UNDERDOG # 31

UNDERDOG # 31
Fred Spenner

Narzissenweg 21
27793 Wildeshausen

Schon wieder ist ein 1/4 Jahr ins Land gezogen und meine Manieren haben sich in diesen 3 Monaten nicht unbedingt gebessert. Ich rülpse nach dem Essen ungeniert am Tisch und meine Tochter gibt diese Geheimsprache dann im selben Lautstärkepegel am nächsten Tag an die Kindergartenkinder weiter. Damit meine Freizeit nicht komplett für Einzelgespräche mit den Kindergartentanten drauf geht, hält “Krieg den Palästen“ für mich den perfekten Benimmratgeber parat, wenn auch auf eine andere Situationen bezogen. Aber mit etwas Phantasie kann man für den Polizisten auch die Kindergartentante einsetzen.

Nach ausführlichen Kolumnen und News aus Musik, Tierrecht und Politik (u.a. einem Gastbeitrag der Jungen Linken gegen Kapital und Nation), ist man auch schon beim Herzstück dieser Ausgabe angelangt. Einem ausführlichen Bericht über die “Hardline“ Bewegung. Ich für meinen Teil konnte mit diesen informativen Zeilen einige Wissenslücken schließen und hab es mir selbst untersagt, auch nur ein Wort zu überfliegen. Nicht weniger uninteressant geht es dann bei einem kleinen Austausch mit Karl Nagel zu. Aber wenn sich schon alle (Patient und Arzt) der Diagnose “Selbstdarstellung“ und “Mediensucht“ einig sind, würde ich als Therapie keine weitere Plattform schaffen, um die Selbstdarstellung und Mediensucht nicht noch unnötig zu unterstützen. Aber ich bin ja auch kein Therapeut, sondern mein Spezialgebiet ist die Kieferchirurgie und neuerdings auch die Urologie. Na ja, man wird eben nicht jünger! Karls Antworten kann man zwar nicht immer zustimmend abnicken, aber der Meister des Chaos schneidet dafür auch mal andere Sichtweisen, jenseits des schwarz/weiß Denkens an, natürlich immer mit der Bereitschaft, sich auch Feinde zu machen. Ein lesenswertes Interview, dass aber persönlich geführt sicherlich noch spannender gewesen wäre, da Fred in einigen Punkten bestimmt schlagfertig unterbrochen, bzw. nachgehakt hätte. Die Antwort, ob man nun tatsächlich von einem therapeutischen Erfolg sprechen kann, überlasse ich in Hinblick auf meine Spezialgebiete lieber einem Fachmann. Die Hosen wurden aber zweifelsohne bis über die Knie heruntergezogen. Ein Gespräch mit dem vielleicht jüngsten Fanzinemacher hierzulande (Motto vom Panxnotdead Zine) und die Lese Lounge, läuten die letzten Underdog Seiten dieser Ausgabe ein, welche für mich wieder mehr als nur befriedigend war.

Dank guter Recherchen fühlte ich mich gut Unterhalten und, vor allem was das Top Thema “Hardline“ betrifft, sogar in einigen Punkten aufgeklärt. Wie (fast) immer eine Ausgabe auf hohem Niveau und mit viel Herzblut, mit der Fred und seine Crew es nicht nötig haben, sich selbst zu imponieren, aber dafür den Leseratten ein gehöriges Stück imponieren. Ein Schlusssatz, der für Kanzler “Birne“ Kohl wohl nicht in Frage käme, aber der war ja auch nie ein Underdog. Steff

www.underdogfanzine.de