ZWAKKELMANN – KULTURBEUTEL 2010

ZWAKKELMANN – KULTURBEUTEL 2010
(RilRec)

ZWAKKELMANN hat wieder zugeschlagen! Dagegen guckt Grönemeyer mit seinem Beitrag zur Kulturhauptsadt 2010 ganz schön blöde aus der Wäsche, denn ZWAKKELMANN hat nicht wie der ehemalige Seitenscheitelträger aus Bochum nur eine allein stehende Hymne in den “Kulturbeutel 2010“ gepackt, sondern gleich sechzehn.

Die erzählen von vielen kleinen Geschichten, die gewollt nicht immer zu Ende erzählt werden, denn die Geschichten von Meister Schlaffke sind manchmal auch die unseren. Sie beginnen immer gleich, aber enden halt manchmal anders. Wenn man hier ehrlich zu sich selbst ist, kann man sich nicht nur einmal wieder finden, aber weiß dafür auch, dass man mit seinen Eigenarten nicht alleine dasteht. Kontrolliertes Trinken erfordert nun mal ein Talent, was nicht jeder besitzt, Menschen bei der Nahrungsaufnahme sind nicht immer was für´s Auge, Scheiße ist nicht immer gleich (mal ist sie hart und manchmal weich) und natürlich sind wir popelnde asoziale Außenseiter. Schlaffke hält sich und uns den Spiegel vor, mit dem Ergebnis, das wir uns in gewohnter und bester Gesellschaft fühlen. Er ist einer von uns, wir sind wie er, Menschen voller Charme und Ironie, aber auch Menschen mit Schwächen, die gerne mal über die Stränge schlagen und dem Rest der Welt vom letzten Saufgelage oder der letzten Scheißhaussitzung berichten. Und natürlich auch Menschen mit Sehnsüchten, denn das Leben ist nicht immer Ponyhof, schon gar nicht für einen Lonesome Cowboy, der eigentlich gar keiner sein möchte. Musikalisch schwört Schlaffke auf altbewährte und ausreichende 3 Akkorde, aber ich möchte fast meinen, dass er da etwas untertrieben hat und es wagt, stellenweise sogar heimlich 4 Akkorde zu spielen, aber den gehassten unnötigen vierten Akkord versucht, an uns vorbei zu schmuggeln. Mit Schmuggeln kennt man sich in ZWAKKELMANN Town Hamminkeln aufgrund der Nähe zu Holland ja sicherlich bestens aus und den passenden Kulturbeutel für Schmuggelware liefert diese Veröffentlichung ja auch gleich mit. Nur eine Aneinanderreihung von Zufällen oder bin ich etwa nichts ahnend durch eine Plattenbesprechung kriminellen Machenschaften auf die Spur gekommen? Nein, es muss wohl am unkontrollierten Trinken liegen, dass meine Phantasie etwas mit mir durchgegangen ist und selbst wenn, Schlaffke ist der Marathonmann und würde mir ja sowieso entkommen.

Zum Ende muss ich noch loswerden, dass ich mich in manchen Passagen mehr an das letzte SCHLIESSMUSKEL Album “Aufstand alter Männer“ erinnert fühle, als an der Vorgänger “Vollhorst“, aber das auch nur so am Rande. Fakt ist – ZWAKKELMANN bleibt auch weiterhin einzigartig und unverkennbar! Steff

www.zwakkelmann.de