MOLOKO PLUS # 42

MOLOKO PLUS # 42
Moloko Plus
Feldstraße 10
46286 Dorsten

Die Jungs vom Moloko Plus haben die Längsten… Vorwörter. Ungeachtet des knapp bemessenen Platzes, werden alle Gedanken hemmungslos niedergeschrieben. Nicht nur hemmungslos, sondern auch ehrlich. Denn während so manche Fanzinerkoksnase gerne mal den Hang zur Realität verliert und die eigenen Eier dicker macht, als sie eigentlich sind, bleibt Moloko Chef Torsten auf dem Boden der Tatsachen und gibt offen zu, dass die geplanten 100 Seiten finanziell durch die eingegangenen Anzeigen nicht umsetzbar waren. So wurden einige geplante Artikel verworfen und das Heft wieder etwas abgespeckt. Andere hätten das vielleicht verschwiegen und deshalb umso schöner, dass hier die Coolness und der Stolz nicht die Hauptsrolle spielen.

Also gut, seit der vorherigen Ausgabe mag ein gefühltes Jahr vergangen sein, o.k., sagen wir es müsste der Frühling 2010 gewesen sein. Genug Zeit also für die Moloko Crew, Interviews, Berichte und weitere Zeilen zusammenzutragen. An die Interviews mit den Musikanten kann ich größtenteils unvoreingenommen herangehen, da ich diesmal die Mehrheit nicht oder nur von Hörensagen her kenne. PASCAL BRIGGS… kennt man natürlich! TICKING BOMBS kannte ich, wenn überhaupt, nur flüchtig, BUSTER SHUFFLE waren bis eben völlig unbekannt, ebenso wie ZUGRIFF. Auch von den 7ER JUNGS hatte ich bisher nur gehört, bzw. gelesen. Nicht nur Gutes, wobei ich Gott sei dank nicht zu der Fraktion gehöre, die alles glaubt, was über das www verbreitet wird. Bandleader Markus stellt allerdings einiges klar und vieles davon mit ziemlicher dicker Halsschlagader. Klare Antworten und eine klare Absage an die Deutschrockinvasion gibt’s nachzulesen. THE HOTKNIVES kommen auch zu Wort, gute Band, hätte man ruhig noch mehr ausquetschen können. Auch dem Fußball, bzw. den Personen den gegen ihn treten, wird im Moloko immer etwas Platz eingeräumt. Bei den „Gescheiterten Existenzen“ geht’s diesmal um Heinz Bonn, der den älteren Lesern vielleicht noch vom HSV bekannt sein dürfte. Wirklich tragisch ist der Bericht über den ehemaligen englischen Fußballprofi Justin Fashanu. Der Fußballer hatte es aufgrund seiner Homosexualität nie leicht, wurde deshalb vom Trainer suspendiert und von Medien und Fans beschimpft und verhöhnt. Nachdem kein britischer Verein ihn mehr wollte, zog es ihn in die USA, wo er aber auch nicht glücklich wurde und der Vergewaltigung beschuldigt wurde, was aber scheinbar nicht den Tatsachen entsprach. Als das Verfahren wegen mangelnder Beweise eingestellt wurde, war Justin Fashanu bereits tot. Erhängt aus Angst, dass er aufgrund seiner Homosexualität kein faires Verfahren bekommen würde… Krasse Story! Und es gibt noch mehr für die Äuglein: Eine Erinnerung an Stasi, Skins und Schlägereien mit einem Rückblick auf einen von Glatzen ausgeübten Überfall auf die Berliner Zionskirche, in der zur selben Zeit ein Punkkonzert stattfand, und ausführliche Festivalrückblicke über diverse Punkrockgroßveranstaltungen des vergangenen Sommers (leider mit einer kleinen Fehleinschätzung, denn das Resist to Exist Line-Up war nicht scheiße, sondern mal richtig geil… mit Ausnahme von OHL vielleicht)… und vernehme ich beim Rückblick auf das Force Attack mit den Zeilen (…KRAWALLBRÜDER haben auf dem Force Attack nichts verloren) einen Diss in diese Richtung? Oder war da ungebremste Ironie mit im Spiel? Eine etwas andere Tourstory mit DUMBELL gibt’s auch noch, ebenso wie ein wenig Geschichtsunterricht.

Beim Thema Musik stelle ich gerne mal fest, dass ein Großteil der Moloko Mannschaft und ich in vielen Fällen nicht denselben Geschmack haben, doch obwohl mich nicht alle Bands interessieren, werden sie in Interviews durch geschickte Fragestellung interessant gemacht, auch wenn man bei manchen Fragen sicher auf bestimmte Thematiken gerne noch intensiver eingehen könnte. Trotzdem schafft es dieses quadratische Zine immer wieder, mich mit seinen Berichten zu fesseln. Das Interessante an diesem Heft ist, dass es sich nicht speziell auf diese Szene festgefahren hat, sondern auch gerne über oder neben den Tellerrand schaut. Abwechselung verspricht zudem dieser kleine Hauch von Boulevard, wenn über das Leben und die Schicksale gescheiterter Existenzen berichtet wird, so dass man insgesamt ein positives Fazit ziehen kann, da man mit diesem bunten Strauß von Inhalt sowohl unterhalten wie auch informiert wird. Spike

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