DIE DÖDELHAIE
DIE KELLERRATTEN
ÜBERDOSIS
DIE GEISTER
(10.04.2010 in Stuttgart / Haus 11)
Erst zwei Tage vor dem Termin habe ich von diesem Konzert erfahren. Also schnell die Töle weggeschlossen und ab zum Haus 11. In diesem Jugendhaus finden seit kurzer Zeit wieder mehr oder weniger regelmäßig Deutschpunk-Konzerte statt. Auch wenn die Konzerte dort meist eher schlecht besucht sind, ist es toll, dass es hier im verspießten Stuttgart wieder einige, wenige Locations gibt, die sich trauen, so was zu veranstalten. Schließlich gehört das Haus 11 zu einem Schulkomplex mitten in einem Wohngebiet – also nicht gerade die optimale Lage. Jedenfalls ist es sehr schade dass relativ wenige Punks den Weg dort hin finden. Könnte allerdings auch an der mangelnden Werbung für die Konzerte dort liegen. Nun Gut – mit 10.- €uro Eintritt sollte das Spektakel dann auch beginnen (immerhin weniger als die 14 Steine Eintritt beim Fuckin’ Faces, Zaunpfahl, DDP, Hörinfarkt-Konzert die Woche davor – wobei man dort bis zum Beginn der letzten Band auch nicht mit dem Preis runter ging.)
So waren DIE GEISTER also dazu verdammt, pünktlich um 20.00 Uhr, vor ca. 5 Zuschauern den Abend zu starten. Ziemlich unbeeindruckt von den leeren Rängen gaben die jungen Stuttgarter, die gerade ihre erste 8-Track-CD veröffentlicht haben, richtig Gas und spielten fast eine Stunde lang. Sehr spaßig und trotz der wenigen Zuschauer ein passabler Auftritt.
Danach wurde ÜBEDOSIS auf die Bühne gebeten, die heute mit Ex- und Ersatz-Drummer P.T. an den Start gingen. Das Publikum hatte sich schon fast mehr als verdoppelt, was in dem recht großen Konzertraum aber kaum aufgefallen is. Routiniert zogen die Chaospunks aus Ludwigsburg dann auch ihr Set durch. Schließlich sind die Jungs, auch wenn die Band noch recht Jung ist, fast schon alte Hasen auf der Bühne, so oft wie die spielen. Ob das vielleicht auch ein Grund sein könnte, dass sich nicht mehr Leute hinein gewagt haben? …denn mittlerweile kamen schon einige mehr Leute zum Erlebnispark Haus 11. Da ich ÜBERDOSIS eben auch schon zig mal gesehen habe, war auch mein Gastspiel beim Auftritt relativ kurz.
Trotzdem nicht schlecht und eine feine Einstimmung auf DIE KELLERRATTEN aus Sachsen. Dies ließen sie den Zuseher durch einen am Mikroständer angebundenen Dynamo Dresen-Schal auch gleich wissen. So langsam füllte sich dann auch der Saal. Was DIE KELLERRATTEN dann boten, war sehr energiegeladen. Leider war das für mich aber das einzig positive. Der Sound is mir da doch ‘n bisschen zu ausgelutscht und gewöhnlich. Vielleicht hatte ich durch den Bandnamen DIE KELLERRATTEN und die Herkunft der Band andere Erwartungen. Jedenfalls war das weder Keller noch Ratte, sondern stinknormaler Klischee-Punk. Halt – nochmals etwas positives – eine sehr schöne Ansprache gab es noch zum Thema „Fußball muss bunt sein – nicht braun“ von Sänger Zokki – mit dem dann aber leider anschließenden Fußball-Gröhl-Lied. Auch wenn mich der Sound nicht so anspricht, haben die Boys alles gegeben, um das schläfrige Publikum aufzulockern. Leider mit wenig Erfolg. Aber im Haus 11 kennt man das ja!
Nun war es Zeit für DIE DÖDELHAIE. Ich war mal richtig gespannt, da mir Andys Fröhlichkeit und Scherze manchmal so auf den Sack gehen – ich kann’s gar nicht beschreiben! Trotzdem find ich die ersten beiden Platten so was von genial, so dass ich hier immer so ein ‘WIZO’-Gefühl habe*. Also bin ich erstmal mit höhnischer Fresse da gestanden und nachdem ich die mit Leuchtdioden bestückte Gitarre von Brillen-Punk Mani gesehen hab, dacht ich mir: „Scheiße, sieht der trotzdem nix?“ Zum Glück begann der Auftritt dann auch nicht mit „Hallo, wir sind die Sex Pistols“, sondern mit einer kurzen Beleidigung und schon ging’s los! DIE DÖDELHAIE schossen dann auch Hit auf Hit aus den Rohren und gaben ein paar wenige Lieder vom bald erscheinenden neuen Album zum Besten. Eine kleine, aber wilde Pogotruppe agierte mittlerweile hemmungslos im mittlerweile akzeptabel gefüllten Odeon. Leider gingen mir die Witze von Andy gar nicht so auf den Sack, wie ich erhofft hatte und ich musste doch das ein oder andere Mal grinsen. Trotzdem finde ich es manchmal befremdlich, wenn ich radikal-revolutionäre Texte höre und dann so ‘ne Grinsebacke seh. Da weiß ich leider nicht, in wie weit das ernst gemeint ist. Vor allem mit dem Hintergrund das die HAIE ein Kommerz-Imperium betreiben.
Erstaunlicherweise haben mich DIE DÖDELHAIE an diesem Abend aber schwer begeistert, so dass ich mit einem wohligen Gefühl im Bauch und „Brenn, Bulle brenn!“ im Ohr meine Töle nach zwei Tagen befreien und nochmals durch die Nacht führen konnte.
Mirko
*WIZO-Gefühl = So’ne geile Mucke – und so Typen?!








