HELMUTH MALORNY – EIN SARGTISCHLER IN NY

HELMUTH MALORNY – EIN SARGTISCHLER IN NY
(PaperOne Edition)

Der ‘Ugly Punk’ ist ja nicht nur an digitalem Lesestoff interessiert, sondern nimmt auch gerne mal ein portables Druckwerk in die Hand – so hoffe ich jedenfalls! Der Leipziger Verlag PaperOne (‘Ahoi Connewitz’) bietet seit einigen Jahren alternativen Schriftstellern die Möglichkeit ihre unangepassten, frischen und unliebsamen Werke zu veröffentlichen. Nun bringt der Verlag eine interessante Sammlung an Kurzgeschichten von Helmuth Malorny heraus. Bisher hat Malorny, Jahrgang 1959, bei verschiedenen unabhängigen Verlagen einige Romane veröffentlicht, die ich allerdings nicht kenne.

Aber nun zum Buch: Auf 180 Seiten finden sich 24 Kurzgeschichten, die eines gemeinsam haben. Sie alle handeln von kaputten Existenzen, vornehmlich Trinkern. Die Geschichten bieten jeweils einen kurzen Ausschnitt im Leben der Protagonisten. Manchmal nur ein paar Minuten, manchmal auch ein paar Tage. Nichts wirklich Spektakuläres. Die Geschichten bieten Momentaufnahmen aus dem Leben eines Jedermanns. Da gibt es versoffene Kohle-Kumpel, die in die USA reisen, notgeile Thailand-Aussteiger, prügelnde Ehemänner, ein kleinkriminelles Brüderpaar, missliebige Verwandte und Abzocker jeglicher couleur. Und offensichtlich hat Hartmuth Malorny auch einiges an eigenen (Urlaubs-)Erfahrungen und Beobachtungen in die Geschichten mit einfließen lassen. Aber genau diese Momentaufnahmen machen die alltäglichen Geschichten so interessant. Jede Geschichte fordert gerade dazu auf, diese im Geiste weiter zu spinnen. Was könnte als nächstes passieren? Was is bisher oder in der Zwischenzeit geschehen? Jede Geschichte lässt viel Platz für Spekulationen und Phantasie, so dass man sich schnell länger als die geschriebenen 5-12 Seiten mit den Stories beschäftigt. Der Schreibstil ist dabei gut verständlich und sehr flüssig. Malorny verliert sich nicht in Details, sondern kommt direkt zum Punkt. Dies gibt den Geschichten eine Dynamik, die auf eine unerwartete Wendung hinsteuert, die es allerdings im seltensten Falle gibt. Zu Beginn mag dies verwirren, aber man kommt doch recht schnell darauf, dass hier die eigene Kreativität gefragt sein könnte. Prosaische Höchstleistungen darf man darum hier nicht unbedingt erwarten.

Was bleibt ist auf jeden Fall eine wirklich interessante und fesselnde Sammlung an Kurzgeschichten – lebensnah, kurzweilig und phantasieanregend. Ideal für eine Fahrt mit der Straßenbahn, denn so ‘ne Typen wie hier beschrieben trifft man dort täglich! Mirko

www.h-malorny.de
www.editionpaperone.de