MELANIE & THE SECRET ARMY

MELANIE & THE SECRET ARMY, kurz MSA, sind vielen sicherlich noch mit ihren COCK SPARRER Songs im Ohr. Doch die Coverband von einst, gehört längst der Vergangenheit an, denn mittlerweile ertönt eigenes Material aus den Verstärkern der Ruhrpott Combo. Wie sich das genau anhört, konnte man ihrem kürzlich auf die Zuhörerschaft losgelassenen Album “Wahre Lügen“ entnehmen. Eine Platte, die ohne die üblichen Klischee Texte auskommt, die durchweg ehrlich und nicht aufgesetzt wirkt und die mit Ohrwurmmelodien nicht geizt. Das aktuelle Album war sozusagen die beste Empfehlung für ein Interview, dass wir schließlich mit Melanie und Marcel führten und das so schöne Themen wie z.B. Internethetze oder Subkultur als Modetrip anschneidet. Auf geht´s!

Ugly Punk: Der erste Satz der MSA Bandinfos lautet: “Die Band MELANIE AND THE SECRET ARMY entstand durch das Geburtstagsgeschenk eines guten Freundes an Melanie.” Hat Dir jemand zum Geburtstag ein paar Aufnahmen, bzw. gleich eine ganze  Band geschenkt oder wie kann man sich das vorstellen?
Melanie:
Es hat mir jemand die Möglichkeit geschenkt im Studio ein paar Songs aufzunehmen, die Band entstand dann drumherum. War ja nicht der Plan gewesen wirklich eine Band daraus entstehen zu lassen. Hat sich dann aber Gott sei dank so ergeben.

Ugly Punk: Hattest Du diesen Wunsch vom Studioaufenthalt irgendwann mal geäußert oder wusste da jemand schon im Vorfeld von Deinen stimmlichen Qualitäten? Es ist ja doch schon ein sehr außergewöhnliches Geschenk.
Melanie:
Ja, er wusste von meinem Wunsch und er wusste auch, das ich gerne mal so tun würde, als könnte ich singen, ha ha. Da er gerade sein Studio eröffnet hatte, wollte er mir diesen Wunsch erfüllen. Beagle hat auch die Gitarre auf der ersten Platte eingespielt.

Ugly Punk: Ziemlich schnell war ja dann auch die Idee einer COCK SPARRER Coverband geboren. Warum COCK SPARRER und nicht SHAM 69 oder THE BUSINESS? Was genau verbindet Ihr mit dieser Band oder was hat den Reiz  ausgemacht, sich den Songs dieser Band zu widmen?
Melanie:
COCK SPARRER weil ich diese Band einfach liebe, natürlich liebe ich auch noch eine ganze Menge anderer Bands, so ist das nicht. Aber zu der Zeit waren es nunmal CS. Und es musste ja singbar sein für mich als Frau. CS ist eine der wenigen Bands, die ich über Jahre hinweg regelmäßig auflege, nicht nur dem Gemüt nach.

Ugly Punk: Mittlerweile schreibt Ihr eigene Songs, wie auf Eurem aktuellen Werk “Wahre Lügen” unschwer zu überhören ist. Warum habt Ihr Euch umorientiert?
Marcel:
Wir haben im Februar 2009 zusammen mit COCK SPARRER auf dem Punk and Disorderly Festival zusammen gespielt. Da war für uns eigentlich klar, dass das Kapitel Coverband damit beendet ist. Was soll da noch groß kommen??? Dann gab es halt zwei Optionen. Auflösen oder eigenes Material schreiben. Und da wir uns als Band aber sehr gut verstehen, lag es eigentlich auf der Hand weiterzumachen.

Ugly Punk: Stand die Option, sich z.B. an das Liedgut weiterer älterer britischer Kapellen zu wagen auch zur Diskussion oder war das Thema eine reine Coverband zu bleiben ein Thema, mit dem man sich nicht beschäftigte?
Melanie:
Wir hatten anfangs darüber gesprochen ob wir noch mal eine Coverplatte machen. Wir hatten da auch ein paar Ideen gesammelt, bis ich angefangen habe Texte zu schreiben. Damit hatte sich das dann erledigt. Die Jungs hatten sofort Spaß daran neue und eigene Songs zu schreiben und somit war das Cover Ding gegessen.

Ugly Punk: Gehen wir mal auf ein paar Texte der neuen Scheibe ein, die ja größtenteils auf persönlichen Erfahrungen beruhen. “Held der Tatstatur”, ein Lied über Leute, die über das Internet irgendwelche Lügen verbreiten, im Regelfall natürlich anonym. Wurdet Ihr selbst mal Opfer irgendeiner Internetlügen oder warum lag es Euch auf dem Herzen, dieses Thema in einem Song zu verarbeiten?
Melanie:
Zu Beginn von unserer Band gab es jede Menge netter Sachen, die im Internet geschrieben wurden, teils so persönlich, dass es schon unter die Gürtellinie ging. Aber mich nervt es nicht nur wenn es mich betrifft, meiner Meinung nach zerbricht der Spirit, den alle immer so hoch schreiben, an diesen ganzen Scheiß Internet Geschichten. Und das geht mir einfach auf die Nerven und musste somit mal gesagt werden.

Ugly Punk: Denkt Ihr das waren Leute die Euch kannten und Euch irgendwas nicht gönnten oder waren es eher irgendwelche Personen, die irgendwann mal irgendwas gehört hatten?
Melanie:
Die meisten Schreibereien waren von Leuten, die ich persönlich nicht kannte. Über Musikgeschmack kann man sich streiten und ich kann mit Kritik auch umgehen, wenn jemandem nicht gefällt was wir machen, ok, aber was mein Gewicht und mein Aussehen mit dem Album zu tun hatten, habe ich nicht verstanden, denn das ist ja wohl nicht wichtig. Ich denke, daher spielt der Neid der Besitzlosen sicherlich auch eine große Rolle.

Ugly Punk: Das Internet wird ja gerne mal als guter Nährboden für Lügen oder schlecht recherchierten Unfug genutzt. Kann oder sollte man als Band in irgendeiner Form darauf reagieren oder reicht es darauf zu hoffen, das die Leser sicherlich nicht alles glauben werden, was über eine Band geschrieben steht?
Melanie:
Ich würde sagen das hängt davon ab, was geschrieben wurde. Wenn ich auf jede scheiße reagiert hätte, die im Netz über mich geschrieben wurde, na da hätte ich aber ne Menge zu tun gehabt. Ein kurzes Beispiel bei dem ich reagiert habe: Es gab bei youtube ein Interview Video und der Kommentar Blog darunter wurde auf einmal zur Plattform der übelsten Beschimpfungen, inklusive Drohungen per Privatnachricht der besagten Person. Da habe ich denjenigen der das Video eingestellt hat, drum gebeten es herauszunehmen, weil ich diesem Arsch keine weitere Plattform mehr bieten wollte. Er behauptete dort ich wäre ein Nazischwein, was man ja an meinen Haaren sehen kann und man müsste mich bekämpfen. Da auf Verständnis der Leser zu hoffen ist sehr naiv und mich selber hat es auch gestört und so handhabe ich das immer. Stört es mich reagiere ich, stört es mich nicht, leckt mich am Arsch.

Ugly Punk: Im Song “Wie schön dich heut zu sehen” setzt Ihr Euch kritisch mit der Damenwelt unserer Szene auseinander, denen es nicht um die “Sache” sondern um den Style geht. Ist es in Euren Region gerade schwer angesagt, dass die “Renees” von heute, morgen schon wieder im “Rock´n´Roll” Style rumlaufen?
Melanie:
Ja so ist es, und für genau diese Damen ist dieses wunderschöne Lied. Ich hoffe ihr wisst wen ich meine ha ha. Hier sprießt der weibliche Nachwuchs teilweise wie das Ungeziefer aus dem Boden und hat man sich gerade an das Gesicht gewöhnt, ist es auch schon wieder wech, fängt schleichend an der Prozess mit Cut und Kirschenspängchen, dann kommt das passende Täschchen dazu und dann dauert es nicht mehr lange und eine neue Punk and Rollerin ist geboren.
Marcel:
Da kann Melanie sicher mehr zu erzählen, aber ich sehe das auch häufig bei Männern. Gestern noch Hardcore, heute Hip Hop oder was weiß ich.

Ugly Punk: Nun könnte man auf Ursachenforschung gehen. Liegt es neben dem Style auch am Selbstfindungsprozess, an der Musik oder daran, dass die Rock´n´Roll Mode einfach gesellschaftsfähiger ist? Habt Ihr wegen diesem Song schon einige Feedbacks von denen bekommen, die sich vielleicht angesprochen fühlten?
Melanie:
Meiner Meinung nach ist es heutzutage einfach viel zu leicht sich einer Subkultur anzuschließen. Du machst den PC an, googelst ein wenig, kleidest dich dann bei ebay ein und fertig ist der Nachwuchs Skinhead oder Punk. Du gehst auf Konzerte, keinen kümmert es das du neu bist und wenn du merkst das ist doch nichts für dich, biste wieder weg. Es wird dem Nachwuchs viel zu leicht gemacht. Früher lernte man von den Alten worum es geht, klebte an deren Lippen wenn die was erzählten, man orientierte sich an deren Klamotten und fing an das zu kopieren, man musste sich mit den Alteingesessenen beschäftigen, um diese Kultur überhaupt zu verstehen. Das alles braucht man heute nicht mehr, deshalb ist es für manche wohl nur ein kleiner Modetrip. Im Punk´n Roll Bereich landet man wahrscheinlich, wie du schon sagtest, weil es einfach alltagstauglicher ist. Aber das ist meine Meinung über diese Sache und es gibt ja auch Gott sei dank Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Ein Feedback derjenigen die sich angesprochen fühlen? Nö!

Ugly Punk: Der vielleicht emotionalste Song der Platte ist “Engel”, ein Liebeslied für Deine Tochter. Da ich selbst stolzer Vater einer Tochter bin, ist man bei so einem Lied natürlich gerührt und kann es bestens nachvollziehen. Aber mit der Textaussage, dass diejenigen die keine Kinder haben wollen, einem leid tun können, können sich einige Zuhörer (zumindest die, die sich bewusst dazu entschieden haben kinderlos zu bleiben), bestimmt nur schwer identifizieren. Und wenn ich mir manche Menschen so anschaue, finde ich es sogar beruhigend, dass sie keine Kinder haben wollen. Oder irre ich da?
Melanie:
Da hast du sicher recht, das dem manchesmal so ist. Aber wenn ich Texte schreibe, dann ist das nun mal meine Meinung. Das die nicht jedem passen wird ist auch klar, aber so ist das denke ich bei jedem Song den man schreibt. Für mich ist es einfach das Schönste was man auf dieser Welt mitnehmen kann und jeder sollte dieses Wunder der Natur erleben. Wenn sich jemand dagegen entscheidet ist das absolut in Ordnung. Trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass der oder die jenige mir leid tut, weil sie dieses tolle Gefühl Vater oder Mutter zu sein verpasst. Aber ich gebe dir Recht, bei manchen sollten wir darauf hoffen, dass sie besser keine Kinder bekommen.

Ugly Punk: Candace von WALLS OF JERICHO ist als Gastsängerin bei “All the lessons” auch mit von der Partie. War da harte Überredungskunst gefragt oder bestanden da im Vorfeld irgendwelche Kontakte?
Marcel:
Nein, überhaupt nicht. Candace kannten wir von diversen Festivals und Konzerten, und sie mochte diese COCK SPARRER Geschichte. Dann sagte sie halt mal, dass sie auf der nächsten Platte unbedingt mitmachen möchte und so kam eins zum anderen. Sie hat einen super Job gemacht, genau wie der ehemalige PRIMAL FEAR Klampfer Tom Naumann, der bei MSA ein super Solo für uns eingespielt hat.
Melanie:
Frauenpower!!!! Wie Marcel schon sagt, wir mussten sie nicht Überreden, ganz im Gegenteil, und ich freue mich wahnsinnig, dass dieses Duett geklappt hat. Und bin stolz mit solch einer außergewöhnlichen Frau einen Song zusammen eingespielt zu haben. Ich durfte ja auch schon live mit ihr in Oberhausen auf der Bühne stehen und “Trigger full of promises“ singen, nicht gerade einfach, hat aber saumäßigen Spaß gemacht.

Ugly Punk: Nun sind bei MSA ja auch ein paar Musiker am Start, die unverkennbar der EMSCHERKURVE 77 zuzuordnen sind. Auf der MSA MySpace Seite strahlt einem aber bei den Top Freunden das Wappen von Rot-Weiss Essen entgegen. Gibt das keinen Ärger mit den RWO Fanatikern?
Melanie:
Mein Herz schlägt für den RWE. Selbst zu Hause hab ich so einen Oberhausener sitzen, das funktioniert auch. Man neckt sich gerne mit den beiden Vereinen, aber das passt schon.
Marcel:
Auch wenn ich und Daniel bei EK77 spielen, hat MSA mit dieser Fußball Sache gar nichts am Hut. Es ist ja auch bei EK so, das es sich da schon lange nicht mehr nur um Fußball dreht. Jeder hat seinen Lieblingsverein, genau wie jeder seinen Musikgeschmack hat, und das wird eben respektiert. Wäre doch traurig, wenn man sich wegen Fußball die Köppe einhaut. Das überlassen wir anderen.

Ugly Punk: Seht Ihr MSA als eine Art Projekt an oder ist über die Jahre eine feste Band herangereift?
Marcel:
MSA sind definitiv eine feste Band, die nun schon fast seid 3 Jahren in konstanter Besetzung spielt.
Melanie:
So sieht das aus!

Ugly Punk: Habt Ihr, auf die Band bezogen, irgendwelche Zukunftspläne oder lasst Ihr alles auf Euch zukommen?
Melanie:
Klar hat man die! Ich persönlich wünsche mir, dass wir irgendwann vor einem Publikum spielen, das alle Texte von vorne bis hinten mitgrölen kann. Ob das nun ein Ziel oder ein Wunsch bleibt, lasse ich einfach auf mich zu kommen.

Ugly Punk: Na, das sollte mit der neuem Platte im Gepäck doch bestimmt in Erfüllung gehen können. Euch alles Gute und wie sich das gehört, bedanke ich mich für diesen kleinen Austausch.
Melanie:
Ich danke dir für die gut ausgedachten Fragen. Hat man nicht immer. Und Grüße an dieser Stelle wie immer an meine Leute, MAD, Hooliganstreatwear …