HC ROTH – WIE ICH VERFLUCHT WURDE UND DIE ZEIT STILL STAND – EIN HEAVY-METAL-MÄRCHEN

HC ROTH – WIE ICH VERFLUCHT WURDE UND DIE ZEIT STILL STAND – EIN HEAVY-METAL-MÄRCHEN
Edition PaperONE
Lützener Straße 77
04177 Leipzig

Der versiffte, versoffene Metal-Freak Rafaello erbt die alte Taverne seines Großvaters am Fuße des Monte Baldrian, direkt am Lago di Sparta. Natürlich bekommt er auch eine Auflage: Die Taverne soll genau so erhalten bleiben. Doch Rafaello kümmert sich einen Dreck darum, denn er will die atmosphärische, dunkle Kneipe in einen fetten Metal-Schuppen umwandeln. Allerdings hatte Rafaellos Großvater die Kneipe beim Pokern von dem knorrigen Griechen Mephistoles gewonnen, der die Kneipe verflucht hat. Plötzlich stößt Rafaello auf eine Leiche, landet selbst im Krankenhaus und sollte das Eröffnungskonzert ausfallen hat Band-Manager Cornelius schon mit Blutvergießen gedroht – der Showdown kann beginnen.

Soviel zum erst mal Inhalt des Heavy-Metal-Märchens, der zweiten Buchveröffentlichung von HC Roth, ‘Anarcholiedermacher und Undergroundliterat’ aus der Schwarzennegger-Metropole Graz in Österreich. Die Story dieses Märchen ist eigentlich ganz nett ausgedacht, auch wenn das Motiv nicht gerade neu ist. Roth setzt diese dann aber relativ düster, morbide und verworren um. Am Anfang jedes Kapitel weiß man eigentlich nicht genau wo man sich nun gerade befindet – gab es einen Zeitsprung, was ist in der Zwischenzeit passiert, ist das nur eine Vision? Der Leser wird hierbei schon etwas gefordert, der kaum erkennbaren Linie zu folgen, was mir sehr gefällt. Am Schluss werden dann alle Fäden zusammen geführt, so dass man erst jetzt weiß, was wann geschehen ist.

Leider bleiben die einzelnen Figuren dabei sehr oberflächlich. Die Charaktere werden nicht vertieft, nicht einmal die Hauptperson, so dass es eigentlich keine Identifikationsfigur gibt. Auch hätte man die Reise in die Unterwelt mehr vertiefen können. Interessant und zur Verwirrung beitragend ist der Wechsel der Erzählperspektive zwischen Ich-Erzähler und Dritter Person. Sehr nervig ist allerdings, dass Roth es nicht lassen kann, ellenlange Sätze mit zig Aufzählungen oder Vergleichen zu basteln, so dass es sogar beim lesen manchmal anfängt zu Leiern und man beginnt, die weiteren Zeilen zu überfliegen. Etwas lächerlich sind auch die Namen der einzelnen Figuren. Skurrile Namen sind zwar nett, aber hier wird schon etwas übertrieben: Raider-Twix Rafaello, Merci Moncheri, Manuela Tortellini oder Luigi Quattroformaggi ist mir dann doch etwas zu billig. So werden in dem Märchen leider eine gute Grundidee und ein ungewöhnlicher, interessanter Erzählstil durch schlechten Satzbau, Oberflächlichkeit und lächerliche Plattitüden verhunzt. Mirko

www.myspace.com/hcroth