top 15 abgearbeitet. In diesem, ersten Teil, werden die Platten auf den Plätzen 15-8 genauer unter die Lupe genommen, aber es wird nicht nur abgefeiert, sondern auch kritische Punkte werden niedergeschrieben, jo, und Chris Scholz sticht mit der Gorch F(u)ck in See (als ich dieses Review verfasste, ist Guttenbergs Rücktritt übrigens gerade erst einen Tag jung). Die Ära der Herstory of Punk geht zu Ende, schade, mochte diese Rubrik wirklich gerne, war immer die Prise Salz in der Männerdomänensuppe. Aber die Seiten zum Abschluss noch mal mit einem Rückblick zu füllen, kommt irgendwie etwas aufgewärmt rüber.

Die Bombe bleibt natürlich das Maß der Printzinedinge, aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, dass sie in letzter Zeit etwas schwächelt. Ob die elektronische Revolution da ne´ Rolle spielt? Oder der Umstand, dass einige Zeilen (im speziellen die Produktbesprechungen) schon im Vorfeld auf der PB Homepage veröffentlicht werden und mir deshalb schon bekannt vorkommen? Die Heft CD leidet auf alle Fälle ganz deutlich unter MySpace und dem Downloadzeitalter generell. Kann mich nicht erinnern, das da schon mal so wenige Bands (16) vertreten waren. Kommt mir hier und da ein bisschen schattig vor, aber auf Schatten folgt ja bekanntlich Licht und das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass die Bombe zur Stammlektüre gehört. Spike

www.plastic-bomb.de