…doch ihr Fluch heißt LD50?
Ich kann mich noch ganz genau an die Blicke, die wir uns gegenseitig zugeworfen haben, erinnern und auch so mancher Streit bleibt nicht unvergessen, schließlich hatte ihn der Lehrer nach dem Unterricht nochmal verinnerlicht als er mich manchmal zur Seite gezogen hatte und an meine, im Gegensatz zu manch anderen in der Klasse, vorhandene Vernunft appelierte. Jedoch nutzte es eben nicht viel! Wenn man Heim-, & Pensionstierpfleger und Zootierpfleger mit Versuchstierpflegern in einen Raum setzt, muss man eben damit rechnen dass es kracht. Ach ja, Versuchstierpfleger heißt es ja gar nicht mehr, die Damen und Herren werden seit geraumer Zeit Labortierpfleger genannt. Wäre nicht so provokant, jedoch bleibt ihre Arbeit egal wie man sie nennt gleich. Die Gesichter derer die als Labortierpfleger in der Klasse waren, wurden trotzdem kreidebleich, als unsere Lehrer, alle Doktoren der Tiermedizin, ihnen eröffneten, dass sie bei der Prüfung Tiere sauber und unter Zeugenaugen töten müssten. Somit kreischte die Nagel-Studio-Front entsetzt in den Raum! Damit hätten sie wohl nicht gerechnet…aber für welchen Job hatten sie sich denn eigentlich beworben? Was kann man denn noch anderes unter Versuchstierpflege verstehen? Streichelzoo und selbstreinigende Boxen?
Aber nicht nur diese aufgemotzten Solarium-Tussen, die aus der Klasse hervorstachen waren mir suspekt auch so einiges was ich lernen sollte, musste verdaut werden, nämlich das Tierschutzgesetz! Als Tierpfleger muss man die ersten Paragraphen auswendig können, dies wird in so ziemlich jeder Abschlussprüfung abgefragt. Auch wenn das schon einige Jahre her ist, bekomme ich den Satz heute noch zusammen, und genau da fängt auch schon die Skepsis an:
TIERSCHUTZGESETZ ERSTER ABSCHNITT GRUNDSATZ § 1:
Zweck dieses Gesetztes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Und schon haben wir den Salat! Selbst die Labor-Püppchen unter uns waren selbiger Meinung, nämlich, dass es keinen vernünftigen Grund gibt! Natürlich kommen einem nach reichlicher und langer Überlegung doch ein Paar in den Sinn, einer wäre, die Tötung eines unheilbar kranken Tieres, oder der Versuch bösartige Tiere, die anderen schaden wollen davon abzuhalten. (so ala: spielfreudiger Hund verbeißt sich in wegrennendem Kind). So wenige vernünftige Gründe und so viele Tote Tiere? Auch wenn das Tierschutzgesetz seid Jahren im Grundgesetz verankert ist, hat es nicht besonders viel Gewicht. Von den dort festgelegten Quadratmeterzahlen für Tierhaltung mal ganz abgesehen, die sind noch ein größerer Witz. Das was wir über die Jahrtausende Tieren angetan haben passt auf keine Kuhhaut, und die Grausamkeit dessen ist eigentlich nicht vorstellbar. So viele Dinge haben wir uns einfallen lassen wie wir das liebe Tier quälen können, nicht nur in der Tierhaltung sondern vor allem trotz des Tierschutzgesetzes sogar ganz legal in Tierversuchslabors. Und warum das Ganze?
Weil der Mensch davon überzeugt ist, dass erst die Tierversuche die Bekämpfung von Krankheiten und damit die Erhöhung der Lebenserwartung ermöglicht haben. Auch wenn es hierfür Gegen-Argumente gibt, nämlich die, dass der Rückgang von Infektionskrankheiten hauptsächlich durch die verbesserten sanitären Einrichtungen, der dort befindlichen Hygiene und der allgemeinen besseren Ernährung des Menschen zu zu schreiben ist. Doch davon wollen Tierversuchsbefürworter nichts wissen. Diese behaupten sogar weiterhin, dass medizinische Forschung ohne Tierversuche nicht möglich ist. Was mit eine der Größten Lug- und Truggeschichten darstellt. Komischerweise gehen die Tierversuche konstant zurück, weil die Befürworter selber merken, dass es so nicht stimmt. Tests mit Zellkulturen oder Mikroorganismen in In-Vitro-Systemen, somit im Reagenzglas ablaufende Verfahren, übertreffen die Tierversuche in Ihrer Aussagekraft bei weitem!
Und dann wird auch noch behauptet, dass Tierversuche der Menschheit nicht schaden! Diese Aussage gehört zu den gefährlichsten Irrtümern unserer Zeit, denn Tierversuche schaden dem einzelnen Menschen genau so wie der ganzen Menschheit. Tierversuche lassen Medikamente und neue Substanzen sicher erscheinen, obwohl deren Sicherheit absolut nicht abschätzbar ist! Das bereits berühmte CONTERGAN war nicht das erste und auch nicht das letzte Arzneimittel, das wegen schwerster Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden musste. Davon können noch heute stark behinderte Betroffene ein Liedchen singen. Viele Nierenkranke, welche dialysiert werden müssen bzw. auf eine Spender-Niere warten, haben sich mit Medikamenten ihre Nierenfunktion zerstört, mit Medikamenten, welche aufgrund von Tierversuchen als sicher galten!
Wie sagte Dr. Bernhard Rambeck von „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“:
Weite Kreise unserer Gesellschaft gehen von der unabdingbaren Notwendigkeit des Tierversuchs aus. Aber die Notwendigkeit des Tierversuchs basiert auf Mythen, nicht auf Fakten. Die Mythen über den Tierversuch werden verbreitet, müssen verbreitet werden, weil sonst ein pseudowissenschaftliches System in sich zusammen stürzen würde. Weil ohne diese Mythen rasch klar würde, dass der Tierversuch der Menschheit nicht nur hilft, sondern im Gegenteil ungeheuren Schaden für Mensch und Tier anrichtet.
Was sich in den Räumen, Boxen oder Käfigen abspielt ist kaum erdenklich. Für verschiedene Bereiche werden Tiere gequält, und unter Strom oder Drogen gestellt. Eine der Hauptanliegen ist die Grundlagenforschung, gefolgt von der Tötung zu wissenschaftlichen Zwecken, über Arzneimittelforschung. Weiter geht’s mit der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten, der Toxikologie (Prüfung von Giften), und als Schlusslich gilt die Tötung von Tieren für Fortbildungszwecke, somit für Schüler an Unis und deren Versuche.
Tieren werden fremde Körperteile angezüchtet, oder durch unverträgliche Stoffe Haut, Augen und weitere Körperpartien verätzt. Um einen Unfall zu simulieren und durch Tests die Verletzungen des Kopfes bei verschiedenen Geschwindigkeiten zu messen, wird Primaten immer wieder der Schädel eingeschlagen. Doch am meisten werden Stoffe durch intravenöse, dermale, orale oder inhalative Applikation (=Zufuhr) verabreicht, um den zentralen Giftwert zu ermitteln.
Dieser wird im Fachwesen LD50 genannt. Ausgesprochen Letale Dosis (letal = tötlich), die 50 steht für 50%, damit ist die Menge der Tiere gemeint die nach dem Test tot in der Box liegt. Die LD50 ist das A und O bei der Feststellung der Giftigkeit oder Verträglichkeit von Stoffen für die Weiterverarbeitung.
Hierfür werden immer wieder große Gruppen von gleichen, meistens speziell gezüchteten Tieren verwendet, da man für aussagekräftige Resultate genaue Daten über diese Tiere braucht, z. B. ihre durchschnittliche Lebensdauer, aber auch Daten darüber, welche Krankheiten (Krebs, Diabetes etc.) wie häufig in der Population auftreten. Größtenteils müssen Mäuse mit einem Gewicht von 17-21 gr herhalten.
Man fängt mit einer Gruppe an, verabreicht eine gewisse Menge des Giftes oder einer Strahlung und zählt danach die Überlebenden. Diese Tests wiederholen sich so lange bis man genaue Ergebnisse darüber hat bei welcher Giftmenge keine Gruppe der Versuchstiere überlebt, 50% überlebt oder alle. Hat man den LD50 erfasst, weiß man in welchem Maße ein Gift den Utensilien unseres Alltagsgebrauchs beigefügt werden kann. Dies lässt sich anhand einer Tabelle am besten darstellen: (hier nur in 25er Schritten aufgeführt oft, aber in 10er Schritten praktiziert)
TEST:
| Gruppe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Anzahl Tiere |
| Verabreichte Dosis | A | B | C | D | E | mg pro kg |
| Für ? % tödlich | 0 | 25 | 50 | 75 | 100 |
Um sich das mal in Zahlen vorzustellen, die durch solche Versuchen zustande kamen:
ZYANKALI LD50 = 6mg / kg
NATRIUMCHLORID LD50 = 6 gr / kg
PFEILGIFT LD50 = 0,2 mg / kg
NIKOTIN LD50 = 0,9 mg / kg MENSCH
NIKOTIN LD50 = 9,2 mg / kg HUND
NIKOTIN LD50 = 53,0 mg / kg RATTE!
Hier merkt man wie giftig Nikotin für uns Menschen eigentlich ist, man sollte das Rauchen den Ratten überlassen, die können das besser wegstecken. Natürlich ist hier nicht die inhalative Dosis gemeint, sondern die intravenös applizierte. Beim Rauchen können wir kaum eine Überdosis erreichen weil der Körper das Nikotin zu schnell abbaut.
Zu den wohl giftigsten Stoffen zählt das Nervengift BOTULIN LD50 = 1 ng / kg (ng = Nanogramm = 1 Milliardstel Teil eines Grammes) bei einer intravenösen Injektion. Somit würden 500 gr ausreichen um die gesamte Menschheit umzubringen. Heutzutage wird es auch als Faltenkiller unter die Haut von denen gespritzt die es sich leisten können.
Diese Zahlen erscheinen vielleicht doch recht interessant, wenn man jedoch bedenkt auf welche Art und Weise sie zustande kamen, würde man sicherlich doch lieber auf dieses Wissen verzichten.
Auch wenn es schon längst überfällig ist, Tierversuche zu stoppen gibt es sie leider immer noch. Aus diesem Grund hat sich 1989 die ZEBET gegründet. Sie ist die Zentrale zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmetzoden zum Tierversuch.
Es gehört zu den Aufgaben der ZEBET, Wissenschaftlern aus Industrie, Universitäten und Behörden Informationen über Alternativmethoden in einer hierfür entwickelten Datenbank zur Verfügung zu stellen. Seit Februar 2000 ist daher die Datenbank der ZEBET über Alternativmethoden zu Tierversuchen (AnimAlt-ZEBET) in deutscher und englischer Sprache im Internet lizenzfrei über das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) erreichbar.
In der ZEBET-Datenbank werden ausschließlich Methoden dokumentiert, die mindestens eine der drei folgenden Anforderungen erfüllen:
- durch die Anwendung der Methode werden Tierversuche ersetzt (Replacement),
- die Zahl der Versuchstiere wird reduziert (Reduction),
- das Leiden und die Schmerzen der Versuchstiere werden vermindert (Refinement).
Zudem überprüft die ZEBET Verläufe von Tierversuchen, deren Notwendigkeit, ethische Vertretbarkeit, sowie staatliche Genehmigungen und deren Richtigkeit für die Einsätze. Und das nur zu Recht, denn nicht immer sind Tierversuche nötig um bestimmte Stoffe, Strahlungen und die damit verbundenen Reaktionen zu testen. Denn, es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Alternativen!
Eine bereits erwähnte, sind die In-Vitro-Systeme bei denen für Tests gezüchtete Mikroorganismen und Körperzellen verwendet werden anstatt Tiere.
Eine Weitere Möglichkeit für Ersatz bzw. Reduzierung von Tierversuchen ist die PID, PREIMPLANTATIONSDIAGNOSTIK (vorgebrutliche Diagnostik). Bei dieser Methode werden unbrauchbare Menschliche Zellen an die Tier-Forschung weitergegeben. Bei Menschen selber ist die PID meiner Meinung nach ethisch nicht ganz vertretbar, jedoch wird sie weiterhin ausgeprägt angewendet um z.B.: Frauen künstlich zu befruchten oder mitunter das perfekte Baby zu gestalten.
Mit der Acute Toxic Class (ATC)-Methode hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), in Berlin, eine Methode zur Prüfung der akuten oralen Giftigkeit von Stoffen entwickelt, die die Zahl der bisher hierfür benötigten Tierversuche um durchschnittlich 70 Prozent reduziert und damit einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz leistet. Es werden zwar hierfür immer noch Tiere oral getestet jedoch die Zahl deutlich eingeschränkt.
Der HET-CAM, Hühnerei-Test genannt, stellt eine weitere Alternative dar. Mitte der 1980er Jahre wurde der Hühner-Ei-Test an der CAM, der Aderhaut eine Eies, zur Überprüfung der Hautverträglichkeit von Chemikalien entwickelt. Die Membran ist von Blutgefäßen durchzogen und schmerzunempfindlich. Der Test wird an bebrüteten Eiern, vor dem 10. Bebrütungstag, durchgeführt. Damit ist gewährleistet, dass der Hühnerembryo noch kein Schmerzempfinden hat.
Für den Test wird die zu prüfende Substanz auf die CAM gebracht. Die Reaktionen der Membran (Blutungen, Veränderungen der Blutgefäße oder des Eiklars) werden beobachtet und ausgewertet. Vielleicht auch eine etwas verfechtbare Methode, jedoch besser als die Tötung vieler Tiere.
Dies ist nur eine Auslese der mittlerweile vielen Alternativen die die Anzahl der Versuchstiere drastisch minimieren könnten. Leider werden so einige nur zu selten genutzt. Grund hierfür ist das Festhalten an gewohnten Mitteln und Forschungen, sowie der finanzielle Aspekt der doch immer wieder weit über dem ethischen steht. Zu hoffen bleibt, dass es irgendwann einmal einen Schlussstrich unter der Ära der globalen Tierversuche gibt, und das Leid ein für alle mal ein Ende hat. Wir sind zwar langsam aber hoffentlich sicher auf dem Weg dorthin.
Zum Schluss noch ein Paragraph, den nicht nur ein Tierpfleger auswendig können sollte:
ZWEITER ABSCHNITT TIERHALTUNG § 2:
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
- muß das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
- darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, daß ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
- muß über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Dieser Paragraph betrifft eigentlich so ziemlich jeden von uns der ein Tier hält! Würden ihn sich alle Menschen die ein Tier in ihrer Obhut haben zu Herzen nehmen, würde auch das Leid, die Schmerzen und Schäden in den vielen Wohnzimmern, Hinterhofzwingern, und Käfigen ein Ende haben. Denn auch wenn Tierversuche das allerletzte sind, unterscheiden sich die Qualen der dort lebenden Tiere manchmal kaum von dem Elend welches manche Tiere unter „normalen“ Haltungsbedingungen ertragen müssen.
STOPPT TIERVERSUCHE!!! – FÜR EIN BESSERES MENSCH-TIER-BEWUSSTSEIN!!!




