Anfang der 90iger Jahre hörte ich zum ersten Mal bei nem Kumpel im Auto die HANNEN ALKS. Damals war ich noch mehr mit Metal-Typen unterwegs, die aber auch ÄRZTE, HOSEN, BRIEFTAUBEN und eben die HANNEN ALKS hörten. Fortan gehörten sie fest zum Soundtrack meiner Jugend. 1993 texteten wir mit unserer damaligen Band DROHLICHT die Rheinland-Hymne um in die Eifel-Hymne und spielten sie bei jedem der wenigen Konzerte, die damals nicht selten auf Disco-Abenden stattfanden! Krasser Scheiss, hehe. Im Laufe der vielen Jahre als Punkrocker fanden sie immer mal wieder den Weg zurück aus der Versenkung meiner Sammlung ans Tageslicht. Zuletzt auf MP3 Stick in meinem Autoradio, nachdem ich nach 10 Jahren Abstinens vor einem Jahr wieder fahren durfte. Natürlich freute ich mich wie Hulle, als ich erfuhr, das die HANNEN ALKS beim Punk im Pott spielen würden! In den 90igern hatte ich sie leider nie gesehen. Über Uglypunk entstand Kontakt zu Sänger Guido Göttlich, welcher in einem gewaltigen Besäufnis beim Punk im Pott Backstage endete. Der Comeback-Gig ist Geschichte und nun quetsche ich den guten Guido mal aus!
Guido Göttlich! Wie hast du den Ausflug zurück in die Szene beim Punk im Pott überstanden?
Locker, bin als Kölsche ja immer noch im Training (Partytechnisch)… Schade, dass die Meisten schon so früh „schlapp“ gemacht haben, tsss…
Wie kam es zum Comeback?
War nur als einmaliger Spaß gedacht, um noch mal mit den befreundeten anderen Bands die wir seit fast 20 Jahren kennen noch mal einen durchzumachen und sie wieder zu treffen. Das wir 14 Jahre nach unserem letzten Auftritt direkt auf so nen Riesen Gig eingeladen wurden und dann noch als „Headliner“ bzw. „Rauswerfer“, schmunzel… hätt`ich niemals erwartet. Bin ja so lange raus aus der Szene und habe null Ahnung, was in den letzten Jahren so passiert ist.
Warum seid ihr nicht in Originalbesetzung angetreten? Wie viele Original-Mitglieder waren bei Punk im Pott am Start?
Leider nur ich. Obwohl die anderen Musiker und der „Holzi“-Erzatzsänger schon früher jedes mal eingesprungen sind, wenn einer von uns nicht konnte. Wir alle (Originalbesetzung) haben ja studiert und leben inzwischen quer durch Deutschland, haben Familie (ich nicht) etc. Waldi (Gitarrist) ist inzwischen Chefchirurg in Leipzig, Towel (2. Gitarrist) höherer Beamter, Holzi ist Betriebsprüfer etc… Nun ja, und ich bin Geschäftsführer einer Versicherungsmaklergesellschaft. Wir alle haben uns das letzte Mal 2006 getroffen (Mick/Bassist wurde 40). Hatte alle kontaktiert, aber niemand von den Jungs hatte leider Zeit oder noch mal richtig Lust. Inzwischen haben sie aber die Videos bei You Tube von unserem Auftritt gesehen und kommen langsam wieder auf den Geschmack. Zumindest habe ich für Juni ein „gemütliches Zusammensein“ in Köln organisiert. Wie Du siehst arbeite ich daran, dass der eine oder andere wieder „Blut leckt“…
Wer waren die Musiker bei Punk im Pott? Die waren ja alle sehr jung…
Na ja, so jung auch nicht. Wie gesagt, die hatten alle schon mal früher bei uns ausgeholfen. Oder seh` ich inzwischen so alt aus???
Erzähl doch bitte mal, wie und wann es damals zur Gründung der HANNEN ALKS kam!
Die Band war eigentlich damals (1988) als einmaliger Gag für unsere offizielle Abiturfeier gedacht. Hatten gerade einmal 4 Lieder einstudiert. Den Namen haben wir gewählt, da wir die 3 Proben vorher immer mit 2-3 Kästen „Hannen Alt“ getätigt hatten. Das lag daran, da dieses Bier aus Mönchengladbach stammt und alle anderen außer mir Fans der „Ostholländer“, ähh… Gladbach waren. Zum Glück konnte ich später mit dem „Towel“ ein zweites Mitglied anwerben, was Fan des 1.FC Köln ist. Direkt nach dem Abi sind wir alle zum Wehrdienst eingezogen worden. Um in Kontakt zu bleiben, haben wir uns alle immer Samstags beim Waldi getroffen und einfachweiter geprobt und neue Lieder komponiert.
Wie kam es damals zum Deal mit dem in Verruf geratenen und längst nicht mehr existierenden Label Snake/AM-Music? Habt ihr klassisch Demos verschickt?
Von dem verdienten Sold habe ich zunächst die „Scheissegal“ EP produziert und dann die „Hannen Alks Fieber“ Songs. Hatte die zunächst Fabsi (MIMMIS/Weser Label) angeboten, doch der wollte sie nicht. Wochen später meldete sich Thomas Ziegler (AM) bei mir und hat die LP veröffentlicht. 2 Monate später waren wir auf dem Sampler „Festival der Volxmusik“ mit „18 Rote Rosen“ vertreten, in der Bravo und bei RTL im Fernsehen. Tommy Ziegler ist übrigens ein super lieber Kumpel. War oft bei ihm in Holzgerlngen/Stuttgart und habe ein paar Tage mit ihm durchgesoffen. Er hat mir das Getränk „Korea“ nahe gebracht. Halb Rotwein, halb Cola und ganz viele Eiswürfel. Wir hatten 1988 2 Demo-Tapes veröffentlicht. Und zwar über die damals in der Szene recht bekannte „Tape-Show“: YOUR CHANCE
Wie habt ihr die 90iger erlebt? Habt ihr häufig gespielt? Ich habe leider nie was von Auftritten von euch mitbekommen…
Aufgrund unseres Studiums war es uns nur möglich während der Semesterferien und an Wochenenden aufzutreten. Und selbst da konnten wir alle nicht immer. Wenn´s „hoch“ kommt haben wir gerade einmal 30-40 Konzerte in den 90ern gegeben.
Was hast du für nen Eindruck von der heutigen Punkszene und was unterscheidet sie von der in eurer Anfangszeit?
Außer den damaligen Bands kenne ich so gut wie nix. Was ich jetzt bislang so mitbekommen habe scheint der Unterschied zu sein, dass die Musik früher melodischer war und meist (außer den Polit-Punks und der Hardcore-Szene) viel lustiger. Party-Punk halt.
Wann habt ihr euch aufgelöst? Habt ihr danach nichts mehr mit Punkrock am Hut gehabt?
Richtig aufgelöst haben wir uns nie. Wir hatten halt am Anfang unserer Berufszeit nach dem Studium einfach keine Zeit mehr und lebten deutschlandweit verstreut. Ich selber habe bei einigen Produktionen anderer Bands im Studio noch als Gastsänger fungiert (u.a. KELLERGEISTER). Na ja, und dann hab ich ja noch meine Solo CD „Goodbye Joey“ zum Andenken an Joey Ramone auf meine Kosten produziert und sie gratis!!! im Fanzine „Raumschiff Wucherpreis“ von Willi Wucher/Scumfuck Tradition veröffentlicht.
Du erzähltest mir, das Towel auch Sänger der genialen WARNSTREIK war. Was wurde aus denen? Und haben die HANNEN ALKS Musiker sonst noch in irgendwelchen anderen Bands gespielt?
Tja, wie schon gesagt ist Towel jetzt höherer Beamter. Die haben aus dem gleichen Grund aufgehört zu spielen wie wir. Allerdings habe ich mit Towel gesprochen. Werden wohl von dem WARNSTREIK Song „Du mein Bier und ich“ eine HANNEN ALKS Version produzieren und den Song dann irgendeiner Plattenfirma für nen Sampler schenken.
Hast du die Rechte an euren Songs und Platten? Oder verdient da, wie bei so vielen anderen Bands aus der Zeit, irgendjemand anderes dran?
Die Rechte haben ich und Waldi… und natürlich Tommy Ziegler. Das einzige was ich jemals verdient habe, waren 2000 DM für die „Quaken verboten“ als Vorschuss. Danach habe ich/wir nix mehr dran verdient. Aber egal, hat halt einfach Spaß gemacht und wir haben uns ja eh nie richtig ernst genommen. War halt ne geniale Abwechslung neben dem Studium. Von den 2000 DM habe ich übrigens meiner damaligen Traumfrau 500!!! Baccara Rosen zum 25 Geburtstag geschenkt, aber pssst… nicht weiter verraten…. Sie ist übrigens bis heute die einzige Frau, die nie was von mir wissen wollte… Bin sogar mal in der neunten Klasse mal extra sitzen geblieben um zu ihr in die Klasse zu kommen…. Aber jetzt schweife ich vom Thema ab…
Welche Platten habt ihr veröffentlicht? Zähl doch bitte mal alle auf!
Scheissegal: EP
Hannen Alks Fieber: LP
Kaperfahrt ins Mädcheninternat: LP
Quaken verboten: CD
Habt ihr auch vom „Festival der Volxmusik“- Bravo-Boom profitiert? Oder ging das an euch vorbei?
Verdient haben wir dadurch nichts. Aber wir waren von „heute auf morgen“ plötzlich deutschlandweit bekannt. Und so ein selbstverliebtes, arrogantes Arschloch wie ich fand das natürlich megageil. Kohle war damals uninteressant.
Wird es weitere Konzerte oder gar ne neue Platte geben?
Ich hoffe ja… Sind ja jetzt auch in Augsburg auf dem Festival aufgetreten. Komischerweise auch als „Headliner“… ehrlich verstehe es wirklich nicht, dass uns so viele noch kennen… War geil im Backstageraum mit LUSTFINGER abzufeiern…Eine HANNEN ALKS Platte ist nicht in Planung, aber… wir wollen mit allen Punk Stars von damals nen Sampler machen. Jede Band darf sich einen Schlager/Hit der 70er Jahre aussuchen und diesen dann covern. WALTER 11, DAILY TERROR, LUSTFINGER, BRIEFTAUBEN, MOLOTOW SODA, DÖDELHAIE etc… Ich singe dann übrigens „Tränen lügen nicht“ von Michael Holm! LUSTFINGER haben mir in Augsburg erzählt, dass Michael Holm sogar evtl. selbst Interesse hat die „Scheibe“ zu produzieren. Ich hoffe das klappt irgendwie!
Irgendwelche letzten Worte?
Zunächst einmal sorry, dass wir bei „Punk im Pott“ nicht unsere Bestleistung gezeigt haben. Wir konnten nach 15 Jahren vorher erst wieder 2mal proben. Da kann es nicht plötzlich wieder perfekt sein. Zudem sind wir erst kurz nach 1 aufgetreten. Da hatte ich (wie immer) schon mächtig einen im „Tee“…Dies soll keine Entschuldigung, sondern einfach ne Erklärung sein. In Augsburg waren wir (obwohl unser 2.Gitarrist aufgrund Krankheit nicht konnte) 1000 Mal besser als in Oberhausen. Ist einfach geil, wenn Du anfängst ein Lied zu singen und der Grossteil des Publikums gröhlt die Lieder mit, da sie die Texte in und auswendig kennen. Party on und „Alaaf uss Kölle“





wie man sieht hat die welt sonst keine probleme! das leben ist schön!
wattn aufriss…ich geh ma bier holn.
muahahaha
schade mein letzter kommentar ist nicht abgedruckt. wieder irgendwo hängen geblieben..also nochmal. die hannen alks bezeichnen sich selbst gar nicht als punks. das kommt von der mucke. 3 akkorde und so. die hatten gar keine politische einstellung und sowat. ich bin längst nicht mehr so stur, mich nur mit punks abzugeben. für mich sin die ok..und fürs definieren von punk bin ich erst recht nicht zuständig..
Wer Bankdirektor ist, kann schon mal kopfmäßig KEIN Punk sein, wennde mich fragst. Grad wenn es eher um Einstellung geht. Sonst könnte ich ja auch sagen, “derundder arbeitet zwar im Abschiebeknast, aber Antirassist isser trotzdem”.
Und mein Anspruch an Punk ist doch ein wenig höher, als n ganz netter Kerl zu sein.
Übrigens zum Thema äußerliche Erscheinung, da fällt mir n super Zitat ein:
“Wer aussieht wie´n Elternteil von sich, is einfach kein Punk.”
So, viel Spaß beim aufregen und verzweifelten und zum scheitern verurteilten Versuch, Punk zu definieren.
mit “richtige punks” meine ich, das das normale studenten waren. die haben sich nicht selbst in diese schublade “punker” gesteckt. für die wars normal, mit 20 zum bund zu gehen. keine politische einstellung und so! is doch nicht so schwer zu verstehen. ich bleib dabei: sympathische kindheitshelden von mir, tausendmal authentischer als so versteckter nazimüll wie XXX..
Also ich finde, Punk ist, wer das sein will, ist ja auch seine Angelegenheit.
Wer Punkmusik macht ist für mich auch Punk, egal wie der rumrennt, oder ob er in normalen Leben Bankdirektor ist. Reine Kopfsache, Klamotten und Optik werde da eh überbewertet.
Beste Grüße, Molly Recke
Richtige Punks! Was soll das sein???
So gesehen gibt es die schon lange nicht mehr.
Was ich nur noch sehe, dass ist schubladen-denken.
wie ich schon erwähnt habe: man sollte das nicht überbewerten, die jungs waren keine punks. sie sind aufgrund ihrer musikalischen fähigkeiten, die für “richtige” musik nicht ausreichten, in dieser schublade gelandet. dabei find ich sie trotzdem sympathisch. sie haben wie schon erwähnt auf jeden fall eher eine daseinsberechtigung, als die ganze grausame, rechtsoffene prollmusik, die derzeit einen höhenflug erlebt. amen
He Guido, nicht falsch verstehen. Ich mag Party, ich mag Punk und ich mag auch eure Musik.
Nur ist mir allein Party im Bezug auf Punk eindeutig zu wenig, denn Punk steht ja bekanntlich für viel mehr, u.a. mit einer kritischen und völlig berechtigten Einstellung gegenüber Staat und System. Deshalb kann ich nicht verstehen, warum man sich beim Bund unterordnet, Dienst an der Waffe verrichtet und auch noch auf die deutsche Fahne schwört.
Aber das hat natürlich mit der Band nichts zu tun, mir ging es einzig und allein um dieses kritische Thema, was ich nicht nachvollziehen kann.
Och Kinder,
nehmts doch locker…
Zu den Punkten:
Brieftauben bestanden aus 2-3 Personen, gelle…
Bei Daly Terror macht es der Gitarrist Uwe Golz. Der wird wahrscheinlich auch mit Profimusikern in seinem Whiteline Studio die Songs einspielen.
Zum Thema Wehrdienst: Na und? Mein Vater war Oberstleutnant. Wäre ja nun wirklich nicht gut in meiner Familie angekommen, wenn ich “verweigert” hätte. Zudem war der Zivildienst damals glaube ich 6 Monate länger und ich wollte halt auch so schnell wie möglich mein Studium beginnen.
Zum Augsburg Gig:
Ich fands geil. Mit Ersatz-Schlagzeuger und ohne zweiten Gitarristen…
Da wir so spät gespielt haben, waren die ganzen Punk-Kids natürlich schon im Bettchen, schmuzel… Von denen kennt uns, denke ich, ja eh kaum einer.
Aber die “alte Garde” die dann noch da war hatte schon einen Riesenspass… Wurde mir danach zumindest berichtet und von der Bühne aus empfand ich es auch so.
Wer keinen Party Punk mag… ist doch kein Thema. Keiner wird dazu gezwungen uns anhören zu müssen. Das wir musikalisch nach 15 Jahren und gerade einmal 4 Proben noch etwas “eingerostet” sind ist doch normal…
Cheers Guido
richtig. guido ist echt ein netter, etwas kurioser zeitgenosse, hehe. sie waren wohl keine punks und nicht sonderlich politisch, obwohl einige politikstudenten waren. das war auch wohl ein grund eine spaßband zu gründen als gegenpol. ist mir tausendmal sympatischer als die ganze rechzsoffene prollscheisse von hoite..
Ein bisschen hätte er sich schon auf den aktuellen Stand bringen lassen sollen:
“wir wollen mit allen Punk Stars von damals nen Sampler machen. Jede Band darf sich einen Schlager/Hit der 70er Jahre aussuchen und diesen dann covern. WALTER 11, DAILY TERROR, LUSTFINGER, BRIEFTAUBEN, MOLOTOW SODA, DÖDELHAIE etc…”
Wird bei den Brieftauben und Daily Terror leider etwas schwierig…
Am Wehrdienst und den beruflichen Laufbahnen sieht man lediglich, dass die Band eben aus der Funpunk-Ecke kam und nicht unbedingt politisch motiviert war. Wurde ja aber auch nie anders behauptet, also finde ich das nicht wirklich schlimm…
“Direkt nach dem Abi sind wir alle zum Wehrdienst eingezogen worden.”
Was machen Punkrocker denn bitteschön beim Wehrdienst?
Wenn das in Augsburg 1000 Mal besser war wie in Oberhausen, dann will ich gar nicht wissen, wie scheisse es in Oberhausen gewesen sein muss. Das war ja schon in Augsburg grotten schlecht. Und der Grossteil des Publikums hat nicht mitgesungen, der war nämlich schon zu Hause. Auf jeden Fall war bei keiner anderen Band so wenig los im grossen Raum…
Da kann ich nur sagen: ‘Ohjeh!’ (Kopfschüttel)