ANTI-FLAG + VERUS YOU (25.10.2010 in Trier / ExHaus)

Wenn sich die Gelegenheit bietet, die relativ große Band ANTI-FLAG im heimischen Schimmelkeller vor nur 150 Leuten zu sehen, muss man diese beim Schopfe greifen, dachte ich mir. Immerhin haben es ANTI-FLAG auf Grund ihrer coolen, antinationalistischen Aussagen schon auf einige T-Shirts und Kapuzis von mir geschafft. Die Musik hingegen hat es bisher nur zur Hintergrundberieselung bei mir geschafft, da sie einen großen Makel hat: Keine deutschen Texte. Komisch bei ner Ami-Band, oder? Gleich auf die Meldung von Steff auf UGLYPUNK (wo sonst) bin ich dem Link zum Ticketshop gefolgt und habe tatsächlich auch 2 Tickets ergattert. Typisch für Ingo-Popp-Konzerte: 6 Euro Porto für 2 Tickets im Briefumschlag und 2 Euro Aufschlag zu den versprochenen 10 Eu Eintrittspreis. Machte also 14 Eu pro Ticket. Na ja, druff geschissen.

Also ging´s Montagabends ab nach Trier, um mal eben ein Stündchen Live-Musik statt TV-Berieselung zu genießen. Hat doch was. Vorgruppe waren VERSUS YOU aus Luxemburg. Der Sound im Schimmelkeller des ExHauses war wie zu erwarten prima und trotz der 150 anwesenden war der Raum angenehm voll, nicht all zu voll, wie es schon oft der Fall war. VERUS YOU hatten anders, als es sonst oft Vorgruppen geht, einen ultra fetten Sound. Sie spielten melodische Pop-Punk/Emo Nummern, die schon mal ordentlich abgingen, aber auch ruhiger Passagen hatten. Alles in allem jedoch nix Herausragendes, sie fügen sich im Mittelfeld des Einheitsbreis aus englischsprachigen Trallala-Combos ein. Nix was hängen bleibt, technisch aber Spitze!

ANTI-FLAG sollen äußerst entspannte Jungs sein, wie mir Soundmann Winni erzählte. Keinerlei Star-Allüren. Vorgefahren waren sie jedoch stilecht im fetten Night-Liner. Zu erwähnen natürlich noch, das das ganze ein kurzfristig eingeplantes Benefiz-Konzert für Emmaüs International war, eine weltweit tätige Wohltätigkeitsbewegung, die sich sozialer Armutsbekämfung verschrieben hat und Menschen hilft, welche durch Wohnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Haft, Überschuldung, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit in eine Notlage geraten sind. Im Eingangsbereich war ein Stand von GREENPEACE, der aber von den Mainstream-Punkrock-Kiddies, die hier in der Überzahl waren, gekonnt ignoriert wurde. Also ANTI-FLAG die tun echt was, die haben die GREENPEACE Leute mit auf Tour, wenn ich den Langhaarigen am Stand richtig versanden habe.

Gegen halb Zehn waren dann ANTI-FLAG an der Reihe. Erstmal fleißig Hände geschüttelt und abgeklatscht in den ersten Reihen. Dann ging´s auch schon gleich los mit WAR SUCKS. Sänger Justin war „very ill“, so dass der Basser die Vocals übernehmen musste. Also ich konnte keinen großen Unterschied zum eigentlichen Sänger Justin feststellen. Bin ja auch kein Die-Hard-Fan. Mein lieber Scholli, die machen live aber ein ganz schön fetziges Brett! Nix weichgespültes, das war saugeiler „in die Fresse-Punk“, um mal mit Swen Bocks Worten zu Sprechen. Hier wurden keine Gefangenen gemacht. Vor allem der Drummer ist voll das Tier. Der hätte in dem kleinen Raum gar keine Mikros am Drumkit gebraucht. Dennoch war der Sound saugeil, sie hatten auch ihren eigenen Ton-Mann dabei, klar. Ziemlich bald kam dann schon „Die for your Goverment“ und weitere Hits, die ich leider nicht alle mit Namen kenne. Hatten die Rockstar-Allüren bei der Vorgruppe noch was BETONTOD/WIZO-mässig komisches (Hands in the air…), konnte man ANTI-FLAG das getrost abnehmen. Man lies das Publikum des Öfteren Songs anzählen ( I say one, two, you say one, two, three, four…) und bewies auch sonst Humor. Als ein junger Kerl vor der Bühne mitten im Pogo-Mob eine SMS schrieb, unterbrachen die Jungs kurzerhand mitten im Lied und kassierten das Handy ein! (…this guy sends a text-message…) Das Handy wurde unter großem Gelächter dem Drummer übergeben, mit den Worten, nach der Show können es wieder abgeholt werden! Coole Einlage! Dann wurde das Lied an der abgebrochenen Stelle fortgesetzt und schwubs, war auch der Pogomob wieder in Gang. Einige deutsche Ansagen wurden schön auswendig gelernt (…alles hat ein Ende nur die Würst hät zwoi…)  und saftige politsche Ansagen waren auch am Start. Die englischen Ansagen waren auch gut zu verstehen, ich denke, da achten die auch drauf! Jo wat soll ich noch sagen. Eine sehr kurzweilige Show von ca. 75 Minuten war das. Hat sich auf jeden Fall gelohnt. Hinterher ging´s mitten durch die Meute raus, nicht ohne sämtliche Hände zu schütteln. Sehr sympathische Bande! Ich werde mich auf jeden Fall jetzt mal etwas näher mit den Platten der Jungs beschäftigen, die bei mir rumoxidieren. Um 0.00 Uhr war ich schon im Bett.

Chris de Barg