DIE KASSIERER – PHYSIK

DIE KASSIERER – PHYSIK
(Teenage Rebel Records)

Physik? Haben die da überhaupt Ahnung von? Im Dienste der Wissenschaft ist die Wattenscheider Kapelle ja schon länger tätig, doch handelte es sich dabei bisher mehr um Sexualwissenschaft. Auch wurde erforscht, was oben reingeht, wie es unten wieder rauskommt und was man damit alles so anstellen kann… mit Kot und Pippi, den beiden treuesten Gefährten der KASSIERER. Nun soll das Quartett also ein Zusammenspiel experimenteller Methoden und theoretischer Modellbildung wagen und dabei auch noch weitgehend mathematische Methoden verwenden? Kann das gut gehen? Klar doch, denn es bleibt ja alles beim Alten!

Abgesehen von ein bisschen Quantenphysik und Radioaktivität, widmen sich DIE KASSIERER wieder ihren Lieblingsbotschaften “Saufen, Ficken, Kot“ und der wichtigsten von allen, die da lautet: “nicht zur Arbeit zur gehen.“ Unter den 21 Songs, die gesprochene Grußliste am Ende nicht mitgerechnet, finden sich fünf Coversongs, na ja, sagen wir mal 4 ½, oder runden wir besser gleich auf 4 ab, denn ROLF ZUCKOWSKI´s “Weihnachtsbäckerei“ erstrahlt aufgrund neuer Handlung und dem Namen “Wirtshausschlägerei“ in neuem Glanz. Ist auch besser so, denn den Originaltext fand ich bedenklich und jugendgefährdend noch dazu. Für alle die den alten Text nicht kennen. ROLF ZUCKOWSKI belegt dort ein kleines Kind mit der Bezeichnung „Du Schwein“, weil es sich vor dem Kuchenbacken die Finger nicht gewachsen hat. Unmöglich und unverantwortlich! Da sind DIE KASSIERER schon nachdenklicher, z.B. wenn sie sich fragen, wenn denn bitteschön das Kind mit dem Hammer geweckt hat, oder dankbarer, wenn sie Gott für die Erfindung des Alkohols danken, oder einfach nur zukunftsorientierter, wenn sie mit MAMBO KURT “No future, das war gestern“ von sich geben und Wölfi dabei auf Hip Hopper macht.

“Physik“ erregt nicht unbedingt auf den ersten Blick Aufsehen, aber nach gemeinsamer Zeit entdeckt man, welche Abenteuer in ihr stecken. Der Stoff aus dem die Texte sind, wirkt für die Kritiker zeitweise flach, für die Liebhaber aber bis ins kleinste Detail durchdacht und einzigartig. „Denn viele meinen, sie saufen nur, doch was sie machen ist Kultur, ihre Texte bleiben nach wie vor frivol, das liegt wohl am Alkohol“. Die Musik ist wie immer als trashiger Punk mit großer Zuneigung für kreative Experimente zu schildern und wie immer wird es auch so bleiben, das wer DIE KASSIERER vorher mochte, sie auch weiterhin mögen wird und wer sie bisher nicht leiden konnte, ihnen auch hiermit nicht näher kommen wird. Ich würde mich am liebsten zur Gattung der neutralen Beobachter zählen und stehe irgendwo dazwischen. Mal geht’s, mal geht’s nicht. Hin und wieder gerne, aber nicht durchweg! Spike

www.kassierer.de