
Schon seit 1993 treiben DER DICKE POLIZIST, die Band mit dem bescheuerten Namen, ihr Unwesen in Sachen Punkrock. Im beschaulichen Emmelshausen nahm alles seinen Anfang. Vom ersten Demo über das Debüt-Album „Es geschah am hellixten Tag“, welches bei Nix-Gut raus kam, bis hin zum aktuellen Werk Alexythymie“ (Impact-Records) feilte man nunmehr 18 Jahre am eigenen Sound. Nach diversen Besetzungswechseln und zwischenzeitlichen Aufnahmen und Konzerten als Trio, sowie der Umbenennung in DDP, ist die Band nun im Jahre 2011 angekommen. Wie der geneigte Leser von Ugly Punk mitbekommen hat, haben DDP mit ihrer Absage des Ehrlich und Laut-Festivals, auf dem sie mit diversen fragwürdigen Doitschrock-Bands spielen sollten, ganz schönen Wirbel verursacht. Es ist wieder mal die alte Grauzonen-Leier. Doch diese kann man nicht oft genug neu entfachen, damit endlich ein Umdenken geschieht. Grund genug also, noch mal bei DDP nachzuhaken! Es dreht sich aber nicht nur um die E+L Geschichte! Das Interview ist diesmal eine Gemeinschaftsproduktion der Taugenixe Steff und Chris und ist als eine Art Gespräch per Email entstanden! Here we go!
Ugly Punk: Mein lieber Scholli, eure Absage bei der Ehrlich & Laut Rocknacht hat ja doch ne´ ganz schöne Welle losgetreten. Könnt ihr die Gründe für die Absage noch etwas genauer erläutern?
Wuschel: Zuerst müssen wir klarstellen, dass wir zugesagt haben, obwohl wir das Line up kannten. Auch das FREI.WILD dort auftreten war uns bekannt. Das haben wir auch von Beginn an so in unserem Statement formuliert. Weshalb die E&L Organisatoren etwas anderes behaupten ist mir unklar. Wir waren nie eine Band die sich versteckt hat. Wir denken, leben und handeln absolut antirassistisch und antifaschistisch. Wir haben nach langem Zweifel zugesagt um da hinzufahren, ein gutes Konzert zu spielen und ganz klare Stellung zu beziehen. Als dann das Line up offiziell wurde, hagelte es massenweise Kritik. Diese Kritik war nicht gleich der Grund zur Absage. Dennoch haben wir sie angenommen um die Sache nochmals bandintern zu überdenken. Letztendlich sind wir zu dem Entschluss gekommen, eine solche Plattform nicht zu unterstützen. Und da kriechen wir auch keiner Szenepolizei in den Hintern. Damit das ein für allemal klar ist: Dies ist unsere alleinige Entscheidung. Kritik war ein guter Weg zur neuerlichen Diskussion. Aber der Rest beruht auf Idealen die wir seit 18 Jahren Bandgeschichte verfolgen. Null Toleranz gegenüber rechtsoffenen Hohlbirnen. Wenn wir jetzt in verschiedenen Foren Kommentare über unsere Absage lesen, fühlen wir uns in unsere Entscheidung absolut bestätigt!
Schmatzel: Ist schon seltsam wie viele Leute uns ohne jegliches Hintergrundwissen kritisieren! Wir haben eine ganz klare politische Meinung und müssen uns wohl kaum dafür entschuldigen, dass wir nicht mit unpolitischen und/oder rechtsoffenen Bands die Bühne teilen wollen! Klar war die Art und Weise der Absage nicht perfekt, aber auch das Statement der E&L Leute war ein bisschen überreagiert. Das hat man auch im eigenen Gästebuch inzwischen eingeräumt!
Derthorsten: Ich habe mich sehr gewundert, dass nach der Absage so viele Leute brutale Kritik an uns gelassen haben. Ich hatte das Gefühl, die Menschen haben sich persönlich gekränkt gefühlt. Die scheinen so in ihrem Ding verhaftet zu sein, dass sie dafür, meiner Meinung nach, auch kopflos kämpfen würden. Und ehrlich gesagt: Das macht mir Angst! Es kommt mir wirklich so vor, dass manche Leute schon allgemeine, vorsätzliche Meinungen übernommen haben und denen quasi kopflos unterliegen. So als Massenhysterie! In diesem Falle waren wir das Feindbild, was gegen diese Gemeinschaftsideale verstoßen hat und diese sogar angriff. Aufgrund dieser sehr aggressiven Aussagen und Beschimpfungen schließe ich grundsätzlich Gewalt in der Deutschrockszene nicht aus.
Ugly Punk: Viele der Kommentare wurden ja auch anonym in verschiedene Foren, in denen man sich nicht anzumelden braucht, geschmiert. Gab es auch Fragen und Meinungen, die euch persönlich in „Mails an die Band“ übermittelt wurden?
Wuschel: Ja! Das gab es auch! Ich hatte von „HerrEhrlichundTroi@web.de“ eine Nachricht: „Du dreckige Kommunistensau. Verrecke in deiner roten Traumwelt“!!! …Ist das unpolitisch? Sicher nicht!
Ugly Punk: Wie wichtig war es euch, die ganze Geschichte öffentlich zu machen und nicht in kleinem Kreise möglichst stillschweigend abzusagen?
Capri: Uns wäre es am liebsten gewesen, das Ganze nicht an die große Glocke zu hängen. Wir legen keinen Wert darauf, in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche zu waschen. Unsere Bandhistorie zeigt glaube ich deutlich auf, dass wir auch in der Vergangenheit weniger durch Statements, als durch unsere Musik auf uns aufmerksam gemacht haben. Leider hat der Verlauf der Dinge ein Statement sowohl von unserer Seite, als auch in Folge dessen von den Organisatoren der E&L Rocknacht notwendig gemacht.
Wuschel: Wenn man ein Konzert absagt, ist somit eine Info nötig. Nur Absagen, ohne jegliche Begründung, wäre in diesem Fall falsch gewesen.
Schmatzel: Nicht wir haben die Sache so groß gemacht. Wir haben nur ein Festival abgesagt, was andere daraus machen liegt nicht in unserer Hand!
Ugly Punk: Nun beschweren sich ja die E&L Organisatoren, dass sie gar nicht davon in Kenntnis gesetzt wurden und es über eine andere Website erfahren mussten. Habt ihr denen wirklich keine Absagemail zukommen lassen?
Wuschel: Ich habe am 8. Februar mit unserem Booking telefoniert und ihnen unsere Entscheidung mitgeteilt. Die haben mir dann garantiert, zeitnah abzusagen. Als wir dann am 15.02. unseren Newsletter verschickten, dachten wir, die Info wäre schon längst bei den E&L Organisatoren angekommen. Das war ein Fehler von mir. Ich hätte mich vorher noch mal rückversichern müssen. Das die es dann, wie beschrieben, über eine andere Homepage erfahren mussten ist ärgerlich. Den Schuh müssen wir uns ganz klar anziehen.
Derthorsten: Unser Statement, was wir bedauerlicherweise zu früh abgeschickt haben, war deswegen formuliert, um uns nicht immer und immer rechtfertigen zu müssen. Deshalb klar Stellung beziehen und, wie in diesem Falle, eindeutig den Fehler eingestehen, nicht direkt abgesagt zu haben. Das Hin und Her unsererseits hatte im Nachhinein betrachtet keinen Sinn gemacht. Obwohl ich klar sagen muss, dass es mal wieder sehr schön war bandintern zu diskutieren und Standpunkte auszutauschen. Ich denke, dass uns dieses Ereignis wieder näher in unseren Meinungen/ Ansichten zusammengebracht hat.
Ugly Punk: Es kam aber auch der Vorwurf, dass ihr es wart, die seit 3 Jahren gerne auf der E&L Rocknacht spielen wollten. Das Line Up dürfte doch in der Vergangenheit nicht spurlos an euch vorbeigegangen sein, oder?
Wuschel: Mir war dieses Festival ja nie ganz geheuer. Ich war auch von Beginn an dagegen dort zu spielen. Ich weiß aber, dass der Thorsten vor drei Jahren mit denen schon mal Kontakt hatte. Ich denke mal, dass er damals einfach wahllos Festivalveranstalter kontaktiert hat. Mit Sicherheit stehen wir aber nicht seit drei Jahren bei denen vor der Tür und betteln um einen Gig. Sonst wäre die jetzige Diskussion sicher schon vor ein, zwei oder drei Jahren im Gange gewesen.
Derthorsten: Ich habe mir vor drei Jahren Konzertdaten von befreundeten Bands wie DRITTE WAHL und ZAUNPFAHL angeschaut und alle Festivals herausgeschrieben. Nachdem ich die E-Mailadressen ergooglet hatte, schickte ich eine Standardanfrage heraus. So auch zur E&L Rocknacht. Ich bekam die Antwort, dass sie dieses Jahr voll seien und sich nächstes Jahr melden würden. Ich glaube zu wissen, dass ich dem in einer Mail, die ich wieder als Erinnerung an alle Konzert- und Festivalveranstalter geschickt habe, zuvorgekommen bin. Wir hatten auch E-Mailkontakt, haben aber als DDP an diesem Termin eh nicht gekonnt und also direkt abgesagt. In diesem Jahr kam die Anfrage von E&L und ich sagte (nachdem ich mittlerweile auch wusste, dass der Sänger von FREI.WILD so seine Kontakte pflegte) mit der Begründung ab, dass wir mit dem LineUp der vergangenen Jahre nicht einverstanden wären. Den restlichen Verlauf haben wir ja schon erläutert! Ich muss allerdings betonen, dass der Mailkontakt stets freundlich und professionell war.
Ugly Punk: Gab es denn zwischen beiden Seiten (E&L Veranstalter und euch) in den letzten Tagen noch mal Mailverkehr um diverse Streitpunkte zu klären oder ist die Sache für euch abgehakt?
Wuschel: Ich hatte noch zweimal Emailkontakt mit Andy von den E&L Organisatoren. Jedoch war er ziemlich angepisst. Damit das auch noch mal alle verstehen: Die Absage ist mehr als unglücklich gelaufen und ich kann deren Ärgernis nachvollziehen. Allerdings hätte ich mir da doch eher eine sachliche Kommunikation gewünscht. Dem war nicht so und deshalb betrachten wir die Sache als erledigt.
Ugly Punk: Ist diese Festivalabsage jetzt vor allem auf Fankritik zurückzuführen. Also hättet ihr auch abgesagt, wenn aus euren Fanreihen nicht so ein Gegenwind gekommen wäre?
Wuschel: Das habe ich ja nun schon mehrmals versucht zu erklären. Nachdem das Line up veröffentlicht und die Kritik laut wurde, mussten wir uns noch mal zusammensetzen. Und zwar mit allen aus dem DDP Umfeld (Mercher, Label, Booking,…). Somit fiel dann die Entscheidung. Hätte es keine Reaktionen auf unsere Zusage gegeben, hätten wir das Festival vermutlich gespielt. Zum letzten Mal – wir sind nicht vor der Kritik eingebrochen, aber die Kritik sorgte für eine neuerliche Diskussion. Wer das nicht glauben möchte – Fuck you und egal!
Derthorsten: Ich möchte an dieser Stelle mal meine persönlichen Gründe für die anfängliche Zusage erläutern. Ich bin der Meinung, dass wir als DDP etwas mitzuteilen haben. Wir machen das Punkrockding nunmehr seit vielen Jahren, sind viel herum gekommen, haben viele Menschen kennen gelernt und uns immer wieder zusammengesetzt und diskutiert und Einstellungen fixiert. Es hat mir immer viel gebracht, wenn ich nach Konzerten mit Besuchern ins Gespräch kam. Ganz besonders hat mich stets erfreut, wenn die Leute mir mitteilten, dass sie etwas aus unserer Musik für sich gewonnen haben – sei es in traurigen als auch in heiteren Zeiten. Das ist etwas, was ich mir auch für die EL- Rocknacht gewünscht hätte. Es geht mir nicht um eingefleischte Deutschrockfans mit all ihren Finessen, sondern um diejenigen, die noch orientierungslos sind. Einige Kritiker würden jetzt sagen, ich wäre in meinen Absichten überheblich, andere würden sagen ich sei naiv. Ich denke darüber, dass dies für mich der Grund ist, weswegen ich DDP mache!
Ugly Punk: Bands wie DRITTE WAHL, S.I.K., KAFKAS oder RADIO HAVANNA sind dort in den letzten Jahren auch aufgetreten, obwohl diese ja teilweise klar linke Texte haben. Warum scheinen andere Bands keinerlei Berührungsängste zu haben?
Wuschel: Da müsstet ihr die Bands schon selbst fragen. Ich würde mich auch nie soweit aus dem Fenster lehnen und irgendeiner Band die dort spielt, etwas vorwerfen.
Ugly Punk: Glaubt ihr, dass ihr durch euer Handeln auch andere Bands zu konsequenterem Handeln ermutigt oder würdet ihr euch das zumindest wünschen?
Wuschel: Das muss jede Band ganz alleine entscheiden. Ich persönlich finde, dass generell ein Umdenken innerhalb der „Szene“ geschehen muss. Diese ganze „Deutschrock“ Geschichte ist ja mittlerweile ein etablierter Markt. Da steckt so viel Kohle drinne und die Kids fressen das. Weil es seit 2006 ja wieder total geil ist, im Deutschlandtrikot rum zu rennen und stolz auf die Heimat zu sein. Stolz für den man nichts kann. Ich bin froh mich und meine Kinder nicht in Äthiopien oder sonst wo zu sehen. Dafür bin ich dankbar. Aber dieser ganze Patriotismus geht mir voll auf`n Sack. Und dann stellen sich Bands wie FREI.WILD vor ein paar Affen und predigen. Aber das ist so clever. Denn die sagen das, was die Leute hören wollen. Sich ernsthaft mit der Sache auseinanderzusetzen ist viel zu mühsam. Oder was glaubt ihr weshalb es mehr BILD- als TAZ- Leser gibt?
Capri: Wir wollen uns jetzt nicht mit erhobenem Zeigefinger hinstellen und anderen Bands insbesondere vorschreiben, welche Festivals sie unterstützen sollten und welche eher nicht. Wir werden weiter für das stehen, was uns seit 1993 ausmacht und das gibt uns ein gutes Gefühl!
Schmatzel: Aber dagegen hätten wir nichts!
Ugly Punk: Wo werdet ihr in Zukunft die Grenze ziehen? Ginge KRAWALLBRÜDER auf dem Force Attack schon zu weit?
Wuschel: KRAWALLBRÜDER gehen mir am Arsch vorbei. Ich kann jetzt nicht jede Band ergooglen, die mit uns auf irgend nem Festival spielen. Die E&L Rocknacht war jedoch zu suspekt her vom Line up. Und FREI.WILD sind wirklich absolute No-go-Area.
Schmatzel: Wir werden jetzt sicher nicht jede Band kommentieren. Unpolitisch und Punkrock passen für mich einfach nicht zusammen! Schade dass nicht nur viele Bands, sondern auch immer mehr Punks sich überhaupt nicht mehr mit Politik befassen. Das kommt für uns nicht in Frage.
Ugly Punk: Was denkt ihr sonst zum zurzeit viel diskutierten Graunzonen-Thema? Wird das einfach nur hoch gekocht? Gab´s das Problem schon immer oder ist es zurzeit einfach akut?
Wuschel: Ich denke mal, das es dieses Problem schon immer gab. Allerdings war die Akzeptanz, die man dieser Plattform heute ganz locker gibt, früher nicht so.
Ugly Punk: Kommen wir noch mal zu anderen Dingen. Was steht bei euch in nächster Zeit so an? Schreibt ihr fleißig neue Songs? Gibt´s Album- oder andere Pläne?
Wuschel: Ja, im November wollen wir ins Studio. Aufgrund unserer Wohnsituation (Berlin-Köln-Koblenz) klappt das mit dem Proben aber nur ausreichend. Mal sehen ob wir`s hinbekommen.
Capri: Wir hauen uns derzeit tatsächlich die Nächte im Proberaum um die Ohren und arbeiten am Songmaterial für das nächste Album. Ein Studiotermin steht allerdings noch nicht fest, weil wir uns das Ziel gesetzt haben, sowohl die „Alex“, als auch die „Hoffnung“ zu toppen. Bis wir auf dem Niveau angelangt sind, liegt noch viel Arbeit vor uns aber wir haben auch schon ein paar fette Rohdiamanten in unserer DDP-Hitmine ausgebuddelt.
Derthorsten: Der Anspruch an die neuen Songs ist enorm gestiegen. Die Angst sich selbst zu wiederholen ist definitiv vorhanden. Ich für meinen Teil habe hohe Ambitionen, sowohl was Gesangsmelodie als auch Instrumente angeht. Ich neige dazu manche Bereiche zu übertreiben. Es ist zeitweise gut, wenn mich die Jungs wieder erden, also wieder zum eigentlichen Punkrock zurückführen. Das ist nämlich wirklich auch das, was wir am besten können! Die bisherigen Songs gefallen mir alle gut. Ich bin sehr stolz auf uns, dass wir überhaupt noch was schaffen. Jeder von uns hat Familie und wir wohnen 130 bzw. 600km auseinander. Und trotzdem ziehen wir uns, auch wenn nicht mehr so häufig wie früher, irgendwie an und erleben immer noch kreative Explosionen. Ich bin sehr froh darüber.
Ugly Punk: Warum hat man von euch in letzter Zeit so wenig gehört? Außer der letzten Scheibe und ein paar vereinzelten Gigs gab´s ja kaum Lebenszeichen…
Capri: Das stimmt. In erster Linie ist das darauf zurück zu führen, dass noch mal zwei DDP-Babys geschlüpft sind und dass wir den Papas auch ein bisschen Zeit mit dem Nachwuchs gönnen wollten. Sonst wird das nichts mit unserem Ziel, irgendwann in Rente zu gehen und DDP II – The next Generation – an den Start zu schicken. Dann dürfen sich die lieben Kleinen um den Lebensunterhalt ihrer Punkrock-Papas kümmern und wir sitzen dann bei denen im Proberaum und diktieren, was zu tun ist ;- )
Ugly Punk: Das letzte Album “Alexithymie“ war ja im Gegensatz zu seinen Vorgängern um einiges verspielter. Wird diese Weiternetwicklung fortgesetzt oder wird es wieder stürmischer werden?
Wuschel: Ich denke die nächste Platte hat wieder mehr Ursprungscharakter. Wir wollen alles viel einfacher halten. Vor allem wollen wir dieses mal live einspielen. Auf der „Alexithymie“ das sind nicht wir. Da ist zu viel Plastik drin.
Ugly Punk: Was beim Songwriting auch einst so gewollt war, oder was sich später erst herauskristallisiert hat?
Capri: Beim Songwriting machen wir uns zunächst weniger Gedanken darüber, wie wir den Song im Studio umsetzen werden. Das kann dann noch in eine völlig andere Richtung gehen. „Django“ war beispielsweise nie als Country-Song gedacht. Die Idee dazu entstand spontan während der Aufnahme. Tatsache ist, dass die Live-Versionen der „Alex“-Songs viel druckvoller rüberkommen. Das liegt zum einen daran, dass bei einer Studioaufnahme, wo jeder separat sein Instrument einspielt, keine Live-Amospähre entsteht. Darüber hinaus gibt es Songs wie z.B. „Erkenntnis“ wo mindestens sechs verschiedene Gitarrenspuren drüber laufen. Das klingt toll, wenn Du viele verschiedene Melodien hast und die geilsten Harmoniebögen baust, nimmt aber auch den Druck der Rythmusgitarre raus und später wunderst Du Dich, warum die Lieder irgendwie synthetisch klingen… Manchmal ist also tatsächlich weniger mehr und wenn wir es darüber hinaus schaffen, uns in eine Live-Situation hinein zu versetzen und den Sound allgemein viel druckvoller gestalten, dann sollte die Platte schon mächtig scheppern.
Wuschel: Das sehe ich ähnlich. Die „Alexithymie“ ist eine Studioplatte. Das was DDP eigentlich ausmacht, geht hier meiner Meinung nach verloren. Druckvoll gespielte Songs. Ich glaube das werden wir beim nächsten Mal besser machen.
Ugly Punk: Wie war es, bei “Alexithymie“ mit einem Produzenten zu arbeiten? Hat sich das gelohnt und bekommt ihr eure Unkosten überhaupt wieder rein? Haben Impact euch da unterstützt?
Capri: Die Zusammenarbeit mit Uwe Sabirowsky hat sich für uns definitiv gelohnt. Das Studiomaterial für die „Alex“ war im nach hinein betrachtet – sagen wir mal ausbaufähig. Uwe hat mit viel Plastik das Beste aus den Stücken rausgeholt und uns insbesondere eine Menge Tipps für das Arrangieren von Songs gegeben. Davon wird auch unsere nächste Platte profitieren. Nur weniger Plastik und mehr DDP! Die Studiokosten konnten wir glücklicherweise kompensieren und auch Impact haben uns in vielerlei Hinsicht unterstützt. Insbesondere im Marketing sind die Jungs topfit. Dennoch spüren auch wir die Auswirkungen des allgemeinen Trends von illegalen Downloads. Einerseits liegen die Verkaufszahlen nicht mehr ganz so hoch wie bei den ersten drei Alben, andererseits erreicht unsere Musik aber auch ein größeres Publikum und das macht sich wiederum positiv bei den Besucherzahlen auf unseren Konzerten bemerkt. Ich denke mal, diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten und wird ein Umdenken sowohl bei den Labels, als auch bei den Bands zur Folge haben müssen. Da kannste ne Doktorarbeit drüber schreiben: Musik als Massenware – Fluch oder Segen.
Derthorsten: Wir konnten viel des von Uwe Gelernten ins neue Songwriting mit einfließen lassen. Vor Uwe haben wir intuitiv Songs geschrieben, nach Uwe mit mehr Wissen um das, was wir tun. Auf der einen Seite überlegen wir, ob wir das neue Material mit Uwe besprechen wollen, auf der anderen Seite haben wir auch ein bisschen Angst vor erneuerter Veränderung. Ich würde manchmal gerne die „Alex“-Songs hören, wenn wir Uwe nicht gehabt hätten. Denke ich wäre sehr enttäuscht! Aber bestimmt auch überrascht! Ich wünsche mir in erster Linie eine kraftvolle Platte und eine gute Aufnahme mit viel Wumms! Aber auch eine rotzige Platte, wieder mit Geschrammel und ursprünglichem Sound.
Ugly Punk: Ihr habt bereits vor der ganzen Welle wegen der FREI.WILD-Geschichte Nix-Gut verlassen. Ihr wart ja eine der Ur-Nix-Gut Bands. Möchtet ihr dazu was sagen? Gründe?
Wuschel: Andi und Jürgen von Nix Gut haben wir als absolut nette, zuverlässige Menschen kennen gelernt. Von der FREI.WILD Geschichte war ich schon enttäuscht. Die Bands die dann das Nix Gut Boot verlassen haben kann ich verstehen. Ich möchte auch nicht, dass meine nächste Platte über deren Merchverkauf finanziert wird. Dennoch hatten wir bei Nix Gut eine gute Zeit. Die waren immer fair und absolut korrekt.
Capri: Es ist schon so, dass Nix Gut und wir zusammen gewachsen sind. Der Grund für unseren Wechsel zu Impact Records lag nicht in einer Unzufriedenheit mit Nix Gut begründet, sondern einfach darin, dass wir etwas Neues ausprobieren wollten.
Ugly Punk: Wie sieht denn die aktuelle Bandbesetzung aus? Namen, Alter, was macht ihr sonst noch? Ich find´s immer interessant, was Punkmusiker so für Jobs ausüben…
Capri: Die Bandbesetzung ist hat sich seit der „ddp“ nicht verändert. Wir sind auch mittlerweile der Meinung, dass DDP nur in genau dieser Konstellation funktionieren können. Das ist einfach eine Sache, die seit Jahren gewachsen ist und da steckt jede Menge Herzblut drin.
Also nach wie vor:
Schmatzel (34): kümmert sich um seine dreibeinige Zombiekatze Lemmy und ist nebenbei Gitarrist bei den „Schwulen Slayer Boys“
derthorsten (35): Vorsitzender der „Deutzer Karnevalsgesellschaft“ und Jungfrau im Kölner Dreigestirn Session 2010/2011
Wuschel (34): Professor an der „Punkrock Academy Berlin“
Capri (35): liegt meistens auf seiner Finka in Gümüshane-Türkei in der Sonne und kümmert sich um das Management von „Freibad“ aus Passau.
…und wieder nix über unsere Jobs erfahren ;- )
Ugly Punk: Doch, der Schmatzel hat mir mal verraten, das er Straßenbauer ist. Ich weiß allerdings nicht, ob er weiß, welcher Chris ich bin, haha.
Wuschel: Straßenbauer? Niemals! Aber du hast Recht, der Schmatzel ist schon unser Working Class Hero!
Ugly Punk: Was sagt euch das Stichwort „Eierkarton“?
Wuschel: Unser erster großer Hit. Woher zum Teufel kennst du das denn?
Capri: Das merkt man auch irgendwie seit ein paar Konzerten. Da wird aus dem Publikum heraus immer öfter „Eierkartong“ (und das schreibt man mit „G“!) gefordert. Vielleicht brauchen wir keine neue Platte und es reicht aus, das „Eierkartong-Demo“ neu zu veröffentlichen…
Ugly Punk: Ha ha, ich war mal vor ungefähr 1000 Jahren auf nem Konzert von euch in Koblenz, im alten Subkultur in der Innenstadt müsste das gewesen sein. Da habt ihr glaube ich mit FUCKIN FACES gespielt. Die waren total racke und haben außer 5mal Ronja nix gebacken bekommen. Bin mir aber nicht mehr sicher, ob´s das gleiche Konzert war. Jedenfalls war ich voll auf Pilzen und da is mir der Song Eierkarton in Erinnerung geblieben, hehe…
Wuschel: Yep! Das war, lass mich überlegen, 1996 oder so. Wir haben letztes Jahr ne Tour mit den FACES gespielt und glaube mir, es hat sich nichts geändert (lacht).
Ugly Punk: O.K., das war´s erstmal. Vielen Dank fürs Mitmachen! Hier die Gelegenheit, für irgendwelche letzte Worte:
Eierkartong oh oh…
Wuschel: …Kartongs voller Eier…
Mehr Infos: www.derdickepolizist.de





Ich liebe DDp einfach! Die Texte einfach göttlich!!
Vielen Dank dafür
Mikka
geld stinkt eben manchmal doch….
Hab letztes wieder z.g.v. von WIZO gehört und irgendwie passt der Spruch
“Denn was früher einmal wichtig/scheiße war, es heute nur noch Scheißegal”
In beiden Variatonen wohl ne traurige Wahrheit.
kuck mal auf die uhrzeit meines posts…da ist mein bösartiger kumpel im kopf noch nicht angesprungen…der smiley hätte es mir sagen sollen…
hargh hargh hargh
War auch mehr Ironisch gemeint….
@ tillmann: das allerdings glaube ich weniger…;-) denke eher, eine hand wäscht die andere….
Mh rÜBi jetzt haste mich neugierig gemacht. Werden sie “unpolitisch gibt es nicht” mit einer schönen Hassansage spielen
?
Hey Schmatzel, die Nummer eins der Stadt sind wir
off topic:
ich kann dir sagen, warum sik da spielen….tu es aber nicht…;-)
denn wir sind frei und wild…
eimer, ich muss kotzen.