BROILERS + THE SUGARETTES (Aschaffenburg / Coloss Saal 03.09.2010)

Ich hatte ja lange Vorbehalte gegen die  BROILERS, wegen dem Oi im Namen. Immer mal wieder bekam ich sie bei Kollegen zu hören oder mal ne´ CD zugesteckt. Zünden wollten sie bei mir nicht so richtig. Erst als ich mir die DVD „The Anti-Archives“ ansah, konnte ich mich richtig drauf einlassen. Eine Band mit nem „ausländischen“ Sänger, die derart sympathisch rüberkommt, konnte ja fast nicht rechtsoffen sein. Die BROILERS äußern sich ja da auch als einige der wenigen ganz klar und eindeutig. Von da an liefen die Platten bei mir rauf und runter und das Lied „Eine Nation“ ist eins der besten 10 deutschsprachigen Punkrocksongs für mich. „Mit Blut an den Händen schaltet ihr um…“, das sagt mehr über das deutsche Volk, als 100 andere Platten zusammen. Soviel zur Lobhudelei.

Heute sollte ich also zum ersten mal die BROILERS live sehen. Leider hab ich die Zeiten verpasst, als sie noch als rotziges Quartett unterwegs waren. Live sind sie ja inzwischen zu siebt. Die Orgel und die Bläser haben aber nicht weiter gestört, dazu später mehr. Ich war gespannt, wie viel rechtsoffenes Gesox anwesend sein würde und wie groß die Halle ist. Ich dachte, die BROILERS spielen nur noch 1000er Hallen und noch größere, das Coloss Saal war aber eine nette 500er Spelunke! Mitten drin statt nur dabei also. Tja, meine Erwartungen, was das Publikum angeht, wurden voll bestätigt. Überall ONKELZ, FREI.WILD, KRAWALLBRÜDER und noch schlimmere T-Shirts und passende Knast-Tattoos. Das konnte ja heiter werden.

Nachdem die Vorgruppe SUGARETTES aus Köln, eine recht coole Rock´n´Roll Truppe mit Kontrabass ihr Set beendet hatte, gab es lustige BÖHSE ONKELZ Texte von der Menge zu hören. So Dinger wie „ Im Land der Kakteen werden wir wieder Weltmeister sein…“ und so´n Kram. Mein Kumpel Martin E. fing augenblicklich an zu pöbeln. Na super! Zu zweit gegen 500. Ich konnte ihn zum Glück überzoigen, das wir diesen Kampf heute nicht gewinnen würden. Also besannen wir uns wieder auf´s wesentliche. Ich hatte ja eh damit gerechnet. An dem Abend galt für mich aber die Devise, mir mein erstes BROILERS Konzert von solchen Arschlöchern nicht vermiesen zu lassen. Vom Band lief dann wohl zur Beruhigung der Massen „If the Kids are united“. Na ja, scheiß auf united sach ich nur.

Nach einer relativ langen Umbaupause lief dann endlich das Intro der aktuellen Platte „Vanitas“ und augenblicklich kochte die Stimmung über. In Sekunden war man pitschnass geschwitzt und der ganze Saal gröhlte mit. Und ich alter Sack mitten vorne drin als Gummiball im Grauzonen-Sturm. Die BROILERS spielten Hit an Hit und relativ früh kam auch schon mein Lieblingslied „Eine Nation“. Es wurden relativ viele alte Songs gespielt, was sie laut Martin E. nicht mehr so oft tun. „Paul der Hooligan“, „Blaue Auster“, „In 80 Tagen um die Welt“, „Dumm und Glücklich“ usw. Mir gefallen ja die neueren Sachen der letzten 3 Scheiben besser. Ist nicht mehr so Oi-lastig. Ich wurde gut bedient, „Geboren um zu gewinnen“, „Verdikt Rache“, „Ruby“, „Ich bin bei dir“, „Hexenjagd“, „Ich sah kein Licht“ usw., Hit an Hit. Als Sänger Sammy seine obligatorische, klare Ansage gegen Nazis startete, gab es ca. 50% Jubel und 50% gestreckte Mittelfinger. Keine Ahnung, warum die Bewohner der grauen Zone noch auf BROILERS Konzerte gehen, wo sie doch ganz klar gedisst werden… Bizarres Szenario sag ich da mal…

Hm, dank ner Menge Bier und Cocktails kann ich den genauen Ablauf nicht wieder geben, aber ich denke, sie werden gut 2 Stunden gerockt haben. Zweimal kamen sie für Zugaben zurück. Trotz des bekloppten Publikums, war es eines meiner besten Konzerterlebnisse. Ich werde mir die BROILERS mit Sicherheit noch öfter ansehen, und das nicht nur wegen der Bassistin, die alle meine broilershörenden Kumpels so toll finden. Auf jeden Fall ein gelungener Abend, der mir den Besuch des Weinfestes in Bernkastel-Kues an diesem Tag zumindest ersparte. Dort war ich aber Donnerstag und Samstag unterwegs, auch so ne´ Grauzonenveranstaltung, haha, nur anders. 200000 Affen auf einem Haufen. Aber das ist ne´ andere Geschichte… Kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt 3 Tage am Stück saufen war. Muss lange her sein. Gute Nacht!