ZWAKKELMANN

Der auf dem oben platzierten Bild etwas ernst schauende Herr Schlaffke, zählt meiner Meinung nach zur Gruppe der sympathischsten und authentischsten Künstlern hierzulande. Keiner der sich verstellt und auf hart oder cool machen muss, sondern jemand, der mit seiner offenen Art auch gerne mal sein (und damit vielleicht auch Dein) Inneres nach Außen kehrt. Früher, als Jungspund sozusagen, wirbelte er noch mit SCHLIESSMUSKEL durch die goldenen Fun-Punk Jahre. Heute hingegen zieht er zwar immer noch mit einem kleinen Gefolge, aber auch gerne mal Solo durch die Lande. Sein ständiger Begleiter sind dabei die Geschichten, die das Leben schrieb. Ein paar dieser Geschichten hat ZWAKKELMANN mal wieder zu Papier gebracht und in einen musikalischen Mantel gehüllt. Einen Mantel, der mir so gut passte, als wenn es mein eigener wäre, weshalb ich den guten Schlaffke auch umgehend zu seinem neuen Werk und anderen interessanten Themen befragt habe.

Ugly Punk: Hi Schlaffke! Der Kulturbeutel ist gepackt und in ihm befindet sich Dein neues Album “Kulturbeutel 2010“. Die Veranstalter von Ruhr.2010 verkaufen den ganzen Trubel ja als Deutschlands größtes Ereignis seit der WM. Wolltest Du das Ganze mit dem Albumtitel einfach ein wenig auf die Schippe nehmen oder brodelt tief in Dir ein Hassvulkan, der vor lauter Unverständnis kurz vorm Ausbrechen ist? Wie sieht sie aus, Deine persönliche Meinung zur Ruhr.2010?
Schlaffke: Guten Tach erstmal! Yeah, es ging mir u.a. schon darum, diese ganze Kulturhauptstadtkacke ein bisschen auf die Schippe zu nehmen. So ungefähr, wie wenn man `nen Hundehaufen im Briefkasten eines nervigen Nachbarn entsorgt. Die Idee, der Kultur im Ruhrpott Raum zu geben, fand ich zunächst allerdings gar nicht so übel. Ich bin ja schon `n kulturell interessierter Mensch. Nur ist die ganze Chose selbstverständlich wieder zu einer langweiligen Veranstaltung des Establishments geworden, wo jede Menge Euronen zum Fenster rausgeschmissen werden. Das prangere ich an! Vielleicht, weil ich asozial, nee, als Teil der Subkultur nicht eingeladen werde. Ich bin deshalb aber nicht vom Hass zerfressen und hab auch keine schlaflosen Nächte deswegen. Das Dilemma kenne ich als Ugly Punk ja zur Genüge. Den Plattentitel „Kulturbeutel“ hatte ich, ganz abgesehen von der Ruhr.2010, schon länger auf`m Schirm. Ich hab mich desöfteren gefragt, weshalb so ein Teilchen „Kulturbeutel“ heißt. Was haben Zahnbürste, Seife oder Klopapier mit Kultur zutun? Wahrscheinlich mehr als man glaubt.

Ugly Punk: 16 Songs sind es diesmal geworden, mit überwiegend persönlichen Erlebnissen. Du berichtest vom Saufen und Scheißen, von Sehnsüchten und anderen Süchten, beobachtest Menschen bei der Nahrungsaufnahme und hinterfragst Dich kritisch, ob Du nicht vielleicht asozial bist. Findest Du es nicht unheimlich, dass man sich so gut in Deinen Texten wieder finden kann oder zeigt Dir diese Tatsache nur, dass die Menschen mehr Gemeinsamkeiten haben, als ihnen vielleicht lieb ist?
Schlaffke: Das hast Du gut beobachtet. Bisweilen ziehe ich doch ganz schön blank in meinen Texten. Ich singe häufig über Dinge, die ich erlebt habe, die mich unmittelbar betreffen und bewegen. Dieser persönliche Aspekt ist sicher eine Stärke von ZWAKKELMANN, aber auf der anderen Seite auch wieder eine Schwäche bzw. Gefahr. Ich bewege mich dadurch oft in meinem eigenen Mikrokosmos und mache mich angreifbar, weil ich eben viel von mir preisgebe. Die Texte sind ja auch selten verklausuliert oder mit Metaphern versehen, sondern eher direkt und leicht verständlich. Wenn sich Menschen darin wieder erkennen, find ich das überhaupt nicht unheimlich. Nee, dat freut mich! Das sagt mir, ich steh nicht alleine auf weiter Flur mit meinen bescheuerten Gedankengängen und Sichtweisen. „…Ohne Publikum ist es doch langweilig…“, um mal eine Zeile aus dem ersten Kulturbeutel-Song („Jetzt kommst du“) hervorzukramen. Neulich war ich mit Maks von RilRec unterwegs. Er wollte am Steuer seines Vans `n Brötchen essen und meinte zu mir: „Ey Schlaffke, wegen diesem Lied `Menschen bei der Nahrungsaufnahme´ kann ich im Moment echt nicht in dieses Brötchen beißen. Das ist so widerlich!“ Ich musste mich erstmal schlapp lachen und entgegnete ihm: „Hmm, lecker, hat der Song jetzt schon was bewirkt.“ Aber es gibt ja auch immer noch genügend Menschen, die mit so einer negativen Denkungsweise und Art von Humor nix anfangen können. Denen sich bei solchen Texten der Magen umdreht.

Ugly Punk: Das sind dann wohl diejenigen, denen Du mit Deinen Texten den Spiegel vorhältst und die nach vielen Jahren des Leugnens doch einsehen müssen, dass sie mit ihrem Benehmen auf eine gewisse Art und Weise auch Asozial sind und deshalb mit Dir in einem Boot sitzen – ob sie wollen oder nicht.
Schlaffke: Genau, diese Blödmänner sind dat! Wegen solchen Typen hab ich oft einen im Kahn, nehme Baldrian und leide an Verfolgungswahn!

Ugly Punk: Kommt es bei Dir auch hin und wieder vor, dass Du Deine Texte spät Abends nach ein paar gemütlichen Kannen Pils schreibst und Dir am nächsten Morgen denkst: “Ups, in dem Text von gestern Abend habe ich es mit dem Seelenstriptease vielleicht etwas übertrieben.“ Wie verfährt man dann? Text überarbeiten und zensieren oder lieber schnell ein Bierchen trinken und Augen zu und durch?
Schlaffke: Da muss ich doch flugs ein paar Zeilen aus dem Kulturbeutel-Song „Kontrolliertes Trinken“ auftischen: „…Ich kann nicht ruhig zu Hause hocken / Ganz entspannt bei einem Wein / Muss irgendwo da draußen rocken / Und schlichtweg unvernünftig sein…”. Alkohol konsumiere ich also eher selten zu Hause, weil ich von dem Zeugs schnell unruhig werde und vor die Tür und andere Menschen nerven muss. Es kommt aber häufig vor, dass ich mich im stillen Kämmerlein schon mal ein bisschen warm trinke und dann zeitgleich zur Flasche und Gitarre greife. Das sind dann aber meist nur Grundideen, die entstehen und die ich zwischen Tür und Angel per Diktiergerät festhalte. Eine gewisse Denkfaulheit macht sich dann bereits in mir breit (im wahrsten Sinne des Wortes). Im Grunde vertrage ich nämlich überhaupt keinen Alkohol. Aber diese Ideen sind dann manchmal gar nicht so schlecht, so dass ich sie, wenn ich wieder fit bin, ausarbeite. Ich würde also doch zum Zensieren im nüchternen Schädel tendieren! Wenn ich mir nach`m Saufen zu Hause noch `nen Absacker genehmige, kriege ich überhaupt nichts mehr gebacken. In solch einem Zustand kann ich nur noch irgendwelche düsteren Songs hören und vielleicht noch `ne peinliche SMS vom Stapel lassen. Das sind dann oft Zeilen, die ich am nächsten Tag gerne wieder rückgängig machen oder zumindest zensieren würde.

Ugly Punk: Mit dem Titel “Abstürzende Tontauben“ ist auch ein Song vertreten, in dem Du Dich kritisch mit dem Thema Reunion auseinandersetzt. Ich meine zu vernehmen, dass dieser komplett frei von humoristischen Textpassagen ist und frage mich, ob Du dabei bestimmte Bands im Hinterkopf hattest? Geht es um internationale Rockgrößen, die es noch mal wissen wollen, oder hat Dich die kürzlich bzw. immer noch geführte Debatte über die Gagenforderungen von SLIME und WIZO ein wenig dazu inspiriert?
Schlaffke: “Abstürzende Tontauben“ ist zu einem Zeitpunkt entstanden, als eine SLIME- oder WIZO-Reunion noch nicht bekannt war. Ein bisschen hatte ich allerdings den bevorstehenden SCHLIEßMUSKEL-Auftritt beim Force Attack `09 im Hinterkopf, welcher im Endeffekt ja gar nicht schlecht verlaufen ist. Ich wollte den Song eigentlich sogar zusammen mit den MUSKELN spielen, was doppelt lustig gewesen wäre, wozu es allerdings nicht gekommen ist. Beim Schreiben dachte ich aber eher an `ne fiktive Kapelle. Natürlich auch nicht an DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN, was einige Leute bereits vermutet haben. Das kleine Wortspiel “Abstürzende Tontauben“ gefiel mir schlichtweg in diesem Bezug. Dat passte wie Ton auf Taube. Klar, diese ganzen Reunions haben ja immer irgendwie `nen fuck Beigeschmack. Wenn es sich nur noch um die liebe Kohle dreht, wird’s echt ekelhaft. Das möchte ich aber SLIME und WIZO absolut nicht unterstellen. Ich weiß ja selbst nur all zu gut, wie verführerisch Reunion-Gigs sind. Na ja, bei SLIME hat die Sache sicher noch `ne andere Brisanz, weil es ja `ne hochpolitische Band war/ist, sie kein neues Material am Start haben und einer ihrer wichtigsten Köpfe fehlt. Wir werden sehen. Ich gönne ihnen jedenfalls diese Highlights.

Ugly Punk: Da scheiden sich ja gerade die Geister. Die einen sagen: “Wenn die Veranstalter die geforderten Summen zahlen können, würde nichts dagegen sprechen“, die anderen hingegen “das die geforderten Gagen in keinem Verhältnis zu den anderen Bands stehen“. Du singst ja in Deinem Song von Ikonen, die sich selbst zerstören. Mal abgesehen davon, dass man Punkmusiker in der Regel ja nicht als Ikonen ansieht und das den Musikern diese Highlights sicherlich gegönnt sein mögen – wie groß schätzt Du persönlich die Gefahr ein, bei einer Reunion den guten Bandnamen aufs Spiel zu setzen oder unglaubwürdig rüber zu kommen? Du hast das ja mit SCHLIEßMUSKEL auch in einer gewissen Form durchlaufen. Mit welchen Ängsten und Zweifeln hat man vor solchen Reunionen zu kämpfen und was geistert einem da durch den Kopf?
Schlaffke: Diese Gagenforderungen beruhen natürlich auch auf dem Angebot- und Nachfrage-Prinzip. Die Masse verlangt ja scheinbar danach. Dementsprechend kommt eben jede Menge Kohle rein, die u.a. in den Taschen der Bands landet. Dat is` sicher ungerecht gegenüber Combos, die für ein läppisches Handgeld zum Tanze aufspielen. Aber im Gegensatz zu Kopflinien (Headlinern) meinetwegen beim „Rock am Ring“ sind das echt noch Peanuts. Dieses Musikbusiness is` doch bisweilen so was von abartig! Wenn`s danach ginge, hätte ich die Plörren längst hinschmeißen müssen. CHARLES BUKOWSKI hat in etwa mal über MICKEY ROURKE gesagt, der er ihn in dem Film „Barfly“ darstellte und dafür bei weitem mehr Gage bekam als er für`s Schreiben des Drehbuchs: „Der verdient zwar 1000mal mehr als ich, aber das heißt nicht, dass er 1000mal besser ist.“
Also mit Ängsten und Zweifeln kenne ich mich wahrlich aus, aber das ist `ne andere Geschichte. Ich denke, zunächst spielt bei so `ner Reunion das Alter `ne Rolle. Wir haben uns mit SCHLIESSMUSKEL z.B. gefragt, wie die Leute wohl reagieren werden, wenn sie unseren mittlerweile knapp 2-Zentner schweren Böckler (Bassist von SM) auf der Bühne sehen? Nee, mal im Ernst, es ging uns eigentlich nur darum, nochmal `nen tollen, unvergesslichen Tag mit unserem kleinen Rock zu erleben. Aber wir hatten natürlich auch nicht vor, uns zu blamieren und waren uns zunächst nicht darüber im Klaren (he, he, es war `ne Schnapsidee!), ob wir`s musikalich überhaupt noch bringen. Nach den ersten Proben stellten wir allerdings fest, dass wir die alten Kamellen doch noch drauf hatten. Die letzte Probe ist übrigens in einem heillosen Besäufnis geendet. Insofern sind wir das Konzert recht relaxed angegangen. Da stand ja auch kein so großer Druck dahinter.

Ugly Punk: Was war denn für Dich die wichtigste und beste Reunion bisher und welches war die Peinlichste? Nicht speziell auf den Punk-, sondern generell auf den Rock-/Pop- Sektor bezogen.
Schlaffke: Also die beste war wohl die der besten Band der Welt, nämlich die von DIE ÄRZTE! Das hat damals wirklich Sinn gemacht bzw. macht es heute noch. Sie hatten neue Hits im Gepäck, sahen immer noch frisch aus und spielten besser denn je. Ich hab sie damals in Köln in `nem relativ kleinen Laden gesehen und fand den Auftritt schlichtweg grandios. Durfte die Herren sogar noch interviewen. Verkatert vom 10-Jahre-SCHLIESSMUSKEL-Konzert am Tag zuvor taperte ich in ihren Backstageraum, derweil Herr Urlaub mich zunächst einmal maßregelte, ich solle doch bitte schnell meine Zigarette ausdrücken, er müsse nämlich gleich noch `ne Menge singen. Ha, ha, hab ich natürlich sofort gemacht! Aber Bela war total nett und hat mir u.a. geholfen, das Aufnahmegerät in Gang zu bringen. Die peinlichste Reunion war für mich wohl die von THE SWEET. Ich bin immer noch `n riesen Fan ihrer genialen 70er-Jahre-Glamrockkracher wie beispielsweise „Hell Raiser“, „The Ballroom Blitz“ oder „Teenage Rampage“. Aber das, was sie später  abgezogen haben, grenzte an schwerer Körperverletzung. Zwischendurch waren nämlich zwei oder drei THE SWEET unterwegs. Ein Torso mit einem völlig aufgedunsenen Andy Scott an der Gitarre, sowie `n Rumpf um Sangesikone (in diesem Falle passt dat) Brian Connolly, der es kurz vor`m Delirium tremens mit NEW SWEET noch einmal wissen wollte. In diversen, perversen Oldie-Shows gaben sie ihre Evergreens mittels Vollplayback in miserablen Neueinspielungen zum Schlechtesten. Übrigens macht Andy Scott diese Ferkeleien heute noch. Brian Connolly verstarb bereits 1997. RiP, alter Haudegen! Traurig, aber doch irgendwie sympathisch. Sie hatten kreativ gesehen eigentlich nichts mehr zu bieten und konnten nicht ansatzweise an ihre alten Erfolge anknüpfen. Zum Glück haben sich die BEATLES, THE CLASH oder TRIO nie wieder neu formiert!

Ugly Punk: Obwohl in Deinen Liedern keine Geschichten über Straßenschlachten oder Bullen erzählt werden und auch die Musik recht geschmeidig und melodisch ist, genießen ZWAKKELMANNs Töne in Punkrockkreisen doch breite Akzeptanz und haben viele Freunde. Gibt es eine Erklärung dafür, dass Deine Songs auch härtere Punkrockherzen begeistern können oder klingt da ein gewisser Respekt gegenüber der SCHLIESSMUSKEL Zeit noch nach, ähnlich wie es teilweise auch bei BUT ALIVE und KETTCAR den Fall ist?
Schlaffke: Schwer zu sagen. Kann gut sein, dass ich hier und da noch ein wenig von alten MUSKELN-Zeiten profitiere. Aber es wachsen ja auch jede Menge jüngere Hörer nach, die von SCHLIESSMUSKEL noch nie `ne Blähung vernommen haben. Trotzalledem wissen die meisten wahrscheinlich, dass ich schon ellenlange dabei bin und meinen Stiefel als Marathonmann hartnäckig durchziehe. Ich kenne ja mittlerweile auch jede Menge Leute, die sich im Dunstkreis der Punkszene bewegen. Mein Gott, seit 1983 mach ich diesen Scheiß für ein paar kümmerliche Hallelujas! Aber wie dem auch sei, ich glaube, dass manch einer schon mitkriegt, da singt jemand, der sich nicht großartig verbiegen lässt und einen auf dicke Hose macht. Wenn wir beispielsweise beim „Punk im Pott“ auf`er Bühne stehen und ich dem Publikum erkläre, unser Schlagzeuger möchte `n Päusken einlegen, weil er `n Butterbrot essen muss, mach ich das nicht nur aus Spaß, sondern um den Leuten zu vermitteln, dass wir doch auch nur kleine Lutscher sind und um die Show etwas ad absurdum zu führen. Es gibt glücklicherweise immer wieder auch Punks, die so was sympathisch finden, auch wenn wir jetzt sicher keinen reinrassigen Deutschpunk mit politischen Parolen kredenzen. Lieder über Straßenschlachten oder Bullen fand ich, eventuell weil ich aus `nem kleinen Kaff komme, schon als Teenager öde. Kleine Geschichten, z.B. über das Scheitern am Rande auf dem Lande, liegen mir weitaus näher.

Ugly Punk: Hast Du Dich denn schon mal von irgendwelchen Punkrockpolizisten oder Kidpunks für Deine Musik, die in deren Ohren vielleicht nicht Punkrock genug ist, rechtfertigen müssen?
Schlaffke: Mit SCHLIESSMUSKEL kam das früher vereinzelt vor, mit ZWAKKELMANN hingegen, so weit ich mich erinnern kann, seltsamerweise noch nie. Vielleicht denken sich die Kidpunks: „Ach, lassen wa mal den Opa da in Ruhe. Der steht doch kurz vor der Rente.“ Nee, ich glaube, dass viele Jungpunks die ganze Punkklamotte mittlerweile etwas entspannter sehen, als ihre Mütter und Väter vor 20, 30 Jahren. Ich finde diese Entwicklung, mal ganz abgesehen von dieser Grauzonen-Geschichte und stumpfer, unkritischer, konsumorientierter Denkweise, gar nicht so verkehrt. Solang diese Jungs und Mädels neben ZWAKKELMANN, Bands wie z.B. SUPERNICHTS, MADSEN, BAUCHTANZGRUPPE PULLEBAUCH oder EISENPIMMEL hören, ist das doch völlig okay. Vielleicht hängt diese Entwicklung auch mit dem stets verfügbaren Überangebot an Bands im Internet zusammen. Jeder pickt sich das heraus, worauf er gerade Bock hat. Wurschtelt hier, wurschtelt dort. Aber noch was zum Thema Punkrockpolizisten. Ich weiß, Du meinst damit was anderes, aber egal. Als Ede und Böckler (beide Ex-SCHLIESSMUSKEL) sich das Force Attack-Gelände genauer angucken wollten, hielten einige Punks sie für Zivilbullen. Ich hab mich bepisst vor Lachen, als ich davon hörte.

Ugly Punk: Großartig! Wo wir gerade beim Thema SCHLIESSMUSKEL sind. Wenn ich mich nicht komplett irre, hast Du dass Gitarre spielen ja erst mit dem Ende von SCHLIESSMUSKEL erlernt, richtig?
Schlaffke: Erlernt is` gut – leider bewegen sich meine Gitarrenkünste auf einem recht niedrigen Niveau. Ich hab mir das Stromgitarre spielen ja auch komplett selbst beigebracht. Aber stimmt, erst in den letzten SCHLIEßMUSKEL-Jahren fing ich damit an. Übrigens dummerweise viel zu spät – nämlich mit Mitte 20. Mich hat immer gestört, dass ich beim Schreiben der Songs meinen Mitmusikern lediglich Melodien vorsummen konnte.

Ugly Punk: Glaubst Du denn, manche SCHLIESSMUSKEL Songs hätten sich dann anders angehört, wenn Du des Gitarrenspielens schon früher mächtig gewesen wärest?
Schlaffke: Nee, das glaube ich nich`. SCHLIESSMUSKEL war mehr `ne richtige Band als ZWAKKELMANN. Da hat nicht nur ein Vollhorst die Songs geschrieben. Da wurde mehr auf die Waagschale gelegt und mit anderen Besen gefegt.

Ugly Punk: Was mich ja schon seit längerem interessiert. Warum ZWAKKELMANN? Welche Bedeutung hat dieser Name, bzw. wie ist er genau entstanden?
Schlaffke: Der Name stammt aus dem kultverdächtigen Kinderbuch „Der Räuber Hotzenplotz“. Darin kommt nämlich ein durchgeknallter Zauberer vor, der PETROSILIUS ZWACKELMANN (wohlgemerkt mit „ck“) heißt. Dieser komische Vogel hat sein Süppchen gerne alleine zu Hause gekocht. Da ich meine Aufnahmen ja ebenso mit meinem kleinen Tonstudio weitestgehend im Alleingang zubereite, fand ich das Pseudonym passend.

Ugly Punk: Und auf das “c“ im Bandnamen hattest Du keine Lust?
Schlaffke: Yep, da kam gerade die neue Rechtschreibung auf, dementsprechend war es erlaubt, ZWAKKELMANN mit „kk“ zu schreiben – nicht zu verwechseln mit KKK. Na ja, ich wollte zudem nicht mit dem guten, alten PETROSILIUS verwechselt werden. Vielleicht hätte ich mich besser DIMPFELMOSER nennen sollen? Ach nee, dat klingt zu bayrisch.

Ugly Punk: Nun ist ZWAKKELMANN ja Dein Soloprojekt. Ins Studio oder auf die Bühne nimmst Du aber auch gerne mal Verstärkung mit. Ist ZWAKKELMANN auf dem besten Wege eine richtige feste Band zu werden oder ist das die größte Angst eines jeden Solokünstlers, die er unter allen Umständen zu verhindern weiß?
Schlaffke: Gute Frage. Durch etliche Proben, Aufnahmen und Konzerte sind wir als Trio schon irgendwie zusammen gewachsen. Techt am Schlagzeug (ebenfalls Ex-SCHLIESSMUSKEL) und Moarius OPunktHase an der Bassgitarre sind ja auch von Anfang an mit dabei. Die Jungs wissen aber, dass Onkel Schlaffke sein Zepter nur ungern aus der Hand legt. Ich weiß echt nicht, wie ich reagieren würde, wenn unser Bassmann, der mir übrigens musikalisch/technisch gesehen haushoch überlegen ist, mit `nem eigenen Song angedackelt käme. Glücklicherweise hat er das noch nie getan. Bei Techt brauche ich mir, was das betrifft, bestimmt keine Sorgen zu machen. Andererseits sind meine Mitmusiker aber auch ganz froh, dass sie sich bei ZWAKKELMANN um nichts anderes kümmern müssen, als sich bisweilen von A nach B zu bewegen und die Instrumente zu bearbeiten. Alles andere erledige ich. Nichtsdestotrotz bin ich natürlich total froh, die beiden komischen Käuze an meiner Seite zu haben. Sie tragen sicher auch einen nicht zu unterschätzenden Teil zum ZWAKKELMANN-Sound bei. Wir passen schon sehr gut zusammen! Es ist auch weitaus unproblematischer mit einer Combo aufzutreten, als solo, nur mit `ner Stromgitarre bewaffnet, was ich ja hin und wieder auch mache. Fällt mir gerade ein, während der letzten Probe betitelte mich Techt mehrmals spöttisch als „Chef“. Bei allem Hohn, ich bin sicher keine despotische Autoritätsperson. Endlich mal wieder `n Reim, Herr ZWAKKELMANN!

Ugly Punk: Oder vielleicht eine Inspiration zu einem neuen Song?
Schlaffke: Jedenfalls `n interessantes Thema. Mal schauen, was Schlaffke, der Marthonmann, alias the one and lonely ZWAKKELMANN, vielleicht irgendwann daraus zaubern kann…

Ugly Punk: O.K. Schlaffke Du Marathonmann! War schön sich mit Dir auszutauschen. Danke für die Zeit, die wir Dir stehlen durften und wir sehen uns. In anderen Interviews läuft das Ende ja immer nach dem gleichen Schema ab, aber für diese Unterhaltung hier, hab ich mir folgendes überlegt. Wie wäre es, wenn Dir die letzten Worte gehören würden?
Schlaffke: Abba gerne! Ich bedanke zunächst of course ebenfalls bei Dir, dem Ugly Punk-Zine und last but not least den Lesern. Da ich Hunger habe und lecker Mittach fast fertig ist, möchte ich dieses hübsche Gespräch mit einem Spruch von good old Bukowski beenden: “Alles was ich zu meiner Verteidigung zu sagen habe, sind die Fehler, die ich gemacht habe.”
Prösterchen-Pupösterchen!
Kumma hier……………….mir fällt nichts mehr ein.