
Irgendwann Mitte November hatte ich mit Andy von den TEENAGE LOVE GUNS erstmals E-Mail Kontakt und wir verblieben so, dass er demnächst mal die Demo CD der 5 Hannoveraner aus dem schönen Stadtteil Linden vorbeischicken würde. 3-4 Wochen vergingen und dann lag sie schließlich im Postfach. Der Rest ist schnell erzählt, denn wie man der Rezension zur CD entnehmen kann, staunte ich nicht schlecht und war ziemlich begeistert von dem, was die TEENAGE LOVE GUNS da abgeliefert haben. Keine Frage, dachte ich mir, da müssen wir gleich mal ein Interview hinterher schieben. Diesen Worten folgten umgehend Taten und blitzschnell war es im Kasten. Ladies and Gentlemen, Ugly Punk proudly presents: the TEENAGE LOVE GUNS!!!
Ugly Punk: In der Schule würde der Lehrer von einem Wiederholungsfehler sprechen, aber damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, wollen wir auch dieses Interview mit einer kleinen Vorstellungsrunde beginnen. Aus wem setzen sich die TEENAGE LOVE GUNS zusammen und wem sind welche Instrumente zuzuordnen?
Martin: Die Band besteht aus 5 Leuten: Norbert und Andy an den Gitarren, Mark am Bass, Baumi an den Drums und ich singe.
Ugly Punk: Ihr habt euch 2010 gegründet und noch im selben Jahr eine Demo CD unters Volk gebracht. Nun konnten wir als selbsternannte Musikexperten schnell feststellen können, dass da keine Amateure am Werk sind, sondern Musiker, die sich schon längere Zeit mit der Materie beschäftigen müssen. In welchen Bands habt ihr zuvor musikalische Erfahrung gesammelt?
Martin: Namedropping finde ich immer unschön, weil’s dann im Zweifelsfall nur auf die Vorgängerbands reduziert ist. Das wollen wir nicht, aber du hast Recht, grundsätzlich hat jeder schon etliche Jahre Banderfahrung, das aber in verschiedenen Richtungen. Norbert und Baumi zum Beispiel spielten in der HC-Band NO TIME LEFT oder Mark bei den Rockabilly-Combos CAIPYRANHAS und DOUBLE CROSS. Ansonsten liest sich die Bandvergangenheit der einzelnen schon sehr punkrocklastig.
Ugly Punk: Und wie habt ihr 5 schließlich zueinander gefunden? Also welche kleine Entstehungsgeschichte steckt hinter der Band?
Martin: Ach, das war eigentlich ganz cool. Mark war scharf auf eine Punkband und hat Andy und mich dann zu sich eingeladen, wo wir uns dann über das Thema „Bandgründung“ unterhalten haben. Dann haben wir uns mal zum Proben getroffen und so hat das Ganze dann seinen Lauf genommen. Klingt ziemlich nüchtern, war es zugegeben auch – jeder von uns hat einen fulltime-job und da kann man nicht mehr alles ausprobieren, sondern spricht vorher ab, was man so will und wo die Reise ungefähr hingehen soll. Da ich vorher nur Mark kannte, hat sich die Band für mich persönlich schon jetzt gelohnt – es macht einfach tierisch Spaß und es geht Voran. Viel besser könnte es nicht sein!
Andy: Mark und ich kannten uns bereits von ein paar gemeinsamen Sessions. Nur war das für ihn nicht befriedigend. Umtriebig wurden die passenden Leute aus dem Bekanntenkreis herausgepickt. Norbert als letztes, fehlendes Glied machte die Besetzung komplett und perfekt. Und ab diesem Zeitpunkt ging es so richtig los.
Ugly Punk: Du meintest gerade, dass jeder von euch einen fulltime-job hat. Da müssen wir als Presse natürlich unserer Pflicht nachgehen und neugierig nachfragen, womit ihr denn so euer Täglichbrot verdient?
Andy: Das ist eher unspektakulär. Norbert und ich sind Sachbearbeiter und haben einen klassischen Bürojob! Baumi arbeitet als Garten- und Landschaftsgärtner für die Stadt und Mark als gelernter Kfz Mechaniker kümmert sich vorwiegend um das aufmöbeln von Autos älteren Semesters.
Martin: Ich habe im weitesten Sinne auch einen Bürojob. Arbeit ist letztendlich ein wichtiger Teil des Lebens und wird wohl immer auch fulltime bleiben.
Ugly Punk: Streetpunk mit melodischer Note ist das, was auf euren Fahnen steht. War diese Richtung von Anfang an klar oder hat sich das aufgrund der Zusammensetzung erst zu diesem Genre entwickelt?
Martin: Ja, grundsätzlich schon. Wir waren und sind halt Punkrock-Kids, das wird auch immer so sein. Alles andere wäre nicht authentisch. Dass das jetzt konkret in die Streetpunk-Richtung geht, haben wir nicht geplant, aber kommt uns sicherlich nicht ungelegen. Getreu dem Motto: wir hauen beim Proben einfach was raus und schauen, was dabei rumkommt.
Andy: Letztlich ist es schlicht und einfach Punk! Wenn Du mit Punk in den unterschiedlichsten Facetten aufgewachsen bist, willst Du als Musiker in einer Band doch in den meisten Fällen auch eben solche Musik spielen. Ich würde TEENAGE LOVE GUNS nicht einmal unbedingt das Etikett Streetpunk aufdrücken. Es trifft die Sache aber schon recht gut.
Ugly Punk: Wie liest sich denn euer Punklebenslauf in etwa? Wann und wie, bzw. mit welcher Band oder unter welchen Umständen wurdet ihr damit infiziert? Und ging´s dann erstmal ganz klischeemäßig mit Iro und in Innenstädten rumhängen weiter?
Andy: Angefangen hat alles so 1988/89, also noch vor der Wende! In meinen Bekanntenkreis kursierten die ersten Punktapes u.a. von den BRIEFTAUBEN, also eher so die Fun Punk Schiene. Ich hatte die beiden Amiga Singles von den ÄRZTEN und den HOSEN, welche es als Lizenzpressung auf dem Staatslabel der DDR offiziell zu kaufen gab. So kam eins zum anderen. Die Wendezeit brachte dann ordentlich Bewegung in mein Leben. TOXOPLASMA, SLIME… viel Deutsch Punk! Ich lies mir beim ehemals volkseigenen Frisör meinen ersten Iro schneiden. Das war schon eine verrückte Zeit! Immer mehr und vor allem immer neue Bands wurden entdeckt. Vorwiegend die ganzen englischen Sachen wie THE CLASH, LURKERS, die großartigen ADICTS, BLITZ, SHAM 69, COCK SPARRER, THE DAMED und all die anderen wegweisenden Bands. Und das hat sich bis heute nicht geändert! Die Musik und die damit verbundene Attitüde sind fester Bestandteil meines Lebens!
Martin: Bei mir ging das so Anfang der 90er mit den SATANIC SURFERS und deren EP „Skate to hell“ los. Bin eigentlich über die kompletten 90er in der überwiegend europäischen Punkrock-Ecke hängen geblieben, also alles was von Epitaph oder Bunring Heart veröffentlicht wurde, also Zeugs wie I AGAINST I, CONSUMED oder eben BOMBSHELL ROCKS, 59 TIMES THE PAIN und Konsorten. Passend zum Sound war ich dann auch eher auf dem Skateboard zuhause. In der Innenstadt hab ich nie rumgelegen, das deckt sich auch nicht mit meiner Sichtweise zu Punkrock.
Ugly Punk: Die eigene Sicht von Punk befindet sich ja in einem ständigen Entwicklungsprozess. Gibt es spezielle Punkte, in denen sich über die Jahre eure eigene Definition von Punk geändert hat?
Andy: Grundsätzlich ist die Definition von Punk geblieben! „Anders Sein“, dass ist heute noch genauso wie am Anfang. Natürlich ändert sich die Sichtweise auf die verschiedensten Sachen. Das ist der von Dir angesprochene Entwicklungsprozess und es wäre mehr als schlimm, wenn dieser nicht stattfinden würde. Stand Punk damals für Wut, Opposition, Spaß, Musik, Freundschaften, Freiräume, Zwanglosigkeit usw. so hat sich das bis heute nicht geändert.
Martin: Ich seh’s ähnlich wie Andy, die Definition von Punk ist grundsätzlich geblieben, jedoch wird man ja mit der Zeit reifer und sieht manche Punkte anders. Ich muss niemanden mehr beweisen, wie wild ich bin, sondern lebe mein Leben so wie ich es für richtig halte. Klar, Wut habe ich immer noch in mir, ziemlich viel sogar, nur lasse ich diese einfach anders raus, z.B. eben durch Musik. Die Texte von uns sind ja auch persönlich, klar gibt’s 2, 3 spaßigere Nummern, aber der Großteil hat schon, zumindest inhaltlich, einen sehr persönlichen und/oder angepissten Unterton, z.B. ‚wrong direction‘ oder ‚let me out‘.

Ugly Punk: Wenn ihr musikalische Einflüsse nennen müsstest, wären das welche?
Martin: Einflüsse hat sicherlich jeder für sich, aber im Kontext der Band würde ich jetzt schon US BOMBS oder die ganzen Schwedennummern (BOMBSHELL ROCKS, VOICE OF A GENERATION) nehmen. Einfluss ist aber nicht gleich Kopie. Wir versuchen schon einigermaßen eigenständig zu sein – ist bei 3-4 Akkorden halt auch nur bedingt möglich.
Andy: Ich würde das jetzt gar nicht nur auf Bands aus den Neunzigern beschränken. Nimmt man zum Beispiel die Melodien von JOHNNY THUNDERS oder die Gitarrenparts von CHEETAH CHROME von den DEAD BOYS gemischt mit Sound der alten englischen Bands wie STIFF LITTLE FINGERS bis hin zu ONE WAY SYSTEM hat man genug Einflüsse, um was relativ eigenständiges zu machen.
Ugly Punk: Nun habt ihr neben den Einflüssen ja auch genug eigene Stempel. Das Gegenbeispiel sind Bands, die versuchen 1:1 zu kopieren. Ich kann mich erinnern, dass z.B. TIME AGAIN des Öfteren als RANCID Klone betitelt werden. Ist das wirklich verwerflich, verdammt dicht am Original zu liegen oder spricht das nicht sogar für die Qualität einer Band?
Martin: Ach, ich finde das völlig ok. Jetzt beim Beispiel RANCID ist es doch super, dass man nicht immer nur auf Releases von denen warten muss, sondern sich auch an Veröffentlichungen von TIME AGAIN oder LEFT ALONE satt hören kann. Klone ist meiner Meinung nach auch das falsche Wort, schließlich sind diese beiden Bands für sich gesehen auch einfach nur gut. Wenn’s danach geht, gibt es überall Klone… die Musik wird keiner neu erfinden, wichtig ist, dass man einfach was Gutes daraus macht. Dann kann ich auch sehr gut mit 10 RANCID-Kopien leben.
Ugly Punk: Würdet ihr sagen, dass man es als europäische Streetpunkband schwerer hat, weil der Markt eventuell kleiner ist, als der in Amerika? Oder ist es dadurch vielleicht sogar leichter, weil er hierzulande übersichtlicher ist?
Martin: Darüber mache ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken, aber ich sehe es eher als Chance hier in Deutschland. Gerade im Streetpunk-Bereich gibt es aus Deutschland lediglich 5, 6 sehr geile Bands, also ist die Chance auch größer, da irgendwann reinzulaufen. Alles Weitere wird man dann sehen, wenn es soweit ist. Aber den Standort Deutschland sehe ich jetzt nicht als Nachteil.
Ugly Punk: Ihr kommt aus Punkrockcity Hannover. Ist es in solchen, ich sag mal… Musikhochburgen nicht schwerer, aus der Masse hervorzustechen, als vielleicht in Kleinstädten. Oder könnte man das auch als Vorteil werten, weil es eine größere Auswahl an Auftrittsmöglichkeiten gibt?
Martin: Hannover boomt gerade wieder, es gibt 2-3 neue Bands, SALAD DAYS oder CRACKS & SCARS, von denen noch zu hören sein wird, aber soviel Masse haben wir hier eigentlich gar nicht. Gerade was unseren Sound betrifft, laufen wir eigentlich recht einsam durch die Straßen. Das macht es sicherlich einfacher, auch mit Auftritten, wobei wir nicht mehr als 2-3 Shows in Hannover pro Jahr spielen wollen. Irgendwann will das dann auch keiner mehr sehen… außerdem wollen wir auch raus und auch überregional präsent sein.
Norbert: Es gibt wenig Bands hier in Hannover, die denselben Stil in den jeweiligen Bereichen, sei es im Hardcore, Punk, Grind usw. spielen. Im Grunde genommen ist für jeden etwas dabei. Wen man auch auf keinen Fall vergessen darf zu erwähnen, sind die FLAMING DUDES, die auch total frisch und wild mit einem Stil daher kommen, den wir so hier meines Wissens noch nicht hatten.
Ugly Punk: Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Ist ein richtiger Longplayer schon in Planung oder sogar in greifbarer Nähe? Und gibt’s eine Band, mit der ihr unbedingt mal die Bühne teilen wollt?
Martin: Wir planen aktuell eine Split-Single auf Vinyl mit den PENGPENGS aus Erfurt. Das soll irgendwann im März/April veröffentlicht werden. Das wird ein schönes Ding werden, das kann ich jetzt schon mal sagen. Außerdem planen wir tatsächlich unsere Debut-Platte, die ist eigentlich für Mitte des Jahres vorgesehen. Aber das ist noch sehr weit weg – aktuell schreiben wir viele neue Songs und dann mal sehen.
Andy: Ganz genau! Noch kurz zum Vinyl. Die Split Single ist eine feine Sache. Tom, der Drummer von den PENGPENGS und Kopf von CrackCityBluesRecords aus Erfurt hatte die Idee. Zusammen mit Rob vom Brundlefly Records Label aus Berlin reifte das ganze immer mehr und nahm schließlich konkrete Formen an. Das Ergebnis können wir dann im Frühjahr in den Händen halten.
Norbert: Wir waren selbst überrascht, dass wir so schnell unseren Stil gefunden haben und dass unser Demo so fix entstanden ist. Ich denke in Zukunft wird man noch einiges von uns zu hören bekommen, wir haben ja quasi erst angefangen. Wir sind bis in die Haarspitzen motiviert.
Martin: Ich würde gerne mal komplett raus, eine schöne Tour durch Europa würde mich reizen. Eine bestimmte Band fällt mir nicht ein, aber im Mai spielen wir wohl zwei Shows mit Matt Freeman und seiner Zweitband DEVILS BRIGADE, das ist schon ziemlich geil. Aber auch auf die Show mit RAT CITY RIOT im Februar freue ich mich.
Andy: Ich kann mich da nur anschließen. Eine Tour wäre schon genial. Aber alles zu seiner Zeit. Das Jahr bietet für mich schon so einige Highlights. Ich denke da natürlich an RAT CITY RIOT im Februar und an den Gig mit RADIO DEAD ONES im März.
Norbert: Wie die Beiden schon meinten, die nächsten Konzerte sind auf jeden Fall ein Highlight. Ich persönlich würde gern mal mit LARS FREDERIKSEN AND THE BASTARDS die Bühne teilen.
Ugly Punk: Boah ey, DEVILS BRIGADE! Echt geil, was sich der gute Matt da aus den Ärmeln geschüttelt hat. Wenn´s klappt, seid ihr zu beneiden ;- ) Mit den beiden eben erwähnten Labels, seit ihr für die Split Single also fündig geworden. Würden die beiden auch für den Longplayer in Frage kommen oder wollt ihr diesbezüglich noch auf Labelsuche gehen? Ansonsten könnt ihr Mr. Freeman ja mal eure Demo in die Hand drücken, mit der Bitte diese an Herrn Armstrong von Hellcat weiterzuleiten.
Andy: Jetzt kommt erst einmal die Split Single. Und da ist die Label Kooperation von Tom und Rob aus meiner Sicht bestens geeignet! Wie, wann und wo der Longplayer dann letztendlich erscheint, wird die Zeit mit sich bringen. Wir gehen da ganz sportlich ans Werk. Die wichtigste Voraussetzung sind ja die Aufnahmen, welche im Kasten sein müssen.
Martin: Grundsätzlich ist uns natürlich wichtig, dass der Longplayer dann auch auf einem Label erscheint, wo unser Sound perfekt hineinpasst und auch die Attitüde stimmt. Wir werden sehen, machen uns da aktuell keine Gedanken und schreiben erstmal weiter munter neue Songs.
Ugly Punk: Alles klar Jungs, dann ziehe ich mal (nein nicht meinen Hut, sondern bei den Temperaturen meine Wollmütze), erhebe meinen Glühwein und sage besten Dank für die Auskünfte.
Martin: Danke fürs Interview und hoffentlich sieht man sich demnächst mal auf einem Konzert.
Ugly Punk: Die Welt ist ja klein, ist also deshalb nicht unwahrscheinlich…




