THE STATTMATRATZEN


Versucht man all die Frauenpunkrockbands aufzuzählen, in denen natürlich auch ausschließlich Frauen spielen, stößt man recht schnell an seine Grenzen. Natürlich gibt es welche, aber im Gegensatz zu den ganzen Mackern die Mucke machen, sind das doch recht wenige. An THE STATTMATRATZEN liegt das jedenfalls nicht und das ist auch gut so, auch wenn es sicherlich nicht uninteressant ist, einen gewissen Seltenheitscharakter zu besitzen. Die jahrelange Erfahrung, die die Damen im Berliner Nachtleben sammeln konnten und dazu diverse andere Erlebnisse zwischen verrückt und kurios, wurden nun erneut zusammengetragen, gebündelt und musikalisch verarbeitet. Das Ergebnis kann man auf dem aktuellen Werk “Egoshooter“ vernehmen und das die RotzgöhrenRaketenRockerinnen auch auf jede Frage eine Antwort haben, ist nachfolgend nachzulesen.

Guten Tag! Seid ihr gut im neuen Jahr angekommen? Wie sind die STATTMATRATZEN denn rübergeschlittert?
Ja, mit feuchtfröhlichem Abstecher nach Hamburg, kurzem Zwischenstopp an der teuersten Tanke der Welt und Zibetkatzenkaffee. (hier nachzulesen: www.myspace.com/stattmatratzen/blog/541530587)

Und wie sieht´s mit guten Vorsätzen für 2011 aus?
Diätjoghurt, nie wieder Zibetkatzenkaffe von der Tanke, nervige Machobühnenroadies einfach gleich K.O. schlagen und im Wald verscharren… und vor allen Dingen: nie wieder gute Vorsätze.

Dann also schnell zu den ernsten Dingen des Lebens. Der Geschichte der STATTMATRATZEN. Wer gab den Ausschlag zur Gründung dieser Band, wann war das, wie sah die Umsetzung aus und wie seit ihr auf den Namen THE STATTMATRATZEN gekommen?
Ah ja, der Klassiker unter den Interviewfragen. Also Nika hat sich schon immer eine süße Mädchenband gewünscht, und da sie nie eine zu Weihnachten bekommen hat, musste sie sich selbst eine basteln. Sie ist dann mit der Mission: RotzgörenRaketenRock nach Berlin gedüst, hat sich die heißesten Torten der Stadt geschnappt und – Trommelwirbel – jetzt gibt´s seit fast sechs Jahren THE STATTMATRATZEN. Der Bandname ist eigentlich ganz getreu unseres damaligen Mottos – Cut and Paste – reiß’ etwas auseinander und schaffe einen neuen Kontext. Wir haben einfach was provokant Knackiges gesucht.

Meint ihr es ist schwerer, sich als Frauenpunkband “im vom Männer dominierten Punkrock“ mit seiner Musik zu behaupten?
Na ja, dadurch das Frauenbands in der Szene eher ne Rarität sind, hat Frau es zunächst leichter an Konzerte ranzukommen und überhaupt in dem schwammigen Mob von Bands wahrgenommen zu werden. Behaupten bedeutet für uns aber auch Ernst genommen zu werden, und das mussten wir uns wie jede Band auch hart erarbeiten. Wir haben viele Konzerte gespielt, uns mit sexistischen Arschlöchern angelegt und auch viel Zeit und Energie in unsere Musik investiert.

Der überhaupt allerdümmste Kommentar oder Anmachversuch dieser sexistischen Arschlöcher an den ihr euch erinnern könnt?
Der dümmste Kommentar: “Für Frauen seid ihr ziemlich gut!” Da gab´s sogar mal von HANS-A-PLAST nen Song, der hieß „Für ne Frau“, da haben die das mal so richtig auf die Schippe genommen. Oh Mann, wie oft wir uns das schon anhören mussten… So richtig sexistische Anmachversuche gibt´s gar nicht, die lassen lieber immer so bewusst beiläufig paar Sprüche fallen. Früher hieß es unheimlich oft “Ausziehen!” oder “Boah, Titten!” – wir versuchen auf so was gar nicht erst einzugehen. Aber einen lustigen Anmachversuch hatte Safi mal, nachdem sie sich ne Weile mit einem Typen unterhalten hat:

Typ: “Also…. ich geh dann jetzt mal nach Hause…”
Safi: “okay”
Typ: “… das ist hier gleich um die Ecke…”
Safi: “Schön, dann musst du ja nicht weit laufen”
Typ: “Ähm… ich hab ne Dachterrasse…”
Safi: “Glückwunsch!”
Typ: “Da kann man den Sonnenaufgang sehen!”
Safi: “Na dann, viel Spaß!”

Höhö! Ich nenn euch mal drei Bandnamen und ihr sagt mir, was ihr davon haltet oder was euch dazu einfällt. LILI, JENNIFER ROSTOCK und DIE PARASITEN.
Safi kann Frauenbands nicht leiden, Carolita hat ihre kompletten Zimmerwände mit LILI – und PARASITEN-Postern vollgepflastert… aber JENNIFER ROSTOCK? Nie gehört… Erzähl du mal was du von denen hältst, sind für heiße Newcomer immer offen!

Puh, kein Plan was ich von denen halten soll, dafür kenne ich sie nicht ausreichend, musikalisch aber sicher nicht das Gelbe vom Ei. Ich steh da ja mehr auf so Bands wie die DISTILLERS, aber wenn ich das eine eurer Shirts richtig deute, mag die wohl auch nicht jeder von euch, oder?
Hmm… welches Shirt meinsten da jetzt? Nika´s „Who the fuck are the distillers?“ Das ist eigentlich überhaupt keine Bewertung der Band, sondern ein Insider aus Nika´s früheren Bandtagen. Sie hat mal bei den RAZORQUILLZ gespielt und denen wurde öfters “vorgeworfen” wie die DISTILLERS zu klingen. Das fanden die unheimlich nervig und da hat sie sich von einem Kumpel das T-Shirt anfertigen lassen und es häufiger bei RAZORQUILLZ Auftritten angehabt um klar zu machen, das hier niemand wie die DISTILLERS klingen will.

Hätten wir das Rätsel also auch gelöst! Als ich auf eurer Homepage mal ein bisschen Stasi gespielt habe, staunte ich nicht schlecht. Neben der deutschen und englischen Sprache, bietet ihr auch noch spanisch, französisch und japanisch an. Das ist ja zweifelsohne mit vielen Mühen verbunden. Wird´s denn auch angenommen? Gibt’s zum Beispiel Feedbacks aus Japan?
Haha, das liegt daran, dass unser Webmaster einen Sprachenfetisch hat und mit der halben Welt kommunizieren kann. Der ist eigentlich Franzose, spricht aber Deutsch, Spanisch, Englisch und ein bisschen Japanisch. Ein paar Auslandseinsätze hatten wir aber auch schon u. a. in Italien, Polen, Tschechien, Niederlande und Großbritannien. In ein paar Tagen gibt´s allerdings ne neue Homepage, die wird nicht ganz so Multikulti ausfallen. Und ein Feedback aus Japan gab es tatsächlich erst vor ein paar Tagen, da haben wir eine Nachricht von einem Japaner bekommen, der gern wüsste, wie er an unsere CD kommt.

Habt ihr dann in so Ländern wir Polen, Tschechien und Italien Übersetzer dabei oder macht ihr die Ansagen in deutscher oder englischer Sprache?
Muahh…na klar, wir haben immer so einen kleinen Sprachcomputer dabei. Wenn der gerade nicht kann, nehmen wir auch mal den Webmaster mit. Die Ansagen sind dann meistens eine Mischung aus Englisch und Deutsch, die wichtigsten Worte jeweils in der Landessprache. Also “Bier”, “Hallo” und “Danke”. Aber die Texte singen wir auch im Ausland auf Deutsch. Wir orientieren uns da an RAMMSTEIN, da können die japanischen Fans die deutschen Texte mitsingen. Wir machen das dann auch so. Und nein, das ist kein Größenwahn, nur eine gute Portion Optimismus!

Genauso hätt´ ich´s auch gedeutet ;- )
Bei der Labelsuche habt ihr auf eurer Page verlauten lassen, dass ihr, bevor ihr in die Aggro Punk WG eingezogen seid, auch woanders angeklopft habt. Hat es euch bei den anderen nicht gefallen oder wollten die euch nicht. Gab´s auch Labels, die es nicht für nötig hielten, kurz Rückmeldung zu erstatten? Zerstört den jungen Nachwuchsband ruhig mal all ihre Träume in punkto Labelsuche.

Die Zusammenarbeit hat einfach nicht funktioniert und das ist wahnsinnig wichtig. Wenn sich schon während der Aufnahmesessions Diskrepanzen ergeben und da zwei völlig verschiedene Welten aufeinander knallen, dann kann das einfach nichts werden. Und klar gab’s Labels, die sich nicht zurückgemeldet haben, oder die man erst anrufen musste, was denn nun ist, weil die Platte mit Hundertern von anderen Platten ungeöffnet bei denen rum lag. Nika hatte da mal ‘n interessantes Telefonat:

Nika: Ja hallo, ich wollte mal Fragen ob Ihr mal in unsere Platte reingehört habt.
Label: Wir nehmen keine neuen Bands.
Nika: Ach so, weil Archi meinte ich soll mal nachfragen.
Label: Archi?! Wie sah der Briefumschlag noch mal aus? (Rascheln im Hintergrund)
Nika: Braun mit STATTMATRATZEN Aufkleber.
Label: Ah ja, hör’ ich nachher mal beim Putzen rein.
Nika: Öhmm… ok.

Putzen und Labelarbeit miteinander verbinden – da wird doch mal ne´ vorbildliche Geschäftspolitik betrieben ; -) Gab´s denn nach dem Telefonat noch mal ein Feedback vom Label?
Ja, gab´s tatsächlich, kam aber kein Deal zu Stande, die Jungs von Aggropunk waren einfach knuffiger, die hatten uns sofort lieb, wollten heiraten und kleine STATTMATRATZEN CD´s machen. Besser geht´s doch gar nicht.

Letztes Jahr habt ihr auf dem Force gespielt. Steht ihr mehr auf Auftritte bei größeren Festivals oder sind euch kleinere verrauchte Clubs lieber?
Ach, das kommt immer auf den Laden und die Leute an, wir hatten bei beiden Optionen schon ‘ne Menge Spaß oder Frustkino laufen. Force war geil, weil das Zelt erstaunlich voll war während unseres Auftritts und die Leute trotz der frühen Uhrzeit viel Spaß hatten. Aber genauso gut gab es Konzerte mit nur 30 Leuten im Publikum die wir auch nicht missen wollen. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Brandaktuell ist euer Album “Egoshooter“, welches (Namedropping darf an dieser Stelle auch mal erlaubt sein) von TERRORGRUPPEN-Archi produziert wurde. Wie habt ihr zusammen gefunden?
Über unsere damalige Schlagzeugerin Jessko Vee. Wir waren ja gerade dabei ‘nen Plattendeal abzuschließen, und da wir ja noch frisch im Musikbizz waren, hat sie uns vorgeschlagen Archi, den kannte sie aus früheren Tagen, als Berater hinzuzuziehen. Und das war auch echt gut so. Als der Plattendeal dann nicht zustande kam, bot Archi uns an, bei ihm die Platte aufzunehmen. Das war natürlich grandios!

Klären wir doch gleich mal eine kleine textliche Unklarheit. Was bitteschön ist ein Emo-Haushalt?
Jeder Mensch verfügt über einen Emo-Haushalt, das ist der subjektive Anteil mit dem ein Mensch Dinge tut oder bewertet. Und manche haben einfach zu viel Gefühlshaushalt/Emo-Haushalt und können mit ihren Gefühlen nicht umgehen/haushalten. Aus kleinen Entscheidungen wird ein Elefant gemacht und bei wichtigen Entscheidungen tritt dann gleich die ultimative Lebenskrise in Kraft. Das kann einem unheimlich auf den Keks gehen…
Aber schön, dass bisher nicht einer nach dem Wort „traktös“ fragt, wenn du das mal googelst, kommst du ausschließlich auf Seiten die irgendwas mit uns zu tun haben.

Na, dann will ich doch mal meinen Wissenstand erweitern. Also, was heißt eigentlich “traktös“, bzw. “traktös philosophiert“? So ganz spontan hätt ich´s jetzt von “Traktion“
abgeleitet.

Haha, yeah, lasst uns neue Wörter erfinden, das Wort des Jahres 2010 war ja „Wutbürger“, vielleicht können wir ja mal Emo-Haushalt bei den Preisrichtern einreichen. Traktös ist im Übrigen eine verstümmelte Version von abstrakt und Bruchstückhaft, aber ein bisschen Traktion ist bestimmt auch mit drin.

Und wieder was dazugelernt! Kosumgeil, ein Lied das ihr über andere singt oder bei dem ihr auch die eigenen Schwächen/Hobbys/Vorlieben verarbeitet? Frauen, wie auch Männer, werden ja gerne mal mit den gängigen Klischees belegt, man denke da z.B. an den ach so lustigen Mario Barth. Geht ihr gerne shoppen, sammelt ihr Handtaschen, Schuhe… Trifft irgendein typisches Klischee auf euch zu?
Natürlich NICHT! Haha! Wir geben unser Geld, sofern es ab und zu vorhanden ist, lieber für die wichtigen Dinge aus: Konzerte, Bier, trashige Flohmarkt-Fundstücke und STATTMATRATZEN Merchandise.

Und zu den trashigen Flohmarkt-Fundstücken zählen dann z.B. was für Dinge?
Also ne ganze Menge von dem Krempel ist auf´m Cover vom Album zu entdecken, da gibt´s dann Bratkatzen, Elvis-Barbie, King-Kong, Bambi u.s.w. Außerdem paar Platten, Supernintendo-Spiele, immer mal wieder nen Gameboy, DIY-Klamotten und so’n Kram eben.

Irgendwann mal von der Musik leben zu können… Stempelt ihr das, vielleicht aufgrund zu geringer Massenkompatibilität als Utopie ab oder wird im Hinterköpfchen dieser Umstand gerne mal geträumt?
Die Idee wurde vor ca. zwei Jahren ad acta gelegt. Den letzten Rest, der unsere Träume zerstört hat, kannste auf Seite 33 von John Niven´s “Kill your Friends” nachlesen. Bis auf den Mord der in diesem Buch beschrieben ist, war unser Ausflug ins Musikbusiness relativ identisch. Also versuchen wir soweit es geht unabhängig zu bleiben. Das ist uns bis jetzt auch ganz gut gelungen.

Noch irgendwelche Zeilen, Reime, Gedichte, Anweisungen, Weisheiten, die die Welt verändern könnten, Mottos zum Schluss?
Spitz’ die Lippen, Baby!